Michael Lühmann
Schwimmen lernen - Leben retten. Flächendeckende Unterstützung beim Schwimmenlernen
Vielen Dank. - Herr Präsident! Ich versuche es mal nicht ganz so missgelaunt wie im Redebeitrag vor mir. Ich habe in Vorbereitung auf diese Rede einen Text darüber gelesen das fand ich ganz schön als Einstieg, wie sich Schwimmen anfühlt, welche Assoziationen das bei einem so weckt. Dort stand: Chlor, Pommes und Sonnenmilch. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht; ich habe diese Gerüche jedenfalls in der Nase. Das Gleiche gilt für den Lärm an den Sprungstürmen, der sehr spezifisch ist, und den Lärm am Kinderschwimmbecken, der auch sehr spezifisch ist - den hat man im Ohr. Und diejenigen, die diesen Lärm jetzt im Ohr und diese Gerüche jetzt in der Nase haben, haben das deswegen, weil sie in der Regel schwimmen können. Und das ist gar nicht so trivial. Vor dem Schwimmen-Können, das am Ende steht und das ist gar nicht so banal, steht nämlich erst mal das Erlernen des Schwimmens. Das ist eine wieder wachsende gesellschaftliche Aufgabe. Wir wissen aus der Geschichte, dass es da Konjunkturen gibt, und wir sind gerade in einer schwierigen Situation. Da gibt es gar nichts schönzureden. Wenn wir über das Schwimmen reden, haben wir auch darüber zu sprechen: Es gibt eine ganze Bandbreite: vom Schwimmenlernen über Schwimmfähigkeiten und Wassergewöhnung bis hin zu sicherem Schwimmen. Und sicheres Schwimmen ich weiß nicht, ob das jedem bewusst ist bedeutet: 15 Minuten im Wasser ohne Pause, dabei einmal die Schwimmart wechseln, dann noch ein Kopfsprung und einmal tauchen. Ob das jede und jeder hier so hinbekommt, stelle ich mal in den Raum. Trotzdem ist es richtig, dass es das Ziel sein muss, am Ende der 4. Klasse auf dieses Niveau das ist die Niveaustufe Bronze zu kommen. Von außen, wenn es jemand erst mal kann, sieht Schwimmen so schön leicht und so dynamisch aus. Es ist aber gar nicht so einfach mit den ganzen Abläufen dahinter. Und das, was für die Schwimmabläufe gilt, gilt auch für die Lösungsansätze. Auch die sind nicht so einfach, wie sie immer aussehen. Es gibt eine riesige Herausforderung mit Blick auf die Schwimmbadinfrastruktur. Dort kommen das ist ganz unglücklich diese Betonschulden zusammen. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Gebäude und auch Freibäder mit ganz besonders schwierigen Bausubstanzen errichtet sagen wir es mal so freundlich, die dann in den 1990er- und 2000er-Jahren noch kaputtgespart wurden. Da haben wir einfach einen riesigen Aufholbedarf. Deshalb bin ich froh, dass wir zumindest in diesem Bereich ein ganzes Stück gemacht haben - und auch beim Schwimmlernen. An dieser Stelle lobe ich sonst meckern wir ja oft jetzt mal Herrn Hilbers als Finanzminister, denn das hat die vorherige Regierung schon gut gemacht. Auch wenn es Sie nicht freut, wenn ich Sie lobe - das ist in Ordnung, aber ich tue es trotzdem. Im Rahmen von „Startklar in die Zukunft" haben wir ja eine ganze Menge gemacht, und das ist auch gut so. Auch in die Schwimmstättensanierung haben wir über 20 Millionen Euro gesteckt. „Niedersachsen lernt Schwimmen" kommt dazu. Wir haben zusätzliche Förderhilfen für Schwimmkurse, Qualifizierung usw. ermöglicht. Völlig klar ist das hat der Kollege Meyn zu Recht gesagt: Die ganze Mühe wäre vergeblich, wenn nicht die vielen Ehrenamtlichen unterstützen würden. Mein Dank geht an den DLRG, an den Landesschwimmverband, den Landessportbund, die Sportjugend und die vielen Vereine, die hier die Software liefern zum Teil auch die Hardware, und natürlich an die Kommunen, die die Hardware stellen müssen; zum Teil tun das, wie gesagt, auch die Vereine. Ich kann da auf meinen lokalen Sportverein, den ASC Göttingen, verweisen, der gerade versucht, in der Range von 3,5 bis 4 Millionen Euro ein Schwimmbad zu bauen, angeflanscht an ein Freibad. Wenn das Projekt funktioniert, hat das, glaube ich, Vorbildcharakter. Wir sehen auch: Wir können von den Sportvereinen lernen. Das passiert nicht alleine kommunal. Da kann man ganz viel voneinander lernen. Damit das aber in den Kommunen klappt, haben wir eine ganze Menge Kollege Lühmann, einen Moment bitte! Wir sind jetzt wirklich im Endspurt, und mittlerweile kann ich Ihre Rede hier oben kaum noch verstehen. Ich bitte um ein bisschen Disziplin und darum, die Gespräche einzustellen. Wenn es denn dringend ist: Gehen Sie nach draußen! Jetzt hat Kollege Lühmann das Wort. Bitteschön! Vielen Dank, Herr Präsident. Der Kollege Frölich hat natürlich völlig recht, und dann wollen wir Rostorf auch nennen; dort wird das Schwimmbad gebaut. Wir gucken alle darauf, wie gut das funktioniert. Damit das in den Kommunen funktioniert, haben wir in den letzten Jahren über die politische Liste 35 Millionen Euro bewegt; über 30 Lehrschwimmbecken sanieren wir gerade bzw. werden wir noch sanieren. Ich glaube, das ist eine gute Botschaft. Dazu kommen 10 Millionen Euro für den Vereinssportstättenbau; fast 800 Projekte konnten durch den Landessportbund kofinanziert werden. Das ist eine gute Geschichte. Dazu kommen die Mittel aus dem Sondervermögen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro, die wir jetzt verteilen; weitere 600 Millionen Euro kommen aus dem Kommunalinvestitionsprogramm. Und nicht zuletzt adressieren auch die Mittel aus der Sportmilliarde das Schwimmen. Dabei muss ich aber zumindest kritisch anmerken: Die Sportmilliarde ist, ehrlich gesagt, nur eine Sport-Drittelmilliarde. Wir als Grüne haben eigentlich dieser Bundesregierung nicht 500 Milliarden Euro ermöglicht, damit sie die eigene Klientel beschenkt, sondern damit spürbare Investitionen entfesselt werden - auch in möglichst klimaneutrale, moderne und inklusive Sport- und Schwimmstätten. Durch die Erhöhung der Pendlerpauschale hat, glaube ich, noch kein Kind schwimmen gelernt, durch Investitionen in Schwimmstätten schon. Wir würden uns wünschen, dass das in Zukunft vielleicht ein bisschen anders gehandhabt wird. Herzlichen Dank.
