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Dr.in Tanja Meyer

GRÜNE 23.06.2023 3:24 min Tagungsabschnitte 19/8

Personalsituation in der Pflege stärken - Situation für Patienten und Pflegekräfte verbessern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Alle! Ein wenig irritiert habe ich Ihren Antrag gelesen. Die Überschrift „Personalsituation in der Pflege stärken – Situation für Patienten und Pflegekräfte verbessern“ verspricht eine Forderung, der erst mal natürlich zuzustimmen ist. Aber dann folgen ein paar Ideen, die der Komplexität und auch der Professionalität der Pflege nicht gerecht werden. Zum einen: Sie werfen Pflege in einen Topf, ohne zu differenzieren. Pflege in Krankenhäusern und ambulante Pflege bleiben weitgehend außen vor, ganz zu schweigen davon, dass Pädiatrie oder Intensivpflege auch nur Erwähnung finden würden. Des Weiteren: Wenn Sie sich schon auf Pflegeeinrichtungen konzentrieren, unterschlagen Sie komplett, dass zwei Drittel aller Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt werden. Für diese pflegenden Angehörigen brauchen wir Unterstützung und Anleitung von ambulanter Pflege und Hausärzt*innen. Nun zum Kern der einjährigen Pflegerhelfer*innenausbildung. Die einjährige Ausbildung darf aus unserer Sicht nur als Einstieg in eine Karriere in der Pflege eingeführt werden. Es braucht also unbedingt das Ziel der Weiterqualifizierung auf Fachkräfteniveau. Das lese ich bei Ihnen nicht. Pflege ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Sie auf Hilfstätigkeiten zu reduzieren, führt zu einer Deprofessionalisierung, die genau das Gegenteil von dem ist, was wir brauchen: professionelle Fachkräfte. In der Pflege geht es bei Weitem nicht nur um „satt, sauber, trocken“. Zudem: Wenn wir es mit der sektorenübergreifenden Versorgung ernst meinen, wenn wir die Delegation von ärztlicher Tätigkeit in andere medizinische Berufsfelder anstreben, dann brauchen wir dafür vor allem akademisch ausgebildete Pflegekräfte. Der Bund verbessert mit dem Pflegestudiumstärkungsgesetz die Grundlage dafür – derzeit inklusive Regelung einer Vergütung. Jede neue Ausbildungsform wird nichts nutzen, wenn Menschen den Beruf wieder schnell verlassen, weil die Bedingungen gerade doch so unattraktiv sind. Wir haben in Deutschland mindestens 300.000, optimistisch gerechnet sogar 600.000 Vollzeitpflegekräfte, die, sofern sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege deutlich verbessern würden, in den Beruf zurückkehren würden. Wir müssen also alles gleichzeitig tun: Arbeitsbedingungen verbessern, Ausbildung auf allen Stufen praxistauglich und vor allen Dingen durchlässig gestalten und ausländischen Fachkräften einen verbesserten Einstieg ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir die medizinische Versorgung insgesamt anpassen und auch regionale Chancen nutzen und in den Blick nehmen. Liebe CDU, erwecken Sie bitte nicht den Eindruck, Pflege wäre einfach und alle könnten das! Das Letzte, was wir wollen, ist, hier einen neuen prekären Beschäftigungssektor zu schaffen. Aber in einer Sache bin ich dabei: Wir dürfen keine Zeit verlieren. Deswegen freue ich mich über die Diskussion der Details, die Sie gerade einfordern, im Ausschuss; denn so ist das, glaube ich, noch nicht der richtige Weg. Danke.

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