Harm Rykena
Das Ende der schriftlichen Division in der Grundschule
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Seit etwa zwei Wochen sorgt das Thema für Schlagzeilen in den Medien, und zwar bundesweit: Niedersachsen streicht das schriftliche Dividieren in der Grundschule. Ist die Aufregung berechtigt? Wir meinen: ja. Früher war das Erlernen der schriftlichen Division für die meisten Schüler möglich. Immer problemlos? Sicherlich nicht. Aber die Schüler haben damit schon in der Grundschule gelernt, sich durch ein schwieriges Projekt zu kämpfen. Und heute, in der weichgespülten grünen Pädagogikwelt, klappt das auf einmal nicht mehr. Da blenden wir solche Anforderungen lieber aus. Die Kinder sollen sich ja vor allem wohlfühlen - bloß kein Druck. Und dann wundern wir uns über immer mehr Schüler, die später nicht mehr leistungsfähig und vor allem auch nicht mehr leistungswillig sind. Aber brauchen wir die schriftliche Division denn überhaupt noch? Dafür gibt es doch Taschenrechner und entsprechende Handy-Apps! - Diese Ansicht lässt aber eines außer Acht: Die schriftliche Division steht im Mathematikunterricht nicht nur isoliert für sich selbst, sie ist ein angewandter Algorithmus, der insbesondere die sichere Beherrschung des kleinen Einmaleins voraussetzt. Schüler müssen alle vier Grundrechenarten beherrschen, ein Verständnis für den Zahlenraum haben und die Fähigkeit für präzises, sauberes, formatiertes Schreiben erlernt haben. Zudem verlangt sie den Kindern ab, einen abstrakten Algorithmus penibel umzusetzen. All das zusammen ist ein gutes und vor allem ein herausforderndes Training im präzisen Denken und sauberen, stellengenauen Schreiben. Fällt diese Herausforderung nun weg, verlangt man es den Schülern einfach nicht mehr ab, braucht man sich über später ausbleibende Lernerfolge keiner Illusion hinzugeben. Das Bildungsniveau wird weiter sinken. Und: Wollen wir das? In der Analyse der Sache gibt es natürlich nicht nur Schwarz oder Weiß. So kann man selbstverständlich auch Argumente finden, die für die Entscheidung der Kultusministerin sprechen; einige davon werden wir sicherlich gleich zu hören bekommen. Die Gesamtschau fällt jedoch eindeutig negativ aus. Das merkt man auch an der öffentlichen Diskussion. Eine Online-Umfrage des NDR zum Thema ergab, dass fast 90 % der Teilnehmer den Schritt ablehnten. Auffällig dabei: Die Hochschulen unterstützen Frau Hamburg in dieser Sache; der Schulleiterverband, der vermutlich viel näher an den Schülern ist, kritisiert dagegen die Entscheidung. Und wie geht die Ministerin mit dem steifen Gegenwind um? Wie immer bei den Grünen: Die Maßnahmen werden mit Worten geschönt. Tatsächlich wird aber nur die Realität des Scheiterns vernebelt - so auch hier. Frau Hamburg sagt: Die schriftliche Division wird ja gar nicht gestrichen. Doch! In der Grundschule ist das schon der Fall. Sie sagt: Die schriftliche Division wird an den weiterführenden Schulen eingeführt. Ja, da wird sie jetzt eingeführt. Nur, die notwendige Unterrichtszeit fehlt dann für andere Inhalte. Sie sagt: Wir wollen dafür lieber das mathematische Denken fördern. Da frage ich: Wie soll das denn gehen, wenn viel zu viele Schüler in Mathematik schwimmen wie Frau Hamburg übrigens im TV sogar selbst zugegeben hat, weil sie schlicht nicht rechnen können, weil sie das kleine Einmaleins nicht beherrschen? Frau Hamburg sagt: Wir setzen damit lediglich die Beschlüsse der KMK um. Doch auch das ist nicht richtig. Von den beiden Bildungsspitzenreitern Sachsen und Bayern ist nämlich zu vernehmen, dass dort die schriftliche Division selbstverständlich weiter zum Lehrplan der Grundschule gehören werde. Es geht also! Warum also begibt sich Niedersachsen damit freiwillig auf eine Stufe mit den Bildungsverlierern Bremen und Berlin, statt sich mal an den Spitzenreitern zu orientieren? Halten wir fest: Die Streichung des schriftlichen Dividierens ist nichts anderes als ein Absenken der Anforderungen, und daran kann man nichts schönreden. Fragen wir uns aber, warum diese Absenkung notwendig ist. Liegt es vielleicht am schlechter gewordenen Mathematikunterricht in den ersten drei Schuljahren? Oder liegt es an der anders zusammengesetzten Schülerschaft? Stichworte dazu: Bereicherung durch Vielfalt und vor allem Familiennachzug. Für beide Problemfelder hat die Politik selbst gesorgt: grüne Bildungspolitik einerseits, grüne Zuwanderungspolitik andererseits. Und nun stehen wir vor dem Scherbenhaufen an unseren Schulen. Ist das alles nun ein Grund zum Aufregen? Ich meine: Ja. Vielen Dank. Als Nächstes spricht aus der Fraktion der SPD der
