Corinna Lange
Haushaltsberatungen 2024 - Haushaltsschwerpunkt Kultus
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich versuche das mit den viereinhalb Minuten. Ich freue mich, Ihnen heute einen Einblick in einen besonders wichtigen Teil des Kultushaushalt 2024 geben zu dürfen, der frühkindlichen Bildung. Wir stehen im Bereich der frühkindlichen Bildung vor extrem großen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel in den Kitas führt zu Schließungen von Gruppen und ganzen Einrichtungen. Außerdem belastet er die Fachkräfte in den Gruppen massiv, aber auch die Kinder müssen sich in der Realität immer wieder an neue Bezugspersonen gewöhnen, doch sie brauchen Stabilität, um sich wohlfühlen zu können. Im Einzelplan 07 können wir für das ganze Jahr 2024 in diesem Bereich deutliche Akzente setzen. Besonders erfreulich ist zum Beispiel die Verschiebung der kw-Vermerke für 86 Stellen zur Ausbildung von Kita-Personal um ein Jahr im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes. Diese Planstellen für Lehrkräfte in der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik spielen eine entscheidende Rolle. Die Tatsache, dass diese Stellen vollständig mit unbefristet beschäftigten Lehrkräften besetzt werden konnten, zeigt den Erfolg dieses Schrittes. Durch die Ausbildung von Lehrkräften im Bereich der Sozialpädagogik tragen die Schulen maßgeblich dazu bei, dringend benötigtes qualifiziertes Personal im Bereich der frühkindlichen Bildung auszubilden. Weiterhin setzen wir klare Akzente insbesondere durch die Anhebung der Finanzhilfe für Krippengruppen in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege, die übrigens ebenfalls eine starke und wichtige Säule der frühkindlichen Bildung in Niedersachsen ist. Diese Maßnahmen sind nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch ein starkes Bekenntnis zu einer hochwertigen Betreuung unserer Jüngsten mit einem deutlichen Fokus auf Fachkräftesicherung. Drei wichtige Förderrichtlinien im Haushalt 2024 stellen einen weiteren Schritt in Richtung Qualitätsoffensive in der Kindertagesbetreuung dar: erstens die finanzielle Unterstützung durch die Förderrichtlinie für Personalgewinnung, Qualifizierung und Beschäftigung von Zusatzkräften in den Einrichtungen, zweitens eine Förderrichtlinie mit zusätzlichen Landesmitteln in Höhe von rund 73 Millionen Euro in 2024 für die Erhöhung der Jahreswochenstundenpauschalen und drittens ‑ darüber haben wir hier im Landtag schon sehr ausgiebig diskutiert ‑ die Sicherung der bestehenden Sprach-Kitas. Wir sind davon überzeugt, dass eine frühe Förderung und Bildung der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und verbesserte Bildungschancen ist. Jetzt kommen wir zur politischen Liste und damit zurück zum Anfang meines Redebeitrags, nämlich zum Kampf gegen den Fachkräftemangel in den Kitas. In unseren stetigen Bemühungen, den Beruf der Erzieherin attraktiver zu gestalten, zum Beispiel mit dem § 30 NKiTaG oder mit den drei Förderrichtlinien, die ich gerade angesprochen habe, gehen wir jetzt mit dem Haushalt einen weiteren wichtigen Schritt. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir insgesamt 1,2 Millionen Euro für eine geplante Werbekampagne erreichen konnten. Ich danke den regierungstragenden Fraktionen ausdrücklich für die Unterstützung dieser so wichtigen Maßnahme. Das Ziel ist, die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten und den gesellschaftlichen Wert eines der schönsten Berufe der Welt wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen und vor allem, das negative Image zu überwinden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, welchen Blockbuster kennen Sie, bei dem der Hauptdarsteller oder die Hauptdarstellerin eine Erzieherin ist und ihr Berufsalltag im Film positiv dargestellt wird? Mit gezielter Ansprache über diese Kampagne wollen wir dazu beitragen, das Interesse an diesem so wichtigen Berufsfeld noch weiter zu steigern, aber auch klarzumachen, wie anspruchsvoll und vielseitig dieser Beruf doch ist. Wir bilden im Kita-Bereich in Niedersachsen auf höchstem Niveau aus, doch wir wollen noch mehr Auszubildende für die sozialpädagogischen Ausbildungen gewinnen und insgesamt für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers werben. Ein Problem in unserem Land liegt auch darin, dass wir sehr, sehr viele Möglichkeiten haben, die Ausbildung zu finanzieren. Zum Beispiel gibt es bei mir im Landkreis Stade mehrere Stipendien, unter anderem von der Stadt und dem Landkreis. Die Stadt Achim zahlt eine Ausbildungsvergütung für angehende sozialpädagogische Assistenten in Höhe von 520 Euro und für Erzieherinnen und Erzieher in Höhe von 570 Euro. Es gibt so viele Möglichkeiten in Niedersachsen, die den Menschen überhaupt nicht bekannt sind - inklusive des § 30, den wir in Niedersachsen erreicht haben. Mit dem Niedersachsen-Plan „Mehr Fachkräfte für die Kita!“ wurden seit 2019 bereits zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Ausbildungszahlen umgesetzt. Das hat noch Grant Hendrik Tonne als Kultusminister erreicht. Das zeigt, dass wir diese Kampagne vor allen Dingen im ländlichen Raum unbedingt brauchen; denn da werden, wie gesagt, ansonsten Klassen überhaupt nicht zustande kommen. Deswegen bedanke ich mich ganz herzlich bei allen, die uns dabei unterstützt haben, dass wir diese Werbekampagne für Erzieherinnen und Erzieher umsetzen können. Jetzt habe ich ein bisschen überzogen. Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Aufmerksamkeit. Danke.
