Oliver Lottke
Für ein menschenwürdiges Leben - Strategien zur Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Niedersachsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir kommen heute zur abschließenden Beratung unseres Entschließungsantrags. Wir haben im Rahmen der Ausschussberatungen eine, wie ich finde, wirklich umfangreiche und qualitativ sehr gute Unterrichtung durch die Landesregierung bekommen. Es wurde dadurch auch deutlich: Housing First ist keine Vision. Es ist eine praktikable, menschenwürdige und bewährte Antwort auf Obdachlosigkeit. Der Grundgedanke ist ebenso einfach wie überzeugend: Jeder Mensch braucht zuerst ein Zuhause - nicht irgendwann, sondern sofort. Denn erst mit einem sicheren Rückzugsort können Vertrauen wachsen, Stabilität entstehen und individuelle Hilfen überhaupt erst greifen. Statt auf Stufen und Bedingungen zu setzen, setzt Housing First auf Autonomie, auf freiwillige Mitwirkung und auf Würde. Klar ist aber auch: Housing First ist kein Wohnungsbauprogramm. Es funktioniert nur, wenn ausreichend bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist. Genau deshalb gehen wir in Niedersachsen neue Wege. Das Modellprojekt zur Wohnraumakquise ist eines dieser neuen Instrumente. Es verbindet soziale Arbeit mit immobilienwirtschaftlicher Expertise. Liebe Kolleginnen und Kollegen, mich hat, ehrlich gesagt, sowohl bei der ersten Beratung hier im Plenum als auch bei den Fragen zu der Unterrichtung durch die Landesregierung der Fokus der CDU bei diesem wichtigen Thema doch etwas irritiert. Die Ursachen für Wohnungs- und Obdachlosigkeit müssen natürlich bekämpft werden. Aber davon zu sprechen, man darf sich nicht darin verlieren, bereits bestehende Maßnahmen durch neue Modellprojekte auszuweiten, und von neuen Pflastern auf alten Wunden zu sprechen, ist, finde ich, auch gegenüber den Mitarbeitenden aus diesem Bereich der Wohnungslosenhilfe nicht sehr respektabel, die täglich hart dafür arbeiten, die Lebenssituation dieser Menschen, die jetzt Hilfe benötigen, zu verbessern. Es geht in diesem Antrag nicht um irgendwelche Modellprojekte. Es geht darum herauszufinden: Wo ist aus der Sicht der betroffenen Menschen der Bedarf bei medizinischer und pflegerischer Versorgung? Gibt es Maßnahmen, mit denen die Vermittlung von Wohnraum an wohnungslose Menschen gesteigert werden kann? Ziel ist es, durch valide Ergebnisse eine dauerhaft verbesserte Versorgungsstruktur zu erlangen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Resonanz auf unseren Antrag aus der Fachszene und aus den Wohlfahrtsverbänden hat gezeigt, dass der Antrag die richtigen Schwerpunkte setzt, auch wenn er natürlich nicht allumfassend ist. In diesem Zusammenhang müssen wir natürlich auch die Angebote für wohnungslose Frauen weiterentwickeln. Der Schutz dieser Frauen, deren Alltag häufig durch Gewalt geprägt ist, muss verbessert werden. Aber ehrlicherweise gab es vonseiten der Opposition im Rahmen der Ausschussberatungen viele grundsätzliche Fragen, aber es gab keine wirklichen Vorschläge, mit denen die Lebenssituation der vielen betroffenen wohnungslosen Menschen verbessert werden kann. Lassen Sie mich abschließend sagen: Housing First ist kein Allheilmittel, aber es ist ein zentraler Baustein in einer modernen, menschenzentrierten Wohnungslosenpolitik. Das Prinzip lautet: Der Mensch im Mittelpunkt - nicht die Bedingung. Lassen Sie uns diesen Weg mutig weitergehen - pragmatisch, professionell und mit dem festen Willen, das Leben derer zu verbessern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
