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Christof Rasche

04.11.2022 Sitzungen 18/13

Vielen Dank. – Für die Landesregierung erteile ich nun Herrn Minister Karl-Josef Laumann das Wort. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein Satz zu der Rede von der AfD: Ich glaube, dass es überhaupt nicht zusammenpasst, sonntags AfD zu wählen und gleichzeitig zu glauben, dass wir am Montag eine ausländische Fachkraft in Deutschland haben. Das schließt sich aus. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Wenn wir Fachkräfte aus dem Ausland für Deutschland gewinnen wollen, dann brauchen wir eine Willkommenskultur, aber keine Abschreckungskultur, wie Sie sie in Ihrer Politik darstellen. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP – Jochen Ott [SPD]: Das ist rich- tig!) Jetzt zum Thema. Wenn man als Arbeitsmarktpolitiker so lange in der Politik ist, empfindet man die jetzige Zeit eines Fachkräftemangels – und so empfinde ich es auch – eigentlich als eine wesentlich feudalere Situation als die vielen Jahre, die ich in meinem politischen Leben erlebt habe, in denen wir mit Massenarbeitslosigkeit zu tun hatten, in denen wir Vorruhestandsregelungen treffen und vieles andere machen mussten, (Christian Loose [AfD]: Die kommen noch, Herr Laumann! Die schaffen Sie gerade!) um mit den Problemen fertigzuwerden. (Christian Loose [AfD]: Dank der Energie- wende! – Zuruf von der CDU) Darüber hinaus sind wir in der Situation, dass die Demografie zuschlägt. In Nordrhein-Westfalen wird in den nächsten zehn Jahren eine Million Beschäftigte aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, und auf 100 Personen über 65 Jahre rücken nur 67 jüngere nach. Das wird in Zukunft über viele, viele Jahre so sein. Ich bin Jahrgang 1957. Wenn ich es richtig recherchiert habe, haben nur 11 % der Menschen aus meinem Geburtsjahrgang Abitur gemacht. Der Grund dafür liegt nicht darin, dass wir dümmer waren als die Menschen, die heute leben, sondern weil es einfach so war, dass in bestimmten Milieus die Kinder einfach zur Volksschule geschickt wurden. Ich gehöre Landtag auch dazu. Im Großen und Ganzen haben wir dann eine duale Berufsausbildung gemacht. Heute machen 50 % eines Geburtsjahrganges in Nordrhein-Westfalen Abitur, und insofern haben sie die Möglichkeit, zwischen dualer Ausbildung und akademischer Ausbildung zu wählen. Und das ist auch gut so. Deswegen stehen wir doch politisch vor der Riesenherausforderung, dass wir nicht nur über die Gleichwertigkeit von dualer und akademischer Ausbildung reden, sondern auch dafür sorgen müssen, dass in unserem Erziehungssystem den Heranwachsenden beide Ausbildungsformen als gleichwertig vermittelt werden. Die Heranwachsenden müssen wissen, dass sie auf beiden Wegen eine gute berufliche Zukunft finden können. (Beifall von der CDU und der SPD) Darum geht es uns in der Fachkräfteoffensive in einem ganz wichtigen Punkt. Ein Arbeitsministerium kann sich dieser Aufgabe aber nicht alleine stellen, sondern das muss die Aufgabe aller in der Landesregierung und über alle politischen Bereiche hinaus sein. Ich will niemanden in die duale Ausbildung zwingen. Ich möchte aber, dass sich die jungen Leute bewusst entscheiden, indem sie die duale Ausbildung so kennen, dass sie sich auch für eine duale Ausbildung entscheiden können, weil sie nicht nur den theoretischen Bereich der Schule kennen. Denn ich bin schon der Meinung, dass wir viel zu viele junge Leute haben, die nach der allgemeinbildenden Schule erst einmal weiter auf die Schule gehen wollen, weil die Schule das ist, was sie kennen. Ein weiterer Punkt ist „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Wir müssen darauf achten, dass wir die Potenziale ausschöpfen, die wir in Deutschland haben, und den Menschen, die hier leben, eine Beteiligung an Arbeit ermöglichen. Deswegen gilt es natürlich – das ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil einer Fachkräfteoffensive –, die Potenziale, die wir haben, zu heben. Dazu gehört auch, dass wir alles daransetzen, vor allem die jungen Menschen, die es schwer haben, den Übergang von der Schule in den Beruf zu schaffen, in die Berufswelt hineinzubekommen. Wenn man die eigenen Potenziale nicht hebt, macht alles andere wenig Sinn. (Jochen Ott [SPD]: So ist es!) Deswegen ist es auch richtig, dass wir 21 Millionen Euro für KAoA zur Verfügung stellen. Zudem haben wir 6,5 Millionen Euro Landesmittel für das Werkstattjahr. Des Weiteren geben wir 30 Millionen Euro für Berufseinstiegsbegleitungen aus. Ich finde, es ist eine ganz wichtige Sache, sich bereits in den letzten Schuljahren um benachteiligte Schüler zu kümmern und sie beim Übergang von der Schule in die Ausbildung sowie am Anfang der Ausbildung zu begleiten. Außerdem haben wir natürlich Ausbildungs-04.11.2022 programme wie den „Kurs auf Ausbildung“ sowie andere landesgeführte betriebliche Ausbildungsstellen. Wir haben gestern über das Bürgergeld gesprochen. Im Rahmen dessen werden ebenfalls neue Akzente für die berufliche Bildung gesetzt. Dann wird es natürlich ein Stück Zuwanderung für den Arbeitsmarkt geben müssen. Dafür ist wichtig, dass wir in Deutschland zu einer vernünftigen Kultur kommen, wie wir ausländische Bildungs- und Berufsabschlüsse anerkennen. (Jochen Ott [SPD]: So ist es!) Hier gibt es auch bei den Kammern und beim Staat noch sehr viel Nachholbedarf. Das müssen wir uns auch vornehmen. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN)

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