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MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky

AfD 23.06.2023 5:43 min Tagungsabschnitte 19/8

Personalsituation in der Pflege stärken - Situation für Patienten und Pflegekräfte verbessern

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Pflegenotstand betrifft seit Jahren nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder. Die Gründe dafür und auch dementsprechende Lösungsansätze sind unterschiedlich. In Großbritannien kompensieren die Pflegeprobleme hauptsächlich ausländische Pflegekräfte, auch aus Deutschland. In Deutschland ruft man vor allem nach einer höheren Vergütung und mehr gesellschaftlicher Anerkennung. Ist das aber so einfach? Als AfD sind für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, weil Pflegekräfte faire Lebensverhältnisse verdienen. Ich sorge mich um die vielen Menschen, die deswegen frustriert sind, weil sie ihre Patienten nicht gut versorgen können, das gegenwärtige System ihnen keine Chance dazu gibt, ihre Arbeit gut auszurichten. Solange die Zustände, in denen sie arbeiten müssen, untragbar sind, ist jeder Gehaltszuschlag nur ein Schweigegeld. In Großbritannien sind die Gehälter der Pflegekräfte ähnlich wie in Deutschland. Nach Angaben der OECD aus 2020 ist der durchschnittliche Jahreslohn eines Krankenpflegers in Deutschland 38.000 Euro. In der Schweiz sind es 58.000 Euro, in Belgien aber bis 80.000 Euro, und der Spitzenreiter Luxemburg bezahlt bis 100.000 Euro pro Jahr. Das Land Nordrhein-Westfalen führt langfristig das Fachkräftemonitoring Gesundheitsberufe durch, und die Ergebnisse präsentierte es auf dem Hauptstadtkongress in Berlin letzte Woche unter dem Motto „Den Status quo kennen, um für die Zukunft zu planen“. Die Erhebungen widersprechen der gängigen Meinung, dass viele Pflegekräfte ihrem Beruf binnen weniger Jahre den Rücken kehren. Nach diesen Erhebungen verbleiben Krankenpfleger im Median mehr als 18 Jahre in dem Beruf. Es gibt scheinbar auch genug Bewerber für die Pflegeausbildung, es fehlen aber Lehrkräfte, und viele davon arbeiten in Teilzeit. Auch das Ausbildungsgeld im ersten Jahr – ungefähr 1.150 Euro pro Monat – stützt die Motivation für die Pflegeausbildung. Möglicherweise fällt aufgrund dessen die Entscheidung aber auch vorschnell. Man hat falsche Vorstellungen von dem Beruf, oder die Vorbereitung auf den Beruf entspricht nicht der Praxis. Ich sehe selbst im Krankenhaus, dass manche der jungen Krankenpfleger zwar überdurchschnittlich gut mit Dokumentation umgehen können, bei den praktischen Tätigkeiten aber ihre Defizite haben. Das alles wird dazu beitragen, warum bis zu 30 % der Auszubildenden die Ausbildung abbrechen. Jetzt greift die CDU mit ihrem Antrag gleich in dem ersten Punkt ein heikles Thema auf. Der Vorschlag der CDU-Kollegen, das hessische Modellprojekt „Altenpflege plus“, hört sich erst einmal gut an: mehr Pflegekräfte durch eine Ausbildung von Menschen ohne Schulabschluss, Perspektiven für Migranten und Flüchtlinge, Öffnung für sogenannte bildungsferne Schichten - sie bekommen ihre Chance, und das unter voller Bezahlung eines guten Ausbildungsgeldes. Schaut man sich aber die Komplexität der Pflegeausbildung an, so muss man sich fragen, ob Menschen, die bereits vorher schon keinen Schulabschluss geschafft haben, dieser Aufgabe bei einer Doppelbelastung durch das Erlernen des Ausbildungsstoffes sowie die Arbeit in Pflegeheim und Krankenhaus überhaupt gewachsen sind. Auf der einen Seite machen wir bei den vorgebildeten ausländischen Pflegern umfangreiche Anerkennungsprüfungen und -verfahren, die aus unterschiedlichen Gründen bis zu 14 Monate dauern. Auf der anderen Seite will die CDU Menschen ohne jede Vorbildung und auch ohne Deutschkenntnisse innerhalb eines Jahres zu Pflegehelfern machen. Übrigens: In Hessen war das Modellprojekt auf zwei Jahre Dauer ausgelegt. Man kann natürlich argumentieren, die Lage sei so schlimm, dass auch diese Lösung etwas helfen kann. Es kann aber einen fatalen Verlust der Qualität in der Pflege bringen, unter dem die zu Pflegenden zu leiden haben. Laut den Ausführungen des CEO der DANA Senioreneinrichtungen in Hannover – ebenfalls auf dem Hauptstadtkongress vorgetragen – gebe es in seiner Einrichtung in Hannover keine unbesetzten Pflegestellen, keine geschlossenen Stationen oder gesperrte Betten. Was macht er anders? Nach seinen Erfahrungen geht es nicht so sehr um höhere Gehälter, sondern hauptsächlich um verlässliche Dienstpläne, einen fürsorglichen Arbeitgeber, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit mit dem Familienleben, Unterstützung bei der Kinderbetreuung und weniger Bürokratie. In seinem Betrieb scheint sich zu bestätigen: Wenn nicht der Gewinn im Vordergrund steht, sind die Pflegesituation und Versorgung gut. Vielen Dank. Vielen Dank. Die nächste Rednerin aus der Fraktion der SPD

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