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Lara Evers

CDU 28.05.2026 7:16 min Tagungsabschnitte 19/34

Schwimmen lernen - Leben retten. Flächendeckende Unterstützung beim Schwimmenlernen

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Schwimmen zu können, ist keine Nebensache. Schwimmen ist lebensrettend. Und genau deshalb ist diese Debatte keine abstrakte Sportdebatte. Gerade die tragischen Badeunfälle der vergangenen Tage führen uns erneut vor Augen, wie existenziell Wasserkompetenz, Aufsicht, sichere Infrastruktur und Schwimmfähigkeit sind. Hinter solchen Meldungen stehen Familien und Schicksale. Umso größer ist unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass möglichst jedes Kind frühzeitig sicher schwimmen lernt. Deshalb will ich gleich zu Beginn ausdrücklich sagen: Das Ziel dieses Antrags teilen wir. Aber genau deshalb müssen wir heute auch ehrlich darüber sprechen, warum wir trotz jahrelanger Erkenntnisse immer noch an einem Punkt stehen, an dem zu viele Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht sicher schwimmen können. Denn das Problem ist nicht neu. Seit Jahren wissen wir: Es fehlen Wasserflächen, es fehlen Lehrschwimmbecken, es fehlen Schwimmzeiten, und es fehlen qualifizierte Lehrkräfte. Und viele Kommunen kämpfen darum, ihre Bäder überhaupt offen halten zu können. All das lesen wir im heute vorliegenden Antrag. Und deshalb lautet die Frage eigentlich: Warum diskutieren wir 2026 immer noch diese Probleme? Und warum bleiben die Antworten so unverbindlich? Meine Damen und Herren, die Landesregierung verweist ganz konkret auf das Sportstätteninvestitionsprogramm aus dem Jahr 2025. Und es ist selbstverständlich: Jede Investition in Sportstätten ist wichtig. Aber wenn wir ehrlich auf die Zahlen schauen, dann zeigen diese nicht den Erfolg des Programms, sondern die Größe des Problems. Beantragt wurden Projekte mit einem Gesamtvolumen von 126 Millionen Euro. Demgegenüber stehen 20 Millionen Euro in 2025 und 15 Millionen Euro in 2026. Das heißt im Ergebnis zusammengerechnet: Mehr als 91 Millionen Euro des sichtbar gewordenen Bedarfs bleiben weiter offen. Und das ist nicht einfach eine Überzeichnung eines Förderprogramms. Das ist ein deutlicher Hinweis aus den Kommunen, aus den Vereinen und aus der Praxis. Der Bedarf ist sehr viel größer als die Antwort des Landes. Die entscheidende Frage ist doch: Was passiert mit den Projekten, die leer ausgegangen sind? Und wie verhindern Sie, dass Kommunen jetzt wieder Jahre warten müssen? Kinder warten nicht darauf, bis Förderkulissen irgendwann wieder öffnen. Gleichzeitig verweist die Koalition selbst auf zusätzliche Bundesmittel. Mit der Sportmilliarde auf Bundesebene wird derzeit ein wichtiges Signal für die Sportinfrastruktur in Deutschland gesetzt. Dass der Bund den Investitionsstau im Sport stärker in den Blick nimmt, ist ausdrücklich zu begrüßen. Aber ebenso klar ist: Bundesmittel können die Verantwortung des Landes ergänzen, sie können sie aber nicht dauerhaft ersetzen. Schwimmen lernen braucht nicht nur einmalige Impulse, sondern dauerhaft verlässliche Strukturen vor Ort. Wir sprechen beim Thema Schwimmen oft über Sport, aber tatsächlich geht es um weit mehr. Es geht um Prävention, um Bildung und um Sicherheit. Schwimmen zu lernen, ist keine Nebensache oder freiwillige Zusatzleistung. Schwimmen ist eine Grundkompetenz, die jedes Kind erwerben sollte. Und genau deshalb dürfen wir die Verantwortung nicht weiter verschieben, weder auf den Bund noch auf Kommunen oder Vereine oder Eltern. Damit komme ich zu einem Punkt in der Debatte, der zu kurz kommt. Schwimmen lernen ist mehr als Infrastruktur. Es braucht neben Wasserflächen vor allem Menschen, die Schwimmunterricht geben können. Und genau da lohnt sich ein Blick auf die Realität. In Niedersachsen gibt es 160 öffentliche Grundschulen ohne ausgebildete Sportlehrkraft. Weitere 350 öffentliche Grundschulen haben nur eine einzige Sportlehrkraft mit entsprechender Fachausbildung. Somit ist bei über 30 % der Grundschulen der Schwimmunterricht nicht sichergestellt. Und genau deshalb ist es ein Problem, wenn wir nicht einmal belastbar wissen, wo Schwimmunterricht tatsächlich ausfällt und wo Kinder am Ende eben nicht erreicht werden. Denn was im Kerncurriculum vorgesehen ist, muss auch tatsächlich bei den Kindern ankommen. Sonst wird aus einem wichtigen Anspruch nur ein leeres Versprechen. Und noch etwas: Wenn Schwimmenlernen Priorität hat, dann müssen Programme auch verlässlich sein. Deshalb lohnt sich auch ein Blick auf die Entwicklung der Schwimminitiative. 2024 standen dafür noch 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Folgejahre wurde diese Struktur aber nicht dauerhaft abgesichert, obwohl der Bedarf nicht verschwunden ist. Genau deshalb stellt sich die Frage: Wie will die Landesregierung Schwimmenlernen dauerhaft absichern? Und wie sollen aus einzelnen Förderimpulsen endlich verlässliche Strukturen entstehen? Meine Damen und Herren, wir als CDU haben dieses Thema früh aufgegriffen. Dazu gehörten auch mobile Schwimmcontainer als ergänzende Übergangslösung dort, wo Wasserflächen fehlen oder Schwimmbäder wegen Sanierungsbedarf vorübergehend ausfallen. Andere Länder, etwa Nordrhein-Westfalen, sammeln damit bereits praktische Erfahrungen. Dort zeigen sich Möglichkeiten, Kindern auch in Regionen mit eingeschränkter Bäderinfrastruktur frühzeitig Wassergewöhnung und erste Schwimmkompetenzen zu vermitteln. Ich sage ausdrücklich: Ein Schwimmcontainer kann nicht dauerhaft ein Schwimmbad und ein Lehrschwimmbecken ersetzen. Aber er kann helfen, Zeiten zu überbrücken, Unterrichtsausfälle abzufedern und Kindern überhaupt Zugang zum Wasser zu ermöglichen, wenn sonst kein Schwimmenlernen stattfinden könnte. Frau Kollegin, lassen Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Meyn zu? Nein, danke. Meine Damen und Herren, wir wollen, dass jedes Kind verlässlich schwimmen lernt. Und wir wollen starke Vereine und ein starkes Ehrenamt. Aber wir erwarten mehr Verbindlichkeit und mehr Tempo in der Umsetzung. Denn schwimmen lernt man nicht durch Prüfaufträge, wie sie in diesem Antrag enthalten sind, sondern schwimmen lernt man im Wasser. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Herzlichen Dank.

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