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Carlo Clemens

AfD 08.12.2022 Sitzungen 18/17

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch die AfD-Fraktion sieht in der bestmöglichen Förderung aller Schüler ein zentrales Anliegen der Bildungspolitik. Auch die AfD hat erkannt, dass es um die Förderung von begabten und hochbegabten Kindern und Jugendlichen in NRW nicht zum Besten bestellt ist. Ganz im Gegensatz zur FDP-Fraktion legen wir den Finger allerdings auch in die Wunde, wenn es um die Ursachen von Missständen und die richtigen Schlussfolgerungen geht. Es ist ein Fakt, dass das Leistungsvermögen innerhalb von Klassen und Lerngruppen an den Schulen in NRW immer heterogener wird. Das haben wir auch bei den Vorrednerinnen gehört. In zu vielen Grundschulen sitzen 30 oder mehr Kinder in einer Klasse. Der Unterricht erfolgt mitunter jahrgangsübergreifend, weil es zu viele Schüler und 08.12.2022 zu wenige Lehrer gibt. Das ist gleich doppelt nachteilig für die Lernerfolge von Hochbegabten. Erwiesenermaßen zeigen Klassenverbände, in denen die Leistungsunterschiede zu groß sind, vergleichsweise schlechte Lernerfolge. Die Erfolge sind wiederum dann am größten, wenn eine relative Leistungshomogenität vorliegt. Gleichzeitig erlauben große Klassen schon aus Zeitgründen kaum die Förderung eines einzelnen Schülers. Bei solchen Bedingungen darf es uns nicht wundern, wenn Hochbegabte, die gemeinsam mit Lernschwachen in einen Topf geworfen werden, chronisch unterfordert und unmotiviert sind. Vielen von uns dürften solche Fälle von hochbegabten Underachievern aus dem Umfeld bekannt sein. Die Geschichten von Anna und von Moritz wurden eben ausgeführt. Auch ich selbst kenne eine Mutter, deren Kind bereits bei der Einschulung Lesen, Schreiben und Rechnen konnte und trotz oder womöglich gerade deswegen nicht zu den Besten in der Klasse zählte, sondern sogar die Schule wechseln musste, um eine bedarfsgerechte individuelle Förderung zu erhalten. Den Lehrkräften fehlte es schlicht an Zeit und Erfahrung, um sich auf die besonderen Erfordernisse dieses Kindes einzustellen, geschweige denn diesen gerecht zu werden. Deshalb ist auch zu begrüßen, wenn die FDP-Fraktion in ihrem Antrag fordert, dass Lehrer und Erzieher in Fortbildungen und Lehrgängen besser für den Umgang mit Hoch- und Höchstbegabten geschult und sensibilisiert werden. Es ist jedoch nicht der richtige Weg, die problematischen Folgen einer gleichmacherischen Bildungspolitik aus der Not heraus auf außerschulische und kostenpflichtige Fördereinrichtungen zu verlagern, denn das würde letztendlich zu einer neuen Ungleichheit, zu einer bildungspolitischen Zweiklassengesellschaft führen, in der sich Besserverdiener gute Bildung für ihre Kinder an privaten Einrichtungen erkauften, während die öffentlichen Schulen und damit auch Schützlinge von Eltern aus weniger gut verdienenden Familien, qualitativ mitunter deutlich hinterherhinkten. Das entspricht nicht unserem Verständnis von Bildungsgerechtigkeit. (Beifall von der AfD) Zuerst muss das öffentliche Schulsystem seine Hausaufgaben machen. Was wir in NRW benötigen, ist eine Rückbesinnung auf die Stärken des deutschen Bildungswesens: ein differenziertes, mehrgliedriges Schulsystem mit gut ausgestatteten Förderschulen und hoch qualifiziertem Fachpersonal, das den Stärken und Schwächen unserer Schüler gerecht wird, (Beifall von der AfD) Landtag und möglichst kleinen Klassen mit 12 bis 20 Schülern, zuverlässigen Unterrichtszeiten und einer ausreichenden Anzahl an motivierten und gut ausgebildeten Lehrern, deren fachliche und erzieherische Autorität unbestritten ist. Das bedeutet in der Konsequenz auch, dass der politisch gewollte Trend zur Gesamtschule und zur Inklusion beendet werden muss. Man erlebt diesen Gegensatz ja auch in der Debatte hier. Ich habe den Eindruck, dass Sie bei der FDP-Fraktion sich nicht so richtig trauen, in diesem Punkt mal Klartext zu sprechen. Allein dadurch würden unsere Lehrkräfte entlastet und eine Lernumgebung geschaffen, die zu einer allgemeinen Leistungssteigerung führte und damit gerade auch hochbegabten Schülern – das ist ja das Thema in diesem Antrag – zugutekäme. Diese Lernumgebung ist die Grundbedingung, um das Talent und die Kreativität von begabten und hochbegabten Kindern überhaupt flächendeckend und frühzeitig erkennen zu können, sie individuell zu fördern und zu fordern. Natürlich sollten zusätzlich aber auch die klassischen Instrumente der Begabtenförderung in den Fokus gerückt werden. Stipendien, Schülerwettbewerbe und kostenlose Förderprogramme wie die Zentren Begabtenförderung oder die Initiative „Leistung macht Schule“ müssen weiter ausgebaut werden. Einer Überweisung in den Ausschuss stimmen wir selbstverständlich zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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