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Harm Rykena

AfD 08.10.2025 4:33 min Tagungsabschnitte 19/28

Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken - Qualität stärken, Fachkräftemangel bekämpfen!

Einerseits ist der Antrag, den wir jetzt besprechen, ein typischer Schaufensterantrag der regierungstragenden Fraktionen. Im ersten Teil begrüßt er, was ohnehin schon stattfindet. Im zweiten Teil bittet er die Landesregierung, das zu tun, was sie ohnehin tun will. Sicherlich sind es eine Menge Punkte - insgesamt 15 an der Zahl. Ich habe drei Hauptanlässe für diesen Antrag identifiziert ich folge einer etwas anderen Strukturierung als Herr Meyn: Erstens. Es fehlen Lehrer. Das Lehramtsstudium soll daher attraktiver werden. Dazu mehr am Schluss meiner Rede. Zweitens. Es sollen nicht mehr so viele angehende Lehrer während ihrer Ausbildung abbrechen. Der Praxisschock beim Eintritt in das Referendariat soll vermindert werden. Daher will man nun mehr Praxis und Hochschulbildung miteinander verzahnen. An dieser Stelle will ich jedoch mit einem Mythos aufräumen: Herr Meyn meinte in den Beratungen im Ausschuss, Gymnasiallehrer wünschten sich eher 24 Monate Referendariat, um mehr lernen zu können, angeblich fühlten sie sich schlecht auf die Aufgabe vor der Klasse vorbereitet. Tatsächlich ist das aber anders. Alle Referendare sind nämlich heilfroh, wenn das Referendariat nach 18 Monaten endlich vorbei ist. Sie empfinden diese Zeit mitnichten als wertvoll, um den Beruf zu erlernen. Sie empfinden diese Zeit überwiegend als Qual. Der Grund ist genau das versuchen Sie mit dem vorliegenden Antrag auch noch zu verstärken der Eingriff der pädagogischen Theorie in die Praxis. Entschuldigung, Herr Kollege Rykena, es gibt eine Wortmeldung, wahrscheinlich für eine Zwischenfrage des Kollegen Meyn. Lassen Sie sie zu? Nein, ich möchte gerne weiter ausführen. Wir sind immer noch beim Referendariat. Weitere Gründe sind die Pflicht zum Verfassen ellenlanger didaktischer Analysen, die Berücksichtigung praxisferner Vorgaben aus Kreisen der Hochschulen, der ständige Prüfungsdruck, der sie von der täglichen Arbeit mit Schülern sogar abhält. Prinzipiell halte ich einen früheren Einschub von Praxiserfahrungen in die Lehrerausbildung für dringend notwendig. Problematisch ist dabei jedoch das offensichtlich angestrebte Primat der Hochschulen. Als dritten Anlass sehe ich die neue Grundausrichtung der Lehrerausbildung. Ziel ist der Einstieg in den Einheitslehrer, passend zur angestrebten Einheitsschule. ‑ Es ist ja auch immer dasselbe, was Sie hier vortragen und anstreben. Doch dazu denkt man auch in diesem Antrag die Lehrerausbildung nicht neu, man nimmt nur das bisherige System und sattelt weitere Inhalte und Ausbildungsschritte obendrauf. Dabei ist es einfach unmöglich, Experte in allem zu sein: Fachwissenschaft so wie bisher, aber neben ursprünglich schulformbezogener Pädagogik nun Pädagogik für alle Schulformen in der Sek I. Hinzu sollen noch Kenntnisse als sonderpädagogische Fachkraft für alle möglichen Förderbedarfe kommen - und daneben noch solche als Fachkraft für Digitalisierung, was neu ist, und Berufsorientierung. Auch wenn wir nun vorgeben, dafür auszubilden - unmöglich bleibt das immer noch. Und so geschieht in der Lehrerausbildung das Gleiche wie in den Schulen selbst: Das Curriculum wird immer weiter aufgebläht, die Lehrerausbildung dauert aber genauso lange wie früher. Aber sie enthält nun wesentlich mehr Inhalte - nichts wird gestrichen. Das nenne ich Planwirtschaft: Wir planen mal, dass das gelernt wird. Stattfinden wird das trotzdem nicht. Als Ergebnis kommt dann eben nicht eine Stärkung der Qualität der Lehrerausbildung heraus. Im Gegenteil! Das Ergebnis sind noch weiter überlastete und trotzdem nur oberflächlich gebildete Studenten, die zwischen praxisfernen Anforderungen der Hochschulen einerseits und dem immer schwieriger werdenden Umfeld an den Schulen andererseits zerrieben werden. Ob man so den Fachkräftemangel wird bekämpfen können, darf zumindest bezweifelt werden. Attraktiv ist ein solches Studium nicht. Wir werden den Antrag daher ablehnen. Vielen Dank. Vielen Dank. - Herr Kollege Rykena, es gibt eine Kurzintervention des Kollegen Meyn.

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