Corinna Lange
Gesunde Zähne von Anfang an - zahnärztliche Vorsorge für alle Kinder in Kitas stärken
und hier oben. Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Kollegin Klages, Sie sind ja kein Mitglied des Kultusausschusses, mussten sich aber irgendwie auf Ihre Rede heute vorbereiten. Ein kleiner Tipp von mir: Ausschussprotokolle lesen, denn dann hätten Sie gewusst, dass es hier nicht ein einziges Mal um zwanghafte Maßnahmen geht, die Eltern entmündigen, sondern um eine sehr gute Maßnahme, bei der man aktuell mit bürokratischen Hürden zu kämpfen hat. Liebe Kolleginnen und Kollegen, stellen Sie sich eine alltägliche Szene in einer Kita vor: Die Kinder sitzen im Kreis, lachen und lernen spielerisch das richtige Zähneputzen mit Kroki, einem kleinen grünen Handpuppenkrokodil. Für sie ist es ein Spiel, für uns ist es Gesundheitsvorsorge von Anfang an. Doch die Realität in Niedersachsen sieht oft anders aus: Fast jedes zweite Kind hat am Ende der Kindergartenzeit bereits kariöse Zähne. 20 % der Kinder tragen 80 % der gesamten Karieslast. Zwei Drittel der Kleinkinder gehen nicht zu den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen. Das bedeutet, wir wissen genau, wo das Problem liegt, und trotzdem erreichen wir viele Kinder nicht. Wenn Karies erst in der Grundschule entdeckt wird, ist es oft zu spät für einfache, schmerzfreie Behandlungen. Dann sind Eingriffe aufwendig und eine erhebliche Belastung für die Kinder. Wir haben in Niedersachsen bereits ein starkes Instrument: Das ist die Gruppenprophylaxe in den Kindertagesstätten. Sie ist seit 1988 in § 21 SGB V verankert und wird von den kommunalen zahnärztlichen Diensten umgesetzt - spielerisch, niedrigschwellig, kindgerecht. Mund auf, reingucken, Mund zu. Ganz einfach - eigentlich. Denn dieses System stößt an Grenzen. Heute gilt: Ohne schriftliche Zustimmung der Eltern dürfen Kinder nicht untersucht werden. Fehlt dieser eine Zettel aber, bleibt das Kind außen vor. Genau dort, wo diese Einverständniserklärung fehlt, ist das Risiko besonders hoch. Untersuchungen scheitern also oft an fehlenden Unterschriften, und die Kinder, die es am dringendsten nötig hätten, nehmen nicht teil. Unser Antrag, den wir gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen und der CDU stellen, ist eine Umkehr des bisherigen Systems. Statt einer schriftlichen Zustimmung soll künftig ein Widerspruchsmodell gelten. Grundsätzlich nehmen alle Kinder teil. Wer nicht möchte, kann widersprechen. Damit respektieren wir Elternrechte, machen die Teilnahme aber zum Regelfall. Wir wollen die Pflicht zur Teilnahme ausdrücklich im NKiTaG verankern. So schaffen wir eine klare Rechtsgrundlage, bauen Bürokratie ab und geben den Einrichtungen Sicherheit. Es geht hier explizit nicht um Zwang, sondern um Prävention, um Gesundheit und um Kinderschutz. Gesunde Zähne bedeuten weniger Schmerzen, bessere Sprachentwicklung, bessere Konzentration und Lernfähigkeit und langfristig geringere Folgekosten für unser Gesundheitssystem. Vor allem aber geht es um Chancengleichheit. Manche Familien sind schwerer zu erreichen, sei es wegen sprachlicher Hürden, sozialer Belastung oder weil Gesundheitsvorsorge im Alltag nicht selbstverständlich ist. Diese Kinder sind überdurchschnittlich betroffen. Zahngesundheit darf aber nicht vom Elternhaus abhängen. Jedes Kind in Niedersachsen soll mit einem gesunden Lächeln in die Schule starten können. Mein ausdrücklicher Dank gilt den Zahnärztlichen Diensten und allen Fachkräften, die heute schon großartige Arbeit in den Kitas leisten - oft mit viel Kreativität und Herzblut, um den Kindern die Angst zu nehmen. Diese Arbeit wollen wir stärken und von unnötiger Bürokratie befreien. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Zahngesundheit ist kein Nebenthema. Sie entscheidet über die Lebensqualität unserer Kinder, über ihre Bildungschancen und über ihre Zukunft. Mit unserem Antrag sorgen wir dafür, dass Vorsorge nicht länger an Papierkram scheitert. Vielen lieben Dank.
