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Dr. h. c. Björn Thümler

CDU 27.03.2025 6:18 min Tagungsabschnitte 19/24

Resolution des Niedersächsischen Landtages zum Evangelischen Kirchentag 2025 und zur besonderen Bedeutung der Kirchen und des interreligiösen Dialoges in Niedersachsen

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kirchentag 2025 in Hannover - ein Fest für Gott? Aber warum? Was und wer ist dieser Gott? Oder anders: Braucht der Mensch zu seiner Menschlichkeit die Religion, oder könnte er sie wenigstens gut gebrauchen? Gott ist die Garantie der Humanität. Die gottlose Gesellschaft ist bedroht von Unmenschlichkeit da liegt schon das Problem. Viele werden es für eher irrelevant oder gar für unmenschlich halten, dass die Religion einen so wesentlichen Beitrag zum Menschsein leisten soll. Aber kennen wir alle hier und die Bürgerinnen und Bürger des Landes die Bedeutung des Glaubens und der Religion, oder täuscht nicht die offizielle Stellung der Kirchen in unserem Land über das eigentliche Problem hinweg, nämlich das Problem der kulturellen Marginalisierung der Kirche? Um es deutlich zu sagen: Wir leben nicht nur in einer Gesellschaft mit wachsender Religionslosigkeit, wenn nicht gar Religionsfeindschaft. Wir steuern auf eine Kultur des religiösen Analphabetismus zu. Die Gottlosigkeit ist ungefährlich, mehrheitsfähig und naheliegend geworden. Es verlangt viel eher Courage, sich zum Glauben zu bekennen. Das Genormte und das Unbequeme, Anpassung und Nonkonformismus haben beim Thema Religion die Seiten gewechselt. Darum brauchen wir eine feste und klare Stimme der Kirche und derer, die Kirche gestalten nicht nur zur Stärkung der Demokratie, sondern vor allem und zuvorderst zum Bekenntnis des Glaubens und der Religion. Meine Damen und Herren, wir brauchen keine Reduzierung der Kirche zu einer NGO, nicht von außen und nicht von innen. Gerade das war im Loccumer Vertrag und im Niedersachsenkonkordat nicht gemeint mit der Trennung von Staat und Kirche. Genau dieser Punkt hat im Übrigen in unserer Fraktion für lebhafte Diskussionen gesorgt; denn der Antrag betont vor allem gesellschaftspolitische Themen mit der Betonung auf „politisch". Er ignoriert zugleich das Wesentliche: den Verkündungsauftrag. Also noch einmal: Wir brauchen keine Reduzierung der Kirche zu einer NGO; denn das ist nicht gemeint mit der Trennung von Staat und Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Kirche eine Zeit der Expansion erlebt. Die Wahrheit des Evangeliums strahlte nach den Prüfungen des Kirchenkampfes so hell, dass man seinen Widerschein in allen wichtigen und weniger wichtigen Problemen dieser Welt wahrnahm. Die Kirchen nahmen die Gewohnheit an, zu allen Lebensfragen, Wissenschaften, Ereignissen und Entscheidungen ein Wort zu sagen. Diese Erwartung zu erfüllen, fällt der Kirche aber immer schwerer, ohne von ihrem eigentlichen Auftrag der Glaubens- und Religionsvermittlung abzukommen. Der säkulare Staat ist nur dann funktionstüchtig, wenn er säkular bleibt und nicht wiederum durch religiöse und weltanschauliche Elemente etwa Nationalismus oder Kommunismus um seine Säkularität gebracht wird. Das geschieht vermutlich dann, wenn parallel dazu die Kirche ihren Verkündungsauftrag und ihre religionserzieherischen Aufgaben nicht mehr oder deutlich unzureichend erfüllt. Das religiöse Bedürfnis des Menschen verwildert. Es gefährdet dadurch nicht bloß die Kirchen, sondern auch den innerlichen von ihr abhängigen säkularen Staat. Eine gesunde Staatsferne der Kirchen oder eine ebensolche Kirchenferne des Staates oder anders gesagt: eine kritische Partnerschaft von Kirche und Staat, eine kritische Partnerschaft im Bewusstsein des Aufeinander-angewiesen-Seins, eine kritische Partnerschaft im Bewusstsein der Besonderheit des je Eigenen und der Besonderheit des anderen und im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung unter dem Dach des Grundgesetzes ist in einer pluralen Gesellschaft nicht nur ein Gebot, sondern muss auch die Lehre aus dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche aus unserer Geschichte sein. Wir können in unserer Geschichte sehen, was passiert, wenn die Antwort auf die Frage nach dem Grund und dem Sinn des Lebens nicht mehr vom Christentum, sondern aus anderen Quellen geholt wird. Der Nationalsozialismus hat versucht, die irrationale Lebensmacht des Volkes in den Mittelpunkt des religiösen Erlebens zu setzen, um damit dem einzelnen Volksgenossen Herkunft und Sinn seines eigenen Lebens in einem größeren Ganzen festzumachen. Noch deutlicher vermochte dies der Marxismus: Seine Stärke besteht darin, dass er vielen Menschen ein Zukunftsbild zeigt, dem sie ihr eigenes Sinnbedürfnis unterordnen können. Meine Damen und Herren, bestärken wir also die Kirche und alle, die in ihr und mit ihr arbeiten, darin, ihren Kernauftrag der Vermittlung des Glaubens und der Religiosität zu stärken und weiterzuentwickeln! Religion ermöglicht Verehrung ohne Scham, Demut ohne Demütigung. Mehr noch: Religion ermöglicht sogar Verehrung, die stolz macht, die nicht bloß nicht erniedrigt, sondern erhöht. Den interreligiösen Dialog auf Augenhöhe und die Ökumene zu fördern, indem wir diese Leistung auch monetär stärker fördern, ist eine Selbstverständlichkeit und sollte nicht eine bloße Hülse der Resolution bleiben, sondern mit Leben erfüllt werden, weil das einer der Kernbestandteile ist, auf die es ankommt. Nach alldem bleibt: Der Glaube ist die Bastion des Humanismus gegen Gewalt und Ausgrenzung, für Toleranz und Teilhabe.

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