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Carlo Clemens

AfD 02.11.2022 Sitzungen 18/11

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wieder einmal hat eine nach wissenschaftlichen Standards angefertigte Qualitätsstudie zu der Erkenntnis geführt, dass die instrumentellen und kognitiven Kernkompetenzen eines großen Teils der Grundschüler in diesem Land nicht ausreichen. Besonders bedrückend ist die Erkenntnis, dass sich die Leistungsergebnisse in den Fächern Deutsch und Mathematik gegenüber früheren Studien weiter verschlechtert haben. Offenbar sind in den letzten 20 Jahren die Hinweise auf die unzureichenden schulischen Leistungen in diversen Studien – ausgehend von den PISA-Studien, von den TIMSS-Studien oder von den IQB-Studien – von den verantwortlichen Politikern aller Fraktionen jeder Couleur ignoriert worden. Sie haben sich unbeirrt über die Alarmrufe hinweggesetzt – auch über die Alarmrufe aus der Lehrerschaft, aus den Ausbildungsbetrieben und aus den Universitäten. Über zum Teil völlig unzureichende Fähigkeiten der Auszubildenden und Studenten haben Sie in der Vergangenheit hinweggesehen, so als hätten Sie keine Verantwortung für den beispiellosen Niedergang des Bildungswesens in diesem Land. Kennzeichnend für genau diese Haltung der Ignoranz gegenüber dem Problem unseres Gemeinwesens und dem eigenen schlimmen Versagen in der Vergangenheit ist der hier vorliegende Antrag der SPD. Obwohl Sie die schweren Mängel der schulischen Leistungsfähigkeit unter II. in Ihrem Antrag selber feststellen, fällt Ihnen nichts anderes ein, als zur Behebung dieser schweren Mängel eine Bildungskonferenz einrichten zu wollen. Ein weiterer symbolischer Runder Tisch soll also mit einem Konzept reparieren, was Sie in den letzten 40 Jahren durch Ihre unseligen schulpolitischen Entscheidungen zerstört haben. Es ist immer wieder die gleiche Masche, die Sie fahren: Sie bilden ein außerparlamentarisches Gremium, nominieren Ihnen nahestehende Freunde aus Wissenschaft und Verbänden für dieses Gremium und bekommen von diesen dann das geliefert, was Sie hören wollen. So ist es bereits mit der Kommission gelaufen, deren Mitglieder Ministerpräsident Rau 1992 höchstpersönlich ausgesucht hatte. Diese Bildungskommis-02.11.2022 sion mit dem Namen „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“ hat dann Ihre ideologischen Bildungskonzepte mit einer Vielzahl von unseligen Vorschlägen in einer sogenannten Denkschrift zu Papier gebracht. Deren Umsetzung, die in der Denkschrift entworfene Utopie einer neuen Schule der Freiwilligkeit und der spielerischen Wissensaneignung, hat den heutigen schulpolitischen Scherbenhaufen mitbegründet. (Beifall von der AfD) Der geschilderte Istzustand ist eine Folge des bereits in dieser Denkschrift ideologisch begründeten Systemwechsels im Bildungswesen. Zu diesem Systemwechsel gehört die Marginalisierung der Lehrkräfte im Unterrichtsgeschehen mit der Idee von Wochenplänen und eines völlig selbstständigen Arbeitens der jungen Schüler. Der Lehrer soll möglichst überflüssig sein. Die Kinder bleiben sich selbst überlassen. Dazu gehört die Bildung von hyperheterogenen Lerngruppen durch die Erweiterung der Schuleingangsphase auf bis zu drei Jahre und durch die Abschaffung der AO-SF-Verfahren in der Grundschule sowie die Schließung zahlreicher Förderschulen. Begleitet wurde der Umbau der Schullandschaft durch die Diffamierung des Leistungsgedankens als Instrument der Differenzierung und die Diffamierung der Lehrautorität. Erlebte Disziplinlosigkeit und mangelnder Respekt seitens der Schüler, wie sie bislang nur aus der Sekundarstufe bekannt waren, sind somit längst Lebensrealität von Grundschullehrkräften geworden. Die heterogenen Lerngruppen müssen nun auch noch Kinder aufnehmen, die aufgrund der hohen Zuwanderung nach Deutschland bzw. NRW gekommen sind und die deutsche Sprache nicht oder nur kaum beherrschen. Die Zuspitzung sozialer und zuwanderungsbezogener Disparitäten wird im IQB-Bildungstrend festgehalten. 