Dr. Bastian Hartmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Forschung an Gravitationswellen ist aktuell tatsächlich der heiße Rand der Forschung in der Physik und Astrophysik. Das sind die Forschungsleistungen, die einmal Geschichte schreiben werden, und das ist die Forschung, die einmal unseren Blick auf die Welt verändern wird. Denn die Forschung an Gravitationswellen – das klingt wirklich spektakulär – befasst sich mit nicht weniger als der Frage nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren und damit der Frage nach dem Ursprung unserer Welt. 2015 konnte ein Gruppe Forscher zum ersten Mal nachweisen, dass es diese Gravitationswellen gibt, und so eine ganz zentrale These aus Einsteins Relativitätstheorie belegen. Sie konnten nämlich feststellen, dass es in einer Entfernung von über 1 Milliarde Lichtjahren zu einer Explosion aufgrund der Fusion, des Zusammenprallens zweier Schwarzer Löcher gekommen ist. Messen konnten sie dieses Ereignis durch den minimalen Ausschlag eines Laserstrahls in einer großen vakuumierten Röhre auf dem Planeten Erde. Das ist möglich, weil von dieser Fusion, diesem Aufeinanderprallen der Schwarzen Löcher Gravitationswellen ausgehen, die – das ist wirklich spektakulär, wie ich finde – in der Lage sind, den Raum zu krümmen und zu stauchen. Genau das kann ein solcher Laser aufnehmen. Das ist schon ein beeindruckendes Stück Wissenschaft. Völlig zu Recht wurden die drei Forscher dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. So spektakulär das ist, so bedenkenswert ist für uns vielleicht noch etwas anderes. Denn die Technik dafür wurde in Deutschland und in Großbritannien entwickelt. Der Nobelpreis ging allerdings in die USA. Denn dort stehen solche großen Forschungsanlagen. Deutschland und Europa hatten sich damals gescheut, in Projekte dieses Ausmaßes zu investieren. 24.11.2022 Und genau das ist es, was wir heute mit einem Gravitationswellendetektor der dritten Generation – das klingt so, als käme es direkt aus einem Science-Fiction-Film –, mit genau diesem Einstein-Teleskop, ändern können. Auch hier werden kilometerlange Röhren gebaut und vakuumiert. Darin können Laser am Ende Stauchungen und Krümmungen des Raumes registrieren. Nur erfolgt das mithilfe des Generationswellendetektors der dritten Generation mindestens zehnmal so genau wie mit der Anlage, die damals den Nobelpreis abgeräumt hat. Das ist ein herausragendes Beispiel für genau die Spitzenforschung, die wir in Nordrhein-Westfalen haben wollen. Aber es geht dabei natürlich auch um Geld. Wir haben die Zahlen gerade gehört. Insgesamt reden wir über Fördermittel in einem Volumen von ungefähr 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro allein für den Bau. Es machen sich allerdings noch mehr Regionen Hoffnung darauf. Neben der Region im Dreiländereck Deutschland/Belgien/Niederlande sind das Sardinien und die Lausitz. Insbesondere die Lausitz macht sich auf, dieses Projekt zu sich zu holen. Die Entscheidung fällt 2025. Der Bau könnte zwei Jahre später geplant werden. Für das Dreiländereck spricht neben der Bodenbeschaffenheit auch die wissenschaftliche und wirtschaftliche Struktur der Region. Denn natürlich brauchen wir dort elaborierte Zulieferer, die solche Apparaturen bauen und instand halten können. Wir brauchen auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Erkenntnisse zutage fördern können. Außerdem hat der Standort den Charme, dass sich drei Länder das Projekt und damit die Kosten teilen. Bereits vor drei Jahren haben die demokratischen Fraktionen dieses Hauses einen gemeinsamen Antrag eingebracht und beschlossen, sich für den Standort im Dreiländereck starkzumachen. Ich bin sehr froh, dass wir heute nun mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag hieran anknüpfen können. Denn ich bin sicher: Neben der Bodenbeschaffenheit und neben den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Strukturen dort vor Ort braucht ein solches Projekt auch politischen Rückenwind. Wir sollten das Einstein-Teleskop daher nicht als Plattform nutzen, um unsere Unterschiede zu zelebrieren; dafür finden wir andere Gelegenheiten. Im Gegenteil: Das ist ein Projekt, hinter dem wir uns gemeinsam versammeln und mit dem wir gemeinsam ein starkes Signal über die Fraktionen hinaus setzen. Ich bedanke mich dafür, dass das in der Vergangenheit gut geklappt hat, und hoffe und freue mich darüber, dass es auch in Zukunft so sein wird. – Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Landtag
