Eike Holsten
Kindernotdienste per Videosprechstunde einrichten!
Eike Holsten (CDU): Vielen Dank. - Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das zeitlich begrenzte Angebot der KV-Videosprechstunde für erkrankte Kinder in NRW in der Hochphase der Infektionswelle, um den Jahreswechsel herum, war unbenommen eine richtig gute Aktion. Der Blick darauf hat uns alle im Ausschuss sicher ein Stück weit klüger gemacht. Dieses Angebot diente der Entlastung der Notdienstpraxen und hat als Modellprojekt sicher gute Erkenntnisse geliefert. Meine Damen und Herren, mit dem Gang zum Kinderarzt sind unabhängig von Grippewellen gewisse Hürden verbunden, - und zwar nicht nur die, dass auch dort die Personaldichte nicht gerade zu hoch ist. Als Vater dreier Kinder kann ich Ihnen sagen - dieses ungeschriebene Gesetz können Ihnen viele andere Familien sicherlich bestätigen -, dass Kinder, vor allem diejenigen, die sich noch nicht so richtig gut artikulieren können und ihre Befindlichkeiten nicht so recht auszudrücken wissen, grundsätzlich mittags krank werden und sich ihr Zustand in Richtung der Abendstunden drastisch verschlechtert. Und das geschieht nach kosmischer Gesetzmäßigkeit immer am Freitag, wenn Ärzte in ihren wohlverdienten Feierabend gegangen sind. Auch deshalb, liebe Kollegen, erscheint der Antrag auf den ersten Blick charmant. Bei genauerer Betrachtung im Ausschuss durch das zuständige Fachreferat des Ministeriums und nach Konsultation einer Ärztin werden wir diesem Antrag heute allerdings nicht folgen, so wie wir ihm auch schon im Ausschuss nicht gefolgt sind. Ich will das gerne kurz erläutern. Vordergründig sprechen zwei Argumente gegen den Antrag. Erstens. Er ist nicht notwendig. Das Instrument der KVN, die Rufnummer 116 117, besitzt bereits heute eine sehr gute Lenkungswirkung, wenngleich diese sicherlich ausbaufähig ist; das ist ja an anderer Stelle hier im Plenum durchaus schon Thema gewesen, lieber Volker Meyer. Wohin das Kind muss - dringend in die Klinik, zu einem Arzt in Bereitschaft oder doch erst zum nächsten Dienstbeginn zur Kinderärztin -, lässt sich also bereits heute relativ gut steuern. Zweitens - und dies scheint mir entscheidender -: Videosprechstunden sind bei kleinen Kindern vielfach nicht praktikabel. Kranke Kinder muss man sehen, und zwar leibhaftig und nicht per Video. Sie können sich häufig noch nicht ausdrücken. Ihre Reaktionen auf die Ärzte und ihr körperliches Verhalten sprechen häufig schon Bände. Nehmen wir ein praktisches Beispiel. Eltern kommen mit einem fiebrigem Kind in die Praxis, was oft in Verbindung mit einer Bronchitis auftritt. Die Temperatur können Sie zu Hause noch mehr oder weniger gut messen, aber mit dem Stethoskop abzuhören gelingt auf Distanz nicht. Und wie oft haben die Kinder was mit den Ohren - auch im wahrsten Sinne des Wortes -, was Sie über Video schlecht einsehen können. Bilder von Ausschlägen können Sie googeln und zum Vergleich anhalten. Wer macht das nicht? Aber selbst die besten Profis müssen diese auch tatsächlich sehen, um bestimmen zu können, worum es sich handelt. Diese Liste ließe sich beliebig erweitern, soll hier aber nur verdeutlichen, dass es eben einen Unterschied macht, ob Sie digital mit einem Erwachsenen über eine Erkältung sprechen oder ein krankes Kind behandeln wollen. Meine Damen und Herren, es ist gut, dass die KVN ihre digitale Sprechstunde ausbaut und hierbei gegebenenfalls auch junge Familien mit einbezieht, zumindest in den Fällen, in denen Kinderärztinnen und -ärzte das für ratsam halten. Das Projekt in NRW ist gut gewesen. Im Ausschuss ist verabredet worden, nach der Sommerpause noch einmal auf die Entwicklung bei der KVN zu blicken. In Sachen Digitalisierung, gerade im Gesundheitswesen, sollten wir ohnehin dringend am Ball bleiben. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)
