landtag.nrw.de ↗

Yvonne Gebauer

FDP 24.11.2022 Sitzungen 18/15

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Worum muss es in der heutigen Debatte gehen? Es muss gehen um Geschlechtsempfinden, um geschlechtliche Identität, um geschlechtliche Selbstbestimmung, um die Stärkung der Rechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen sowohl bei Erwachsenen als auch für Kinder und Jugendliche. Ja, es gibt Kinder und Jugendliche, die das Gefühl haben, in einem falschen Körper zu stecken. Und ja, es gibt Kinder und Jugendliche, die tatsächlich in einem falschen Körper stecken. Hierbei handelt es sich um eine schwierige Situation für das Kind, für den Jugendlichen selbst, aber natürlich auch für die Familie. Dass besonders die Pubertät für Kinder und Jugendliche nicht einfach ist, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Sie ist eine Lebensphase des Austestens, und dies in vielerlei Hinsicht und natürlich auch im Hinblick auf den eigenen Körper. Dass Kinder und Jugendliche in dieser für sie doch besonderen und auch herausfordernden Zeit immer viel Unterstützung brauchen, ich glaube, das versteht sich von selbst. Dass wir uns als Politik und Gesellschaft mit dem Thema der Geschlechtsinkongruenz beschäftigen, dass wir die Kinder und Jugendlichen aufklären müssen, dass wir ihnen zu verstehen geben, dass sie mit dieser – ich nenne es jetzt mal – vermeintlichen Besonderheit nicht allein sind, dass sie keine Exoten sind, sondern ein Teil unserer Gesellschaft, dass wir sie wertschätzen und lieben, egal, welches Geschlecht sie haben, egal, für welches Geschlecht sie sich entscheiden, all das ist richtig und wichtig. Landtag Wie sich allerdings auch der Bund diesem sicher nicht einfachen Thema annimmt – sei es unter der SPD-Familienministerin Giffey zu Zeiten der Großen Koalition oder auch heute mit einer grünen Ministerin, deren Ministerium das Regenbogenportal unterstützt, darüber muss man auch mal reden. Denn die Frage ist: Wie klärt man richtig auf; wie unterstützt man die Kinder und die Jugendlichen? Darüber – das haben wir heute gehört und werden wir im Ausschuss noch sprechen – kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Ich darf hier einmal Sätze aus dem Regenbogenportal zitieren: „Bist du noch sehr jung? Und bist du noch nicht in der Pubertät? Dann kannst du Pubertäts-Blocker nehmen.“ – Der letzte Satz wurde geändert in: „So kannst du deinen Arzt/deine Ärztin fragen, ob dir Pubertätsblocker vielleicht helfen könnten.“ Meine Damen und Herren, wir wissen, die Pubertät beginnt bei unseren Kindern zunehmend früher, aus unterschiedlichsten Gründen, bei Mädchen im Durchschnitt im Alter von zehn Jahren, bei Jungen etwas später im Durchschnitt im Alter von zwölf Jahren, bei manchen Kindern – haben wir gerade gehört – schon früher, nämlich mit acht Jahren. Diesen Kindern wird über das Regenbogenportal angeraten, sie mögen doch bitte den Arzt/die Ärztin erst einmal nach Pubertätsblockern fragen. Das halten wir Liberalen für den falschen Einstieg. Vor jeder Beratung muss die Aufklärung stehen und vor jeder Verabreichung von Medikamenten die Beratung. Um es hier deutlich zu sagen: Ich halte eine Überarbeitung der entsprechenden Seite des Regenbogenportals nicht nur für wünschenswert, sondern auch für erforderlich. Dabei sollte eine ergebnisoffene Beratung im Vordergrund stehen, sowohl inhaltlich als auch – und das ist mir wichtig – sichtbar, sichtbar auf der Seite des Regenbogenportals, damit hier entsprechend neutral auf eine Problematik, auf einen Zustand hingewiesen wird. Ich rate an der Stelle, sich bei der Neugestaltung der Seite zum Beispiel einmal an den Ausführungen für Kinder und Jugendliche mit dem Bild von ADHS zu orientieren und zu schauen, wie diese Seite speziell für die Kinder und Jugendlichen altersgerecht, altersgemäß gestaltet ist. Eine Bemerkung zum Schluss. Der Tipp, der Kindern auf dem Regenbogenportal hinsichtlich ihrer Wahrnehmung auf ihren Körper gegeben wird, wie sie eine gute Ärztin, einen guten Arzt erkennen und welchen eigenen Test sie dazu machen sollen, der lässt – muss ich sagen – doch erhebliche Zweifel zu. Dort heißt es, sie mögen den Test machen, und zwar damit, dass sie sich selbst fragen: Verwendet die Person – also der Arzt, die Ärztin – den Namen, den du ihr gesagt hast? Bemüht sie sich, mit dem richtigen Pronomen oder deinem Vornamen, über dich zu sprechen? Fühlst du dich ernst genommen? 24.11.2022 Meine Damen und Herren, für eine gute Beratung durch einen guten Arzt bzw. durch eine gute Ärztin braucht es mehr als solche für mich selbstverständlichen Voraussetzungen. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)

Alle Reden von Yvonne Gebauer Protokoll ↗