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Pippa Schneider

GRÜNE 26.09.2024 4:50 min Tagungsabschnitte 19/19

Studieren in Niedersachsen - Attraktivität steigern, Konkurrenzfähigkeit erhalten

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Wintersemester 2022/2023 waren knapp 200 000 Studierende an niedersächsischen Hochschulen eingeschrieben, fast 10 000 Studierende weniger als noch im Wintersemester 2020/2021. Auch die Zahl der StudienanfängerInnen liegt weit unter dem Niveau des Jahres 2019. Diesen Rückgang sehen wir bundesweit. Niedersachsen gehört nach Bayern und NRW zu den Ländern mit dem stärksten Rückgang an StudienanfängerInnen. Gemeinsam mit den Hochschulen wollen wir als Landespolitik die Gründe für diesen Rückgang genauer analysieren. Unser Ziel ist es dabei, den Zugang zum Studium für eine vielfältige Studierendenschaft zu öffnen und Barrieren abzubauen. Es braucht spezifische Unterstützungsstrukturen vor dem Hintergrund der Heterogenität der Studierendenschaft. Ein wichtiger Punkt, für den es dringend mehr Unterstützung braucht, ist die bessere Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Studium. Hier braucht es unter anderem eine Flexibilisierung der Studienbedingungen und auch ganz konkret Beratungs- und Unterstützungsangebote. Oft sind es kleine Punkte, die im Ergebnis einen ganz großen Unterschied machen. Ich habe selbst während des Bachelorstudiums mein erstes Kind bekommen und habe genügend Situationen erlebt, in denen die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Studium nicht immer ganz einfach war. In einer Pflichtvorlesung gab es nur Übungsgruppen von 16 bis 18 Uhr, aber da war leider die Kita schon zu. Ein anderer Übungsgruppenleiter hat darauf bestanden, immer um Punkt 8 Uhr anzufangen. Auch das ist für studierende Eltern nicht machbar, wenn man die Kinder erst um 8 Uhr in die Kita bringen kann. Dann wurde mir empfohlen, dass ich ja einfach ein Teilzeitsemester machen kann. Schön und gut. Problem daran: Bafög bekommt man während eines Teilzeitstudiums nicht. Der Lebensunterhalt ist damit also auch nicht gesichert. Das alles zeigt sehr deutlich, dass es hier noch einen großen Nachholbedarf gibt. Studienbedingungen müssen flexibler gestaltet werden. Davon profitieren nicht nur studierende Eltern, sondern generell Studierende mit Sorgeverantwortung und Studierende mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Es braucht mehr Möglichkeiten für ein Teilzeit- oder berufsbegleitendes Studium und eine Flexibilisierung und finanzielle Absicherung dieses Teilzeitstudiums. Nicht zuletzt braucht es eine bedarfsgerechte Studienberatung für eben diese vielfältige Studierendenschaft. Ein weiteres wichtiges Thema ist gerade in der Corona-Pandemie massiv hochgekocht, nämlich die psychische Gesundheit von jungen Menschen und Studierenden. Soziale Isolation, Online-Lehre, bei der man nur in schwarze Zoom-Kacheln gestarrt hat, und für viele Erstsemester eine neue Stadt, in der sie niemanden kennenlernen konnten, das alles war eine extreme psychische Belastung für viele Studierende. Ich war in dieser Zeit als AStA-Vorsitzende an der Uni Göttingen aktiv. Bei uns wurde zum Beispiel die Warteliste für die psychosoziale Beratungsstelle im Oktober des Jahres wegen Überfüllung geschlossen. Das heißt, dass man nicht nur keinen Platz in der eigentlich niedrigschwelligen Beratung bekommen hat, sondern dass man sich noch nicht einmal auf die Warteliste für solch einen Platz setzen lassen konnte. Das kann und darf so nicht weitergehen. Auch nach der Corona-Pandemie hält die hohe psychische Belastung für junge Menschen an. Schaut man sich die aktuelle Jugendstudie an, dann sieht man, dass junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren mit Sorge in die Zukunft schauen. Durch Krisen wie die Klimakrise, Corona und die Inflation steigen diese Zukunftsängste noch mal. Auch an den Unis braucht es deswegen genug Förderung der Resilienz von Studierenden zur Prävention psychischer Belastungen. Und es braucht eine ausreichende Finanzierung von niedrigschwelligen psychosozialen Beratungsangeboten. Es ist extrem wichtig, junge Menschen mit ihren Zukunftsängsten nicht allein zu lassen, sondern sie endlich ernst zu nehmen.

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