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Heiko Sachtleben

GRÜNE 30.11.2022 5:00 min Tagungsabschnitte 19/2

LNG-Infrastruktur Wilhelmshaven: Leuchtturm der niedersächsischen Hafeninfrastruktur und Garant für die Energiesicherheit

Heiko Sachtleben (GRÜNE): Werter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich freue mich, heute hier vor Ihnen zu sprechen. Zum einen, weil dies tatsächlich meine erste Rede in diesem Hohen Haus ist, und es ist schon sehr ergreifend, hier zu stehen. Ich hoffe, ich bin trotz meiner schweren Erkältung halbwegs verständlich für alle. Zum anderen freue ich mich darüber, weil in den nächsten fünf Jahren, wenn ich hier stehe, meistens über Wirtschaft gesprochen werden wird. Und da haben wir uns in der rot-grünen Koalition einiges vorgenommen: Wir fassen Sachen an, die dringend in Ordnung gebracht werden müssen, die schon länger auf dem Tisch liegen und nicht mit der Sorgfalt abgeräumt oder vorangebracht wurden, die notwendig gewesen wäre. Deshalb ist es gut, dass heute das Thema der niedersächsischen Energiesicherheit hier auf dem Tisch liegt. Energiesicherheit ist die Grundlage für sicheres Wirtschaften in Niedersachsen. Ein wichtiger Baustein ist das LNG-Infrastrukturterminal in Wilhelmshaven. Aber auch die anderen niedersäch- sischen Häfen werden mit ihrer Logistik für den Ausund Weiterbau der erneuerbaren Energien eine große Rolle spielen. Dieses LNG-Terminal ist in 192 Tagen errichtet worden. Das ist eine rekordverdächtige Zeit. Ich möchte an dieser Stelle auch meinen Dank an alle die aussprechen, die geplant, genehmigt, gedacht und gebaut haben. Diese rekordverdächtige Zeit könnte für uns in Zukunft ein Ansporn dafür sein, Planungs- und Genehmigungsverfahren voranzubringen. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD) Einen Windoder Solarpark innerhalb eines Jahres geplant und gebaut zu bekommen, ist sicherlich eine Utopie. Aber das hier ist doch ein Fingerzeig, der - bei aller Sorgfaltspflicht, die wir haben - wichtig ist, um in der Planungsphase schneller zu werden. Mit dieser jetzt entstandenen Infrastruktur haben wir zwei Dinge erreicht. Wir verringern die Abhängigkeit von russischem Gas. Die ist gar nicht so klein, wie Sie sie gerade geredet haben. Wir werden immerhin im nächsten Jahr an den niedersächsischen Häfen und Küsten 10 % dessen anlanden, was wir im letzten Jahr noch von Russland importiert haben. Das ist schon eine erstaunliche Zahl. Ein guter Teil dieser errichteten Infrastruktur ist auch green-gas- und wasserstofffähig. Denn eines ist auch klar: LNG kann nie mehr sein als eine Über- gangs- und Notlösung, um die Energiesicherheit unserer Wirtschaft und das Wohlergehen unserer Bevölkerung in Krisenzeiten sicherzustellen. Deswegen reden wir sehr wohl über LNG - auch mit all seinen Auswirkungen. Damit wird eines auch ganz klar: LNG hat eine beschränkte Laufzeit! Wir brauchen es als Brücken- technologie, bis wir regenerative Energien in ausreichendem Maße zur Verfügung haben. Hier wird neben Sonne und Wind der Wasserstofftechnologie eine besondere Rolle zukommen. Wir denken LNG in größerem Zusammenhang: als Zwischenschritt auf dem Weg zu einer tiefgreifenden Transformation. Die neue niedersächsische Landesregierung nimmt alleine 2,5 Milliarden Euro in die Hand, um eine moderne grüne Wasserstofftechnologie und -infrastruktur aufzubauen. Der Bund investiert zusätzlich ebenfalls. Hier, meine Damen und Herren, wird eine Wertschöpfungskette aufgebaut, die in ihrer Gänze einmalig und in Niedersachsen beheimatet ist. Wir werden erleben, wie von erneuerbar erzeugtem Strom über grünen Wasserstoff bis hin zum Endprodukt - wie z. B. grünem Stahl aus Salzgitter; dort sitzt der immerhin zweitgrößte Stahlkonzern unseres Landes - in einer grünen Produktionskette mustergültig vorangegangen wird. Denn nicht nur die LNG-Infrastruktur in Wilhelmshaven ist ein wirtschaftlicher Leuchtturm. Wir haben auch noch einige mehr, und ich möchte da gerne auf das Wasserstoffprojekt von SALCOS in Salzgitter hinweisen. Dass der VW-Konzern in der E-Mobilität mit eigener Batterieproduktion in Niedersachsen voranschreitet, gehört auch dazu. Wir brauchen noch mehr dieser Leuchtturmprojekte, damit die sozial-ökologische Transformation gelingen kann. Damit werden wir die Arbeitsplätze im Land sichern. Wir werden nicht nur die Abwanderung von Produktionsstätten verhindern, sondern wir werden dadurch auch neue Produktionsstätten generieren. Nur so kann es möglich werden, dass wir für alle Menschen hier im Land das „gute Leben“ sichern. Nur so ergibt die industriell-ökologische Transformation Sinn. Dazu müssen wir auch die soziale Seite mitdenken; denn wir müssen bei jedem Schritt, den wir für Industrie und Wirtschaft gehen, auch die Arbeiter und Arbeiterinnen mitnehmen. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD) Das, meine Damen und Herren, wird eine Querschnittsaufgabe sein, die uns die nächsten fünf Jahre bei allen Projekten begleiten wird, bei denen es um Transformation geht. In diesem Sinne: Danke fürs Zuhören.

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