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MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky

fraktionslos 31.01.2025 4:39 min Tagungsabschnitte 19/22

Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Eine bürgerfreundliche und anständige demokratische Politik zeigt sich unter anderem im Umgang der Parteien bzw. Fraktionen und einzelnen Politiker miteinander. Heute erleben wir hier wieder einmal ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Es ist keine 48 Stunden her, dass der Landtag mit der Mehrheit der Fraktionen der SPD und der Grünen den Antrag zu TOP 15 abgelehnt hat. Zur Erinnerung: Der Antrag lautete „Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen ausbauen". Jetzt beraten wir über den Antrag: „Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!" Mithin beraten wir also über dasselbe Thema erneut. Der einzige wesentliche Unterschied ist: Der Antrag zu TOP 15 kam dummerweise von der CDU-Fraktion. Es scheint so, als sei er schon deshalb von den Regierungsfraktionen abzulehnen. So sieht also die politische Kultur in diesem Landtag aus! Für den Bürger verstärkt sich der Eindruck, dass es den Fraktionen nicht darum geht, Probleme der Gesellschaft zu lösen, sondern vor allem darum, parteipolitische Interessen zu verfolgen. Soweit eine Problematik von den Parteien unterschiedlich beurteilt wird, kann der Bürger den Dissens nachvollziehen. Wenn man aber in der Sache grundsätzlich einig ist, wie es hier der Fall ist, versteht er das genannte Vorgehen nicht. In der Sache selbst sind alle Maßnahmen zu begrüßen, die den Schülern einen Einblick in die Berufswelt ermöglichen, um eine möglichst gute Berufswahl zu treffen. Und es ist richtig, die jahrzehntelange Überakademisierung zu korrigieren. Aber muss es gleich eine Offensive der Berufsorientierung sein? Lehrer sollen schon heute Seelsorger, Familienberater, Krisenmanager, Gewaltpräventionstrainer, Eventmanager und Integrations- sowie Inklusionshelfer sein und ganz nebenbei auch noch unterrichten. Müssen wir wirklich noch an die Lehrerausbildung heran, um sie auch noch zu Jobberatern zu machen? Wie soll ein Gymnasiallehrer, der Latein oder Geschichte unterrichtet, zum Beispiel handwerkliche Berufsorientierung vermitteln? Ein anderer Aspekt: Die Berufswelt ändert sich stetig, und ein Beruf, der heute gefragt ist, wird möglicherweise in einigen Jahren aus der Wirtschaft verdrängt. Auch die beruflichen Interessen der Schüler ändern sich im Laufe der Zeit. Und noch ein Aspekt aus der Erfahrung langjähriger Lehrer: Viele Schüler, die nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen, werden auch durch Berufsorientierung nicht schlauer, weil sie sich zwischen vielen Möglichkeiten nicht entscheiden können oder wollen. Es gibt eben Menschen, die erst spät ihre wahre Berufung erkennen. Daran ändert auch die von Rot-Grün vorgeschlagene Schüler-ID nichts. Man sollte deshalb die Berufsorientierung in den Schulen nicht als Allheilmittel für die Behebung des Fachkräftemangels ansehen. Viel wichtiger erscheint mir, die Schüler insgesamt für die Arbeitswelt auch fit zu machen. Ein Schüler, der nicht lesen und schreiben kann, der nur über mangelnde Deutschkenntnisse und über keine mathematischen und technischen Fähigkeiten verfügt und eine unzureichende körperliche Fitness aufweist, ist für den Arbeitsmarkt denkbar ungeeignet. Da hilft auch eine berufliche Orientierung bester Güte nichts. Auch fehlende Motivation kann nicht dadurch ersetzt werden, dass der Schüler viele Berufe kennenlernt. Meine Damen und Herren, bei einer sachgerechten Auseinandersetzung mit dem Thema dürfte es doch möglich gewesen sein, dass die sehr ähnlichen Anträge von allen Beteiligten positiv diskutiert werden mit dem Ziel, die hier nicht so großen Differenzen zu beseitigen, die einzelnen Forderungen zu optimieren und dann gemeinsam anzunehmen. Das ist nämlich das, was der Wähler von uns allen erwartet. Vielen Dank. Und noch einmal eine Wortmeldung von der

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