72 % der nordrhein-westfälischen Grundschulen haben einen Migrantenanteil von über 25 %. Bei 932 Grundschulen liegt dieser Anteil sogar zwischen 50 und 100 %. An 56 Grundschulen – überwiegend im Ruhrgebiet – werden fast ausschließlich Kinder mit Migrationshintergrund beschult. Die Grundschullehrer unterrichten daher mitunter Kinder unterschiedlichen Alters und mit zum Teil völlig unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten in einer Lerngruppe. In solchen hyperheterogenen Lerngruppen können auch individuell nur begrenzte Lernerfolge erzielt werden. Das weiß jeder, der die lernpsychologischen Voraussetzungen für das Erreichen eines individuellen Leistungspotenzials kennt und einzuschätzen weiß. Wenn Sie es mit der Bekämpfung des Bildungsabbaus ehrlich meinten – Sie nennen es ja selbst Bildungskatastrophe –, dann würden Sie Ihre Irrtümer öffentlich bekennen und auf die Bildungsforscher Landtag hören, die aufgrund von umfassenden Untersuchungen Bedingungen für ein erfolgreiches Unterrichten nachgewiesen haben. Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Sabine Gruehn nennt folgende Bedingungen für gelingenden Unterricht: - eine effiziente Klassenführung, die sich durch hohe Disziplin und eine geringe Zeitverschwendung auszeichnet, - geringer Leistungsdruck, - niedriges Interaktionstempo, - ein in sich schlüssiger Gedankengang mit stufigem Erkenntnisfortschritt, - eher geringe Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schüler, - ein relativ geringer Individualisierungsgrad des Unterrichts und der Aufgaben, - klar verständlicher Gedankengang und dessen Sicherung, - individuelle Bezugsnormorientierung des Lehrers, - positive Schülerorientierung und - sozialdiagnostische Kompetenz des Lehrers. Die vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erstellte Studie „Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter“ hält ausdrücklich fest – ich zitiere –: In den Positivklassen wird eine deutlich geringere Schülerpartizipation und ein geringerer Individualisierungsgrad wahrgenommen als in den Negativklassen. Es wird weniger Zeit vergeudet für nichtfachliche Aktivitäten, was mit einer höheren Disziplin einhergeht. Der Unterricht ist weniger sprunghaft und klarer strukturiert. Trotzdem sind die Schüler mit ihrer Lehrerin bzw. mit ihrem Lehrer insgesamt wesentlich zufriedener. Befreien wir den Schulalltag also von den Lasten linksideologischer Bildungsutopien. Lassen wir das AO-SF-Verfahren von der ersten Klasse an zu. Richten wir wieder Förderschulen ein. Richten wir für die Schüler, die noch an die Schule herangeführt werden müssen, Vorschulklassen ein. Ermutigen wir die Leitungen und die Lehrkräfte, Autorität wieder als Instrument der Menschenführung einzusetzen. Befreien wir die Grundschulen endlich von einer Form der Überindividualisierung des Lernens, die die Lehrkräfte teilweise überfordert und den Schülerinnen und Schülern nicht nutzt. (Beifall von der AfD) Sorgen wir dafür, dass in den Schulen endlich wieder ein wertschätzendes Klima einer anregenden Leistungsgemeinschaft herrscht. Um das umzusetzen, benötigen wir jedoch sicher keine Bildungskonferenz. Wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall von der AfD) 02.11.2022

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