Harm Rykena
Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken - Qualität stärken, Fachkräftemangel bekämpfen!
Vielen Dank. - Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich zitiere mal aus dem Antrag: „Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen hat in einer schriftlichen Umfrage unter Lehrkräften im Vorbereitungsdienst im Sommer 2023 das Vorhandensein eines,Praxisschocks' nachgewiesen." Das ist ja ein Ding! Ich bin jetzt 61 Jahre alt und habe vor fast 35 Jahren meine Studienarbeit für das erste Staatsexamen geschrieben, und raten Sie mal, zu welchem Thema! Es ging damals schon um den bekannten Praxisschock für angehende Lehrkräfte und die unzureichende Vorbereitung durch das Studium. Dann bin ich ja froh, dass die GEW und die Landesregierung jetzt, ein Dritteljahrhundert später, auch endlich gemerkt haben, dass hier Handlungsbedarf besteht. Mehr Praxisbezug in der Lehrerausbildung ist also gut. Zum einen kann damit verhindert werden, dass angehende Junglehrer nicht erst nach vielen Jahren des Studiums merken, dass der zuweilen harte Alltag vor der Klasse für sie doch nicht das Richtige ist. Zum anderen aber kann so auch die Qualität der Ausbildung bedeutend gesteigert werden. Bis heute werden an den Hochschulen nämlich zuweilen haarsträubende Dinge gelehrt, die mit dem Schulalltag herzlich wenig zu tun haben. Eine stärkere Verzahnung von Hochschulstudium und Praxis würde schon angehenden Lehrern die Augen öffnen und vielen einen kritischen Blick auf etliche Auswüchse der angeblich wissenschaftlich fundierten Ausführungen der Professoren gewähren. Ein realistischeres Bild des Lehrerberufes und eine realistischere Sicht der Pädagogik könnten die Folge sein. Dass diese Auswirkung auch von den Autoren des vorliegenden Antrags ich nenne es mal „befürchtet" wird, sieht man daran, dass laut Antrag „die Phasenverzahnung von Studienseminaren und Hochschulen zu verstärken" sei. Außerdem sollen zusätzlich die praxiserprobten Lehrkräfte, die die angehenden Lehrer in den Studienseminaren anleiten, über das NLQ auf den rechten, theoriegeleiteten Pfad gebracht werden. Man versucht also, die untaugliche Theorie in die Praxis hinein zu retten. An der Stelle hoffen wir mal, dass das eben nicht vollumfänglich gelingen wird. Neben diesem an sich erst einmal positiven Aspekt atmet wie es eben auch der Kollege von der CDU gesagt hat der Antrag allerdings den Geist des Weges zum Einheitslehrer an einer Einheitsschule aus. Beispiele? - Es sollen jetzt kommt wieder ein Zitat „Basiskompetenzen in den Bereichen Heterogenität von Lerngruppen, Inklusion und Grundlagen der Förderdiagnostik ... gebündelt werden können, um den Studierenden aller Lehrämter ein bestmögliches Angebot mit sonderpädagogischer Orientierung unterbreiten zu können". Der Regelschullehrer als sonderpädagogische und jetzt leider in Anführungsstrichen „Fachkraft" ist also das erklärte Ziel. Oder wieder ein Zitat: „Ein kompletter Verzicht auf die Schwerpunktsetzung würde es Absolventinnen und Absolventen ... ermöglichen, nicht nur wechselseitig an Haupt- und Realschulen, sondern auch an Gesamtschulen unterrichten zu dürfen." Stimmt, das wäre ein Traum für die Schulverwaltung, die die Lehrer dann gut hin und her schieben kann. Ist es aber auch ein Traum für die Schüler, die davon betroffen sind und nur einen Wischiwaschi-ausgebildeten Einheitslehrer vorgesetzt bekommen? Das ist hier die Frage. Niemand kann Experte in allem sein. Das sollte doch jedem klar sein. Zum Antrag gäbe es noch einiges mehr zu sagen, dazu fehlt mir hier jedoch die Redezeit. Schauen wir mal, was die Beratung im Ausschuss so bringt. Vielen Dank.
