Ina Brandes
Sehr verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Wald ist ein wichtiger Klimaschützer. Mit ca. 935.000 Hektar nimmt er etwa 27 % der Flächen in Nordrhein-Westfalen ein. Der Wald hat viele wichtige Funktionen in der Natur, für die Wirtschaft und für die Gesellschaft. Er ist CO - Speicher, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Erholungs- und Regenerationsort, und er liefert einen wichtigen Rohstoff: das Holz. Für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind Wälder damit auch eine bedeutende Einkommensquelle. Wir als Landesregierung werden alles dafür tun, den Wald zu schützen und zukunftsfest zu machen. Vorausschauendes, langfristiges Handeln für den Wald ist so wichtig wie nie zuvor. Hierfür bildet der jährliche Waldzustandsbericht die nötige Faktenlage. Dank der kontinuierlichen Arbeit unserer Forst-, Klima- und Bodenfachleute in Nordrhein-Westfalen haben wir mit der Waldzustandserhebung belastbare Walddaten aus fast 40 Jahren. Allein in diesem Jahr summiert sich das Schadholzvolumen mit Stand September auf 4,4 Millionen Festmeter. Im Vergleich zu den Vorjahren gehen wir von einer Abschwächung der Kalamitätsmengen aus. Die Feststellung im Antrag der FDP-Fraktion, die Zahlen würden nur den Stand im Sommer widerspiegeln, ist so pauschal nicht zutreffend. Es ist festzustellen, dass zwar auf etwa 14 % der Waldfläche vorherige Fichtenbestände vollständig abgestorben sind, dass aber auf der übrigen Waldfläche von etwa 86 % die Wälder die Witterungsextreme weitgehend überstanden haben. Nach einer ersten Erhebung unter den Regionalforstämtern wurde auf rund einem Viertel der Schadflächen bereits mit der Wiederbewaldung begonnen. Lassen Sie mich noch etwas zu unserer Unterstützung für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sagen. Die Situation für die nordrhein-westfälische Forstwirtschaft ist in der Tat sehr ernst und besorgniserregend. Nach der aktuellen Bewältigung der Kalamität steht nun die gewaltige Aufgabe der Wiederbewaldung an. Zudem sind die Wälder insgesamt hin zu einer größeren Angepasstheit an den Klimawandel zu entwickeln. Wir müssen unseren Waldbäuerinnen und Waldbauern helfen, für ihren Betrieb eine wirtschaftliche Perspektive zu entwickeln. Die Landesregierung unterstützt den Waldbesitz bei dieser großen Aufgabe sowohl fachlich als auch finanziell. Dazu legt die Landesregierung ein Pro-Landtag gramm zur erweiterten Unterstützung auf. Es wird um finanzielle Unterstützung gehen, aber auch um fachliche Beratung und um Bürokratieabbau. So erhöhen wir unter anderem die Wegebauförderung in Waldgebieten, die besonders unter den Kalamitäten gelitten haben, von 70 % auf 90 % der förderfähigen Kosten. Die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse, die durch die Umstellung der Förderung mit mehr Bürokratie konfrontiert sind und deshalb dringend eine professionelle Geschäftsführung benötigen, werden wir durch eine verbesserte Förderung unterstützen. Außerdem werden wir die kostenfreie Initialberatung für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer intensivieren, die nicht in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen organisiert sind. Die Aufgabe, den Wald zu einem klimaresilienten Mischwald umzubauen, ist komplex und bedarf einer Fachberatung durch ausgebildete Forstleute. Ich versichere Ihnen: Die nordrhein-westfälische Landesregierung steht auch hierbei eng an der Seite der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Unsere Fachkonzepte und Instrumente wie das Waldbaukonzept, das Wiederbewaldungskonzept und das Internetportal Waldinfo.NRW bieten hierbei wichtige Hilfestellungen. So geht es bei der Wiederbewaldung um eine sinnvolle und auch effiziente Kombination von geeigneter Naturverjüngung und ergänzender Pflanzung. Naturverjüngung und effektive Eingriffe sind kein Widerspruch, sondern vielmehr bewährtes forstwirtschaftliches Handeln. Bereits die Erfahrungen mit der Wiederbewaldung nach dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 zeigen, dass bei einem Überlassen der Schadflächen ausschließlich für die Naturverjüngung keine neuen Wälder entstehen, die gut an den Klimawandel angepasst sind. Die Wälder der Zukunft müssen aus mehreren Baumarten bestehen und mehrschichtig aufgebaut sein. Die Baumarten müssen auch im Klimawandel in idealer Weise zu den lokalen Boden- und Klimabedingungen passen. Hierzu ist eine aktive waldbauliche Steuerung erforderlich. Natürliche Prozesse wie geeignete Naturverjüngung sollten zur ökologischen Bereicherung und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit genutzt werden. Zur Stärkung der Bodenschutzkalkung im Wald hat die Landesforstverwaltung die Erstellung eines Kalkungskonzepts mit digitalen Karten geplant. Entsprechend seiner Vorbildfunktion ist auch im Landeswald die Wiederaufnahme der Kalkung vorgesehen. Darüber hinaus werden wir die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer über das Thema weiterhin informieren und auf seine hohe Bedeutung hinweisen. Über die regionalen Forstämter bietet die Landesforstverwaltung zu den genannten Themen landesweit fachliche Beratung vor Ort an. 08.12.2022 Seit dem Beginn der Kalamität wurden über 100 Millionen Euro Fördermittel ausgezahlt, um die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei der Beseitigung der Schäden zu unterstützen. Im nächsten Jahr werden – vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags – 70 Millionen Euro Fördermittel für die Forst- und Holzwirtschaft zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich bleibt auch in der derzeitigen Krise sowie angesichts der großen Herausforderungen und Aufgaben das Prinzip der Multifunktionalität des Waldes erhalten. Im Rahmen des Waldbau- und Wiederbewaldungskonzepts empfiehlt die Landesregierung eine aktive Waldbewirtschaftung. Die vielfältigen wichtigen Waldfunktionen sind auch im Klimawandel zu erhalten. Die Landesregierung setzt sich daher auch für eine Stärkung der nachhaltigen Holzverwendung ein. So soll insbesondere der Holzbau in Nordrhein-Westfalen weiter ausgebaut werden. Die heimische Forstwirtschaft soll auch zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Holzversorgung der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen leisten. Dies dient auch dem Klimaschutz. Nicht alle Waldflächen können alle Waldfunktionen im gleichen Maße erbringen. Dies zeigt die Waldfunktionskarte für Nordrhein-Westfalen mit den unterschiedlichen Schwerpunkten deutlich. So gibt es selbstverständlich auch Vorrangflächen für naturschutzfachliche Schwerpunkte wie zum Beispiel im Rahmen der verschiedenen Kategorien von Schutzgebieten. Daraus eine Abkehr vom Prinzip der Multifunktionalität abzuleiten, ist abwegig. Die Herausforderung der Anpassung der Wälder an den Klimawandel wird zukünftig auch Wälder in Schutzgebieten immer stärker betreffen. Die Fachkonzepte der Landesregierung bieten auch hier fachliche Hilfestellungen. Damit die große Aufgabe der Wiederbewaldung und der Entwicklung klimaangepasster Wälder gelingen kann, müssen alle Akteure der Forstwirtschaft zusammenarbeiten, und die nordrhein-westfälische Landesregierung wird dies aktiv unterstützen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
