Christoph Bratmann
Berufsschulen von Bürokratie entlasten. Umschulungen erleichtern und Zertifizierungspflicht abschaffen
Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eben kam der Zwischenruf: Der macht heute alles! - Nein, ich mache heute nicht alles. Das ist meine zweite und voraussichtlich letzte Rede für heute. Aber wenn es um berufliche Bildung geht, dann fühle ich mich natürlich berufen, auch als Wirtschaftspolitiker und früherer schwerpunktmäßiger Kultuspolitiker hier noch einmal zu sprechen. Lieber Kollege Reinken, ich stehe natürlich immer gerne für Generaldebatten zur beruflichen Bildung zur Verfügung. Der Kollege Fühner weiß das. Aber das würde heute den Rahmen sprengen. Melden Sie doch einfach selber einmal eine Aktuelle Stunde zu dem Thema an! Die berufliche Bildung und die berufsbildenden Schulen sind es immer wert, dass hier im Landtag über sie gesprochen wird. Ich glaube, es ist immer gut, wenn wir so etwas machen und uns dazu austauschen. Ich will aber dem widersprechen, mit welcher Chuzpe Sie hier dieses Thema kleingeredet haben. Das ist nämlich durchaus ein wichtiges Thema. Denn gerade die Situation von Umschülerinnen und Umschülern ist häufig unter dem Radar. Es ist zwar, wenn man so lange im Landtag ist wie ich, immer wieder ein bisschen schwierig, über frühere berufliche Erfahrungen zu sprechen, aber ich habe mich in meinem beruflichen Werdegang tatsächlich zuerst um Umschülerinnen und Umschüler bei einem Bildungsträger gekümmert und bin dann an die berufsbildenden Schulen gewechselt. Von daher kenne ich beide Situationen, auch wenn es schon ein bisschen her ist. Es ist klar, dass wir Umschülerinnen und Umschüler für die Fachkräftesicherung brauchen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Das sind Menschen, die entweder aus gesundheitlichen Gründen ihren Erstberuf nicht mehr ausüben können oder im fortgeschrittenen beruflichen Werdegang gemerkt haben, dass sie sich noch einmal umorientieren wollen. Das sind Leute, die sich einfach noch einmal neu qualifizieren wollen, weil sie für sich neue berufliche Wege gefunden haben. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Aspekt. Diese Menschen verdienen Unterstützung, und sie verdienen natürlich die bestmögliche Qualifizierung. Damit sind wir bei den berufsbildenden Schulen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Fachkräftesicherung. Das ist schon gesagt worden. Dass sie auch eine wichtige Rolle bei den Umschulungen spielen, ist oft nicht auf dem Radar. Denn da stehen meistens Bildungsträger im Vordergrund. Ich glaube, wir sind uns einig von CDU über Grüne bis zur SPD, dass es immer gut ist, wenn man die berufsbildenden Schulen und vor allen Dingen die Lehrkräfte von Bürokratieaufgaben befreit: von lästigen Dokumentationspflichten und von verwaltenden Tätigkeiten, die stören und daran hindern, dass man sich der eigentlichen Aufgabe, nämlich der des qualitätsvollen Unterrichts, widmet. Darin sind wir uns, glaube ich, einig. Allein, wenn man den Titel vorträgt, sprengt dies schon fast die Redezeit. Ich versuche es aber trotzdem. Es geht um die „Verordnung über die Voraussetzungen und das Verfahren zur Akkreditierung von fachkundigen Stellen und zur Zulassung von Trägern und Maßnahmen der Arbeitsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch". So der Titel. Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat. Aber klar ist, um das einmal auf den Punkt zu bringen: Es geht darum, dass berufsbildende Schulen den Nachweis erbringen müssen, ein qualifizierter Bildungsträger zu sein. Wie widersinnig ist das eigentlich? Berufsbildende Schulen beweisen es jeden Tag. In einem Qualitätsrahmen, der vorgegeben ist, beweisen sie jeden Tag, dass sie junge Menschen auf den Beruf vorbereiten können, dass sie junge Menschen fachtheoretisch ausbilden und dass sie junge Menschen in der Fachpraxis begleiten. Das über ein komplexes Zertifizierungsverfahren nachweisen zu müssen, ist tatsächlich widersinnig. Es ist gut, dass die Kultusministerin das erkannt hat und dem jetzt ein Ende bereitet, liebe Kolleginnen und Kollegen. Allein deshalb ist es richtig, dass wir im Rahmen der Aktuellen Stunde darüber sprechen. Denn wir erleben hier eine klassische Doppelstruktur, die Zeit und Ressourcen raubt, und es ist gut, wenn wir das heute beenden. Wir brauchen die berufsbildenden Schulen ebenso im Bereich der Umschulung. Wir brauchen noch mehr die Fachkräfte, die daraus entstehen. Dabei geht es natürlich insbesondere um diejenigen, die mit einem Bildungsgutschein die Schulen aufsuchen und die Umschulungen vor allem im Bereich der pflegerischen und der sozialpädagogischen Tätigkeiten machen: Erzieherinnen und Erzieher, Sozialassistentinnen und Sozialassistenten usw. usf. Die werden dringend benötigt. Deswegen sollten wir jede Hürde beseitigen, die das erschwert. Das machen wir heute. Deswegen freue ich mich über diese Aktuelle Stunde. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
