Dr.in Tanja Meyer
Zukunft der hausärztlichen Versorgung - Niedersachsen stellt die richtigen Weichen!
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Abgeordnete! Wir haben in den vergangenen Monaten bzw. Jahren sehr viel über die Krankenhausreform gesprochen. Und das ist auch gut so. Die stationäre Versorgung ist ohne Zweifel ein wichtiger Baustein in unserer Gesundheitsversorgung. Aber und das habe ich hier schon öfter gesagt wir müssen den Wandel der Gesundheitsversorgung gestalten. Und das funktioniert nur, wenn wir das ganze System in den Blick nehmen. Im System unserer Gesundheitsversorgung sind die HausärztInnen so etwas wie das Herz. Wir gehen dorthin, wenn wir einen Infekt haben oder wenn wir mit ihnen die verschiedenen fachärztlichen Konsile bei chronischen Erkrankungen abstimmen wollen. Bei ihnen laufen alle Informationen quasi wie in einer Zentrale zusammen. Dazu kommt, dass sie in der Regel so etwas wie Vertrauenspersonen für viele sind und das oft über Generationen hinweg. Die Aussicht, dass genau ihre Hausärztin bzw. ihr Hausarzt bald aufhören könnte, verbinden viele mit Sorge. Und das ist nachvollziehbar. Gleichzeitig ist es verständlich, dass das klassische Modell der selbstständigen Hausärztin/des selbstständigen Hausarztes für viele als Arbeitsmodell nicht mehr passt. Diese Tätigkeit kennt keinen Feierabend, Mutterschutz und Elternzeit gibt es quasi nicht. Auch Teilzeit ist nur einer angestellten Ärztin/einem angestellten Arzt möglich. Gleichzeitig nimmt die Bürokratie zu viel Raum im Berufsalltag ein und gibt damit zu wenig Zeit für PatientInnen. Und dann sind da noch die digitalen Systeme, die im Arbeitsalltag oft nicht aufeinander abgestimmt sind. Kurz: Die Anforderungen im Berufsfeld verändern sich. Dazu kommt, dass wir derzeit noch zu wenige nachkommende Ärztinnen haben. Mit der 1 Million Euro aus der technischen Umverteilung im Haushalt dieses Jahres aus dem Gesundheitsministerium und den dauerhaften Geldern zur Erhöhung der Anzahl der Studienplätze aus dem Wissenschaftsministerium wird nun ein Portfolio an Maßnahmen zusammengestellt, um dem strategisch zu begegnen. Und das finde ich großartig. Neben der notwendigen Stärkung alternativer Organisationsformen und dem Ausbau von telemedizinischen Angeboten möchte ich besonders hervorheben, dass die drei Universitätskliniken hier eine wichtige Rolle einnehmen. Durch die verbesserte Ausbildung von AllgemeinmedizinerInnen und anderen akademischen Gesundheitsfachberufen an den drei Standorten schafft das Hoffnung auf eine möglichst große flächendeckende Versorgungssicherheit. Denn viele AbsolventInnen bleiben dort in der Nähe, wo sie studieren oder ihre praktische Ausbildung absolvieren. Die Arbeit in multiprofessionellen Teams und das ist das Besondere die Ermöglichung der Delegation von Aufgaben sind Meilensteine in der Veränderung der Gesundheitsversorgung, die wirklich sehr große Chancen mit sich bringen. Gleichzeitig müssen wir es schaffen, diese Fachkräfte in ausreichender Zahl auszubilden und diese dann auch im System zu halten. Und dazu gehören vor allen Dingen langfristige Perspektiven und gute Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir nicht mehr auf den Bund warten. Das könnten Sie ja, lieber Herr Holsten, jetzt auch im Grunde weiter selber voranbringen. Vorlagen haben Sie ja aus der letzten Legislatur. Nein, wir möchten selber handeln, und das ist gut so. Gerade die sektorenübergreifende Versorgung zu verbessern, ist bei einer Systemveränderung der Gesundheitsversorgung ein wichtiger Schritt. Und wir können hierbei auf verschiedene gute Modellvorhaben wie etwa mein Lieblingsmodellvorhaben, die GemeindenotfallsanitäterInnen bei uns im Landkreis aufbauen und auch die Erfahrungen der Gesundheitsregionen mit einbeziehen. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, gute Vorhaben auslaufen zu lassen. Deswegen ist es gut, dass hier die verschiedenen AkteurInnen gemeinsam am Tisch sitzen und die Themen der langfristigen Finanzierungssicherheit von erfolgreichen Entwicklungen auch direkt mitdiskutiert werden. Der Zehn-Punkte-Plan ist ein guter Anfang, um die Versorgung für die Menschen direkt vor Ort sicherzustellen und auch um den jungen Menschen gute Perspektiven im Gesundheitswesen zu bieten und diese zu schaffen. Vielen Dank. Vielen Dank, Frau Dr.in Meyer. -
