landtag-niedersachsen.de ↗

Dr.in Tanja Meyer

GRÜNE 26.02.2025 5:25 min Tagungsabschnitte 19/23

Selbstbestimmte Schwangerschaft - Beratungs- und Versorgungsstrukturen in Niedersachsen weiter verbessern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Kommen wir wieder zur Realität zurück! Welche Qualität der Gesundheitsversorgung ich bekomme, hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist das Geschlecht. Die bisherige Forschung und Entwicklung in der Medizin sind vielfach immer noch auf den mittelalten weißen Mann ausgerichtet. Über 50 % der Bevölkerung wir Frauen werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt, und die Folgen sind klar: Symptome und Therapien sind oftmals nicht spezifisch auf die Frau ausgelegt, was in der Folge zu einer gesundheitlichen Fehl- und Mangelversorgung führen kann. Dazu kommt: Wenn etwas wie der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch verankert ist, dann fehlen diese Inhalte in der Regel in der Ausbildung, es gibt keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen, und das Angebot an spezialisierten ÄrztInnen bleibt verständlicherweise überschaubar. Ob eine Frau ein Kind bekommen möchte oder nicht, ist eine zutiefst persönliche Entscheidung der Frau. Die Folgen einer Schwangerschaft tragen auch zu großen Teilen die Frauen. Es geht hierbei immer um ihre Gesundheit. Aber es geht auch um finanzielle Folgen. Denn die Mutter ist diejenige, die überwiegend die Sorgearbeit leistet. Das bedeutet in der Regel gravierende Einschnitte, vor allen Dingen, wenn man den ganzen Lebensverlauf in den Blick nimmt. Altersarmut trifft nicht umsonst viele Frauen. Der Equal Care Day am kommenden Samstag thematisiert genau das. Für die Lebensplanung der Frau spielt also die Auseinandersetzung damit, ob sie Mutter werden möchte oder nicht, eine herausragende Rolle. Frauen brauchen deswegen zu jeder Frage rund um eine Schwangerschaft die bestmögliche Unterstützung. Das reicht vom Zugang zu neutraler und fachkompetenter Information und Beratung über eine gute Begleitung durch Hebammen und ÄrztInnen bis hin zum Zugang zu einer passenden medizinischen Versorgungsstruktur sowie zum Recht auf Selbstbestimmung. Und keiner dieser Punkte funktioniert bisher selbstverständlich. Es ist beispielsweise auch in Niedersachsen vom Wohnort abhängig, ob Frauen Zugang zu einer Hebamme oder zu einer passenden medizinischen Versorgung haben. Es ist bisher vom Alter und nicht allein von der medizinischen Empfehlung abhängig, ob ich bei einer Kinderwunschbehandlung finanziell unterstützt werde. Und es ist von dem persönlichen Interesse abhängig, ob ich als Fachmedizinerin lerne, wie ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt wird. Was mir ganz wichtig ist: Wenn eine schwangere Frau en tscheidet, das Kind nicht zu bekommen, dann ist das eine sehr schwierige Entscheidung. Keine einzige Frau fällt diese Entscheidung leichtfertig. Ich will hier überhaupt nicht über die vielen möglichen Konstellationen sprechen, die eine Frau in diese Lage bringen. Denn nie sollte sich eine Frau für diese Entscheidung rechtfertigen müssen. Das ist immer sehr real. Es ist eine Notlage, in der sich diese Frau da nn befindet. Das Einzige, was sie dann braucht, ist Hilfe, und zwar sowohl medizinische Hilfe als auch mentale Unterstützung. Das wirklich Allerletzte, was dann angebracht ist, sind Anschuldigungen oder Lügen, wie Sie von der AfD-Fraktion sie heute hier verbreitet haben. Auch jemanden einer Lüge zu bezichtigen, ist kein parlamentarischer Sprachgebrauch. Okay. Gut. Danke. Liebe KollegInnen, wir wollen mit unserem Antrag dazu beitragen, dass sich die Informationslage und die Versorgungssituation für Frauen bei uns in Niedersachsen verbessern, wenn sie schwanger werden möchten, wenn sie es sind und eine gute Begleitung benötigen und natürlich auch, wenn sie einen Abbruch der Schwangerschaft vornehmen wollen - und alles das unabhängig von ihrer Lebenssituation. Auch wenn der Antrag auf Abschaffung des § 218 und das Recht auf kostenlose Verhütungsmittel im derzeitigen Bundestag nicht mehr abschließend behandelt werden, so halten wir an unseren Forderungen fest und richten sie auch an die neue Bundesregierung. Dass auch heute noch Frauen und ÄrztInnen kriminalisiert werden, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, kommt aus der Zeit, in der Frauen nicht wählen und Ehemänner über sie entscheiden durften. Wir sollten doch meinen, dass wir im Jahr 2025 über diese Punkte hinweg sind und dass wir Frauen über unser Leben und über unseren Körper selber entscheiden können und eine Versorgung nicht daran scheitert, dass wir Frauen sind. Ich bitte Sie, liebe CDU: Unterstützen Sie uns bei diesem Vorhaben! Denn es geht hier um nichts weniger als um die Anerkennung, dass Frauen eine umfassende medizinische Versorgung zusteht und sie selbstbestimmt über ihren Körper entscheiden können. Es geht in diesem Fall um das möchte ich vielleicht einmal geraderücken Nein, ich kann es nicht mehr geraderücken. Ich bin fassungslos über diese Rede eben. Danke. Jetzt hat aus der Fraktion der CDU das Wort:

Alle Reden von Dr.in Tanja Meyer Rede ansehen ↗