Dr.in Tanja Meyer
Landesaktionsplan Gute Geburt: Eine gesunde und gute Geburt für Mütter und Kinder sicherstellen
Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe KollegInnen! Liebe CDU, ich freue mich, dass wir uns grundsätzlich einig sind: Wir müssen etwas tun. Ich glaube, wir sind uns auch einig: Im Mittelpunkt einer Geburt stehen die Mutter und das Kind. Jede Geburt ist anders, jede Frau fühlt anders, kommuniziert anders, braucht unterschiedliche Unterstützung. Allen ist aber eines gleich: Sie wollen sicher sein. Dazu gehören eine erreichbare Geburtshilfe und die Sicherheit, vor Ort aufgenommen zu werden und gut durch die Geburt begleitet zu werden. Die bestmögliche medizinische Versorgung muss selbstverständlich sein, aber eben auch, dass die Geburt zu einem erfreulichen Erlebnis wird. In Niedersachsen leben derzeit 1,3 Millionen Frauen im Alter zwischen 18 und 44 Jahren. Wir haben eine Geburtenrate von durchschnittlich 1,5 Kindern pro Frau. Das zeigt auch, wie viele Frauen und Kinder das Thema Geburtshilfe bei uns direkt betrifft. Wir erleben aber das haben wir heute schon mehrmals gehört, dass bei uns auch Geburtshilfen schließen müssen und dass sich die Versorgungslage zwischen den Regionen stark unterscheidet. Teilweise braucht man über eine Stunde bis zur nächsten klinischen Geburtshilfe. Und wir sehen, dass die Kaiserschnittrate bei uns bei über 30 % liegt - das ist definitiv zu hoch. Eine bevorstehende Geburt ist vielfach ein großes Mysterium, gerade die erste. Ich weiß noch, wie unsicher ich war: Was kommt da auf mich zu? Wie schlimm werden die Schmerzen? - Man hat vorher wirklich Angst. Man fragt sich aber auch: Werde ich in der Situation unter der Geburt artikulieren können, was ich brauche? Und: Welche Informationen benötige ich eigentlich überhaupt? Und was ist, wenn plötzlich ein Kaiserschnitt im Raum steht? Ich hatte großes Glück bei der Geburt meiner ersten Tochter. Ich wurde von einer sehr jungen, umsichtigen Hebamme begleitet. Es war ihre erste Geburt, die sie selbstständig begleitet hat. Sie war die ganze Zeit da, wenn ich sie brauchte. Die Kommunikation lief super. Sie hat mir im richtigen Moment Angebote gemacht. Ich konnte entscheiden, ob ich die annehmen möchte - und auch, wann nicht. Wir funktionierten als Team. Hebammen sind für mich ohnehin die Heldinnen dieser Zeit - in der Zeit vor, während und nach der Geburt. Nicht jede Frau ha t das Glück dieser guten Erfahrung - das haben wir heute auch schon gehört. Unter der Geburt sind Frauen ihrem Umfeld ausgeliefert. Sie sind dann besonders verletzlich. Unnötige Interventionen, übergriffige körperliche Maßnahmen und auch ein unsensibler Umgang sind verstörend. Manche Erfahrungen sind traumatisch. Mit unserem Antrag wollen wir erreichen, dass sich das Land Niedersachsen strategisch mit der Geburtshilfe auseinandersetzt, mit der Zielsetzung: Jede Frau soll die Möglichkeit haben, zu entscheiden, wie sie ihr Kind bekommen möchte, und jede Frau hat das Recht auf eine interventionsarme und wertschätzende Geburt. Um das zu erreichen, braucht es neben Informationen eine vielfältige geburtshilfliche Struktur und ausreichend Fachpersonal. Dafür brauchen Hebammen und GynäkologInnen Arbeitsbedingungen, die ein gutes Geburtserlebnis unterstützen. Wir haben heute schon vom Hebammenhilfevertrag gehört. Auch wir stehen hinter den Beleghebammen. Es ist wichtig, dass eine gerechte Form der Vergütung gefunden wird. Da muss der Bund noch mal ran; da muss die GKV noch mal ran. Niedersachsen hat gute Impulse gesetzt. Mit dem Landesaktionsplan für eine gute Geburt soll diese Arbeit nun fokussiert weitergeführt werden, damit Frauen überall in Niedersachsen voller Vertrauen und mit Ruhe die Geburt ihres Kindes erleben können und die Kinder den bestmöglichen Start ins Leben haben. Liebe KollegInnen, mit dieser Vision freue ich mich auf die Beratungen im Ausschuss. Vielen Dank.
