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Michael Lühmann

GRÜNE 11.10.2023 3:31 min Tagungsabschnitte 19/10

Den Gefahren für die Demokratie entgegentreten - dem Links- und Klimaextremismus keinen Raum geben und analog zu anderen Extremismusformen bekämpfen!

Vielen Dank. - Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das ist schon ein starkes Stück: sich aus selektiven Pressewahrnehmungen etwas zusammenzubauen, um mit längst widerlegten Behauptungen hier vor dem Plenum einen Wissenschaftler zu traktieren. Es hatte ja seinen Grund, dass der letzte Ostbeauftragte Marco Wanderwitz ‑ der jetzt nicht mehr im Amt ist ‑ die Studie wieder komplett freigegeben hat, inklusive einer Einleitung, in der wir Wissenschaftler ausführlich auf die Vorwürfe, die Sie hier wiederholt haben, eingegangen sind und sie sämtlich widerlegt haben. Es ist eine Frechheit, dass Sie hier mit irgendwelchen Pressemeldungen, mit Versatzstücken von Zitaten und vielem anderen mehr aufwarten, wissend, dass diese Studie längst wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Ich lade Sie alle gerne ein, diese Studie zu lesen. Das war damals ein großes Stück Arbeit. Wir haben natürlich keine Gesprächspartner erfunden - eine absurde Behauptung! Die Gesprächspartner ‑ das können Sie im Spiegel nachlesen ‑ haben sich später selbst zu erkennen gegeben. Es gab den Wunsch des Spiegel, mit dem Menschen zu sprechen, den wir in der Studie als „Herr Reese“ verfremdet haben. Das hat der Spiegel dann auch getan. Dieser Mensch ist in der sächsischen Politik für seine kontroversen Positionen sehr bekannt. Auch die Positionen, die er dort ausgeführt hat, sind sehr bekannt. Da geht es vor allem um die Relativierung von Rechtsextremismus, da geht es um eine Sachsen-spezifische Form des Gedenkens, die die Opfererzählung sehr stark nach vorne stellt, aber die Tätererzählung, die es eben auch gibt, nicht bringt. Ich will Ihnen das an einem Beispiel deutlich machen. Herr Kollege Lühmann, jetzt muss ich doch intervenieren. Sie dürfen nur Angriffe zurückweisen, die gegen Sie geführt wurden. Das habe ich bis zum jetzigen Zeitpunkt gesehen. Aber das Beispiel könnte in eine andere Richtung gehen. Das Beispiel ist zentral, weil es der Aussage dieser Person entspricht, die als „Herr Reese“ eingeführt wurde. Die spezifische Erinnerungskultur in Dresden stellt darauf ab, dass Dresden bombardiert worden ist, und erzählt nur eine Opfergeschichte. Aber dieser Mensch hat immer wieder nach vorne gestellt, dass Dresden auch eine sehr breite Tätergeschichte hat: zwei antisemitische Parteien - in dieser Stärke einmalig in der Geschichte des Deutschen Reichs! Und dass in der Frauenkirche, die 1938 bis 1942 von den Nazis saniert worden ist, die Judentaufe mit am Frühesten, nämlich 1934, suspendiert worden ist und auch die Seelsorge für jüdische Mitmenschen suspendiert worden ist. Ein wichtiger Punkt! In Dresden brannten auch das erste Mal Bücher. Das alles hat dieser sogenannte Herr Reese zu Protokoll gegeben. Das hat natürlich wehgetan. Aber das sind alles Fakten, die sind nachprüfbar, die kann man allesamt nachlesen, so wie man auch alle anderen Fakten in dieser Studie nachlesen kann. Tun Sie das einfach, aber unterlassen Sie es bitte, Wissenschaftler*innen ‑ und das ist ein ganzes Team von Wissenschaftler*innen gewesen ‑ durch den Dreck zu ziehen, nur damit Sie Ihre kleinen Punkte für Ihre Videos machen, die Sie dann bei YouTube hochladen! Das haben meine Kolleg*innen nicht verdient. Herzlichen Dank.

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