Michael Lühmann
Sport stärkt - Ehrenamt wirkt. Gemeinsam für ein starkes und solidarisches Niedersachsen
Bitte! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe KollegInnen! Nun zum Sport und zum Ehrenamt. Auch wenn das Ehrenamt viel mehr umfasst, fokussiere ich heute den Sport. Sport bewegt Ehrenamt und Ehrenamt den Sport. Daher zunächst mein Dank den Ehrenamtlichen, an Sportbünde, Verbände, Vereine. Sie alle sind Teil jenes zivilgesellschaftlichen Ganzen, das vieles am Laufen, am Turnen, am Rudern hält. Das ist groß. Sport ist dabei so etwas wie der wilde Bruder der Demokratie: gröber, verspielter, auch manchmal über die Stränge schlagend. Doch spielen beide nach ähnlichen Regeln, bauen auf gleichen Werten auf, vermitteln diese: Fairness, Respekt, Teamplay, aber auch Gewinnen und Verlieren lernen. Dazu kommt die Sozialisation im Verein und in Verbänden. Das ist Demokratie-Lernen von klein auf. Sport hat aus seiner dunklen Geschichte das übersehen Sie, Herr Bothe gelernt: tödliche Ausgrenzung im Nationalsozialismus, der offene Faschismus in Ostdeutschland ein Kind der Fußballstadien der 80er-Jahre, rechte Hooligans, Pegida, Nazi-Kampfsporttraining für den Tag X. Heute ist Sport darauf bin ich stolz „Kein Platz für Rassismus", „Nazis raus aus den Stadien" und auch „Keine Macht den Drogen". Sport in Niedersachsen ist Schule und Akteur wehrhafter Demokratie. Auch das ist groß. Der Landessportbund, die Sportjugend, der Vereinssport sind hier verlässliche Partner. „Sport mit Courage" und „Beweg was!" sind wichtige Demokratieprogramme ich weiß, dass Sie das stört, die wir weiter unterstützen. Bei all dem ist Sport natürlich auch: Sieg und Niederlage, Individualität, Aufgehen im Team, der Kampf um Millimeter, Sekunden, die Anzeigentafel. Heute tobt dann manchmal ein Kulturkampf um Bundesjugendspiele statt dem Ringen um die Ausstattung im Sport. Wir lösen das niedersächsisch rot-grün entspannt: Wir lassen Schulen die Entscheidung, kooperieren beim Ganztag mit hoch engagierten Vereinen und investieren in die Ausstattung. 35 Millionen Euro für kommunale Schwimmstätten, gestiegene Unterstützung des Landessportbundes bei der Sanierung von Vereinssportstätten, allein knapp 800 Maßnahmen in 2026, 3 Millionen Euro für die Finals hier in Hannover. Wir unterscheiden uns hier vom Bund, der die Sport-Milliarde drittelt und das in Insta-Posts noch feiert, als ob Sport und Ehrenamt das nicht merken würden. Das war peinlich, und das bleibt auch peinlich. Politik und Sport verbindet überdies das schwierige Verhältnis von Macht und der Gefahr von Machtmissbrauch. Sport der Mächtigen, Machtgefälle im Sport, körperliche Gewalt und Druck im Training, sexualisierte Gewalt - die Bandbreite ist leider viel zu groß. Ich danke den mutigen Sportlerinnen und stellvertretend Tabea Themann, die erlebte sexualisierte Gewalt im Sport öffentlich gemacht hat, ihr eine Stimme gegeben hat. Deshalb ist es richtig, dass wir gemeinsam mit dem Sport die Prävention von sexualisierter Gewalt stärken und dass wir uns mit interpersoneller Gewalt auseinandersetzen. Als Kind des DDR-Leistungssports ist mir das ein Herzensanliegen. Ich habe sie nie vergessen: die brutalen Methoden beim Leistungsturnen, die Schläge beim Judo, die erstmalige Vitamingabe im Nebenraum. Ich bin dankbar, dass im niedersächsischen Sport beim Thema Safe Sports immer die Türen weit offen stehen. Wenn wir über Macht im Sport sprechen, dann auch über die Verteilung von Macht. Ich begrüße sehr, dass sich der organisierte Sport des Empowerments von Frauen in Führungspositionen im Sport annimmt und sicher nicht nachlässt, bis Frauen die Hälfte der Macht haben. Noch wichtiger ist aber, dass sich die Strukturen ändern. Equal Pay muss auch im Leistungssport kommen. Sport und Ehrenamt sind viel mehr als Sportstätten, und doch liegt auch hier die Wahrheit auf dem Platz: Hitzestress, Reiseverkehre, tiefwurzelnder Rasen, Hartgummi statt Sand auf dem Tennisplatz, um Wasser zu sparen, Wintersport ohne Schnee, Traglufthallen mit Wärmepumpe und Solarfeld. Auch in der Klimakrise ist Sport Betroffener und Motor. Und das Ehrenamt muss all die Anträge schreiben. Deswegen bauen wir von Rot-Grün Bürokratie ab, auch bei der Ehrenamtskarte oder der Juleica. Nicht zuletzt und schon immer mittenmang ist Sport der Integrationsmotor schlechthin. Auf dem Platz und in der Kabine sind wir alle gleich, egal wann und woher wir gekommen sind. Wir erleben Selbstwirksamkeit, lernen demokratische Basics, üben Respekt und Resilienz ein, leben Inklusion. Ich freue mich auf die Special Olympics in Göttingen. Wir leben dort auch Integration im Sinne sozialer Teilhabe. Es ist großartig, dass sich der Landessportbund über das tägliche Engagement hinaus künftig auch in der Landesarmutskonferenz einbringt. Mein herzlicher Dank! Ein letzter wichtiger Gedanke: Zum Sport gehört auch das klare Bekenntnis zur Diversität als selbstverständlicher Teil des Breitensports und des Spitzensports. Auch wenn der Jungs-Fußball mal wieder hinterherhinkt: Auch Sport ist queer, und auch das klare Bekenntnis dazu ist gut so. Auch das ist groß. Sie sehen: Sport und Ehrenamt haben so viele Facetten. Wir reden viel zu selten darüber. Herr Lühmann, letzter Satz! Deshalb freue ich mich auf die Ausschussdebatte. Das wird hoffentlich richtig groß. - Das heute Abend wird hoffentlich auch richtig groß. Ich wünsche uns einen schönen Abend. Die nächste Wortmeldung kommt von der Fraktion der CDU:
