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MUDr. PhDr. / Univ.Prag Jozef Rakicky

AfD 22.02.2023 6:46 min Tagungsabschnitte 19/5

Notaufnahmen und Rettungsdienste entlasten - Notfallpatientinnen und Notfallpatienten in die richtige Versorgungsstufe steuern!

MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky (AfD): Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bauer, ich danke Ihnen für diesen sehr aktuellen Antrag. Die einzelnen Schlussfolgerungen müssen wir jedoch ein bisschen differenzierter betrachten. Ja, es ist wahr, dass immer mehr Patienten in die Notaufnahmen kommen, und ja, es ist wahr, dass auch der Rettungsdienst zunehmend in Anspruch genommen wird. Es stimmt auch, dass sich ein Teil der Patienten als keine Notfälle erweisen. Die CDU sieht die Lösung u. a. in einer einheitlichen Dispositionsliste zur Beurteilung der Dringlichkeit für die Mitarbeiter der Rettungsdienstleitstellen und der Stärkung der rechtlichen Befugnisse, diesen Einsatz zu verweigern bzw. umzuleiten. Hierzu meine aktuelle Erfahrung aus der letzten Woche: Bei meiner Visite schilderte ein Patient, 50 Jahre, ohne Vorerkrankung, wie er ins Krankenhaus kam. Als er in der Nacht zur Toilette ging, verspürte er eine plötzlich auftretende Allgemeinschwäche, begleitet von Schwindel. Er habe zunächst die 116 117 angerufen, sich durch die Fragen des Computers gearbeitet und auf den Kontakt mit einem Mitarbeiter gewartet. Nach 15 Minuten vergeblichen Wartens habe er aufgelegt und die 112 angerufen. Bei dieser musste er sich anhören, dass der Rettungsdienst nicht missbraucht werden sollte. Erst nach eindringlichem Bestehen darauf, ins Krankenhaus gebracht zu werden, handelte der Mitarbeiter und schickte einen RTW. „Akuter Schlaganfall“ lautete die ärztliche Diagnose, und der Patient wurde sofort in der Stroke Unit aufgenommen. Nur dank seiner Beharrlichkeit ist der Patient rechtzeitig ins Krankenhaus gekommen. Fehleinschätzungen passieren nicht oft, aber zu oft. Weder die Rettungsdienst- bzw. Notfallsanitäter noch die Mitarbeiter einer Leitstelle sind ärztlich ausgebildet. Sie verfügen somit nur über ein begrenztes medizinisches Wissen. Natürlich gibt es Fälle, in denen die Situation eindeutig ist, aber noch viel öfter kann man sich bei einem Anruf in der Leitstelle oder vor Ort als Notfallsanitäter nicht sicher sein. Auf der einen Seite führen wir Ärzte Öffentlichkeitsaufklärungen durch, um die Patienten dazu zu bewegen, auch bei kleinen Anzeichen, die auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hindeuten können, möglichst schnell ins Krankenhaus zu kommen, weil hier nun einmal die Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Diese Symptome können manchmal tatsächlich nicht eindeutig und wenig ausgeprägt sein. Auf der anderen Seite wird hier jetzt vorgeschlagen, durch sogenannte Öffentlichkeitsarbeit die Menschen davon abzuhalten. Eine wichtige Hilfe für die Notfallsanitäter vor Ort kann der telemedizinische Dienst, also die Konsultation, darstellen. Zuerst aber muss der Anruf bei der Leitstelle auch richtig zugeordnet sein. Dafür sind vor allem ausreichend qualifizierte und auch ausreichend viele Mitarbeiter in den Leitstellen in den Dienst zu stellen, um nicht permanent, stundenlang unter Stress arbeiten zu müssen. Beides kann durch politisches Einwirken verbessert werden. Zu den Notaufnahmen: Sie verzeichnen seit Jahren ein ca. 9 % pro Jahr steigendes Patientenaufkommen. Die Patienten gehen lieber in die Notaufnahme als zum kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Dabei könnte ein Teil der Patienten auch ambulant versorgt werden. Dass das so ist, hat seine Gründe. Nichtsdestotrotz kommt es dadurch in den Notaufnahmen zu Staus und Überlastungssituationen. Ist das aber die Schuld der Hilfe suchenden Menschen? (Volker Meyer [CDU]: Teilweise ja!) Es werden heute in den Notaufnahmediensten oft junge, unerfahrene, zum Teil ausländische Ärzte mit teilweise erheblichen Verständigungsproblemen eingesetzt. Auch das hat zur Folge, dass die Untersuchungen und Behandlungen wesentlich länger dauern und sich sogenannte Staus bilden. Wie kann man da eine Lösung finden? Erster Ansatz: Einsatz der Fachärzte für Allgemeinmedizin in der Notaufnahme. Im Juli 2021 erschien in der Zeitschrift Notfall + Rettungsmedizin eine Studie der MHH zu diesem Thema. (Glocke des Präsidenten) Die MHH hat bereits im Rahmen eines Modellprojektes Allgemeinärzte im Angestelltenverhältnis in die ZNA integriert. Die Auswertung der Daten von über 2 000 der durch die Ersteinschätzung in der ZNA als weniger dringlich eingestuften Patienten ergab, dass die Hälfte dieser Patienten bereits vorher in ambulanter Behandlung war. Die Terminprobleme beim Zugang zum Arzt waren also nicht die Ursache der Inanspruchnahme der ZNA. Weiterhin mussten 6 % dieser Patienten noch stationär aufgenommen werden, und fast 5 % haben sich doch als Notfälle erwiesen. Zweiter Ansatz: Aus eigener langjähriger Erfahrung mit der Notaufnahme kann ich behaupten, dass ein erfahrener Facharzt fast immer relativ schnell die Dringlichkeit eines Falls adäquat beurteilen kann. (Glocke des Präsidenten) Also ist der Facharztstandard in der ZNA neben einer ausreichenden Besetzung die Voraussetzung, um eine Notaufnahmeüberlastung zu einer Rarität werden zu lassen. Vizepräsident Marcus Bosse: Herr Kollege, ich bitte Sie, zum Schluss zu kommen. MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky (AfD): Mit diesen neben anderen Maßnahmen können wir also die Probleme der Notaufnahmeüberlastung effektiv und dauerhaft lösen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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