Pippa Schneider
KI in der Wissenschaft: Forschung und Lehre auf die Auswirkungen der technischen Revolution vorbereiten
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Momentan gibt es kaum eine wissenschaftliche Ausschreibung, die ohne den Begriff KI auskommt. Wenn man die Website des Bundesministeriums für Forschung öffnet, kommt unter dem Reiter „Spitzenforschung" als Allererstes ein Eintrag mit dem Titel „KI - die neue Zukunftstechnologie". Der Nobelpreis für Physik ging Ende letzten Jahres an zwei Wissenschaftler, die Weiterentwicklungen in der KI-Grundlagenforschung geschaffen haben. Wir sehen also: Das Thema KI ist in aller Munde. Wie die Rednerin der SPD-Fraktion bereits ausgeführt hat, beschäftigen sich sowohl die Praxis als auch die Politik schon ausführlich mit dem Thema KI. Hier will ich nur beispielhaft die Initiative „Hochschule.digital Niedersachsen" sowie unser KI-Papier, in dem wir dezidiert das Thema KI-Forschung beleuchten, nennen. Auch unsere Hochschulen beschäftigen sich mit dem Thema KI, mit den Chancen, aber auch mit den Herausforderungen, mit dem großen Einfluss, den KI auf Forschung und Wissenschaft hat -- wo sie die Möglichkeiten schafft, neue, bahnbrechende Entdeckungen zu machen, aber auch mit den Auswirkungen von KI auf Lehre und Studium. Denn eines ist ganz gewiss: Lernen und Lehren funktioniert mit KI nicht mehr so wie in der Zeit vor KI. Genau bei diesem Prozess wollen wir unsere Hochschulen unterstützen. Wie gestalten wir Prüfungen in einer Zeit, in der man Hausarbeiten einfach mit der KI schreiben kann? Wie prüfen wir dann eigentlich Wissen ab? Wie nutzen wir aber auch die neuen Möglichkeiten, die KI bietet - beispielsweise für personalisierte Lernpläne, für neue Tools in der Lehre, um so vielleicht auch mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen? Und wie lehren wir Studierenden das Handwerkszeug, das sie für einen verantwortungsvollen und auch kritischen Umgang mit KI brauchen? Kurz: Wir dürfen die KI nicht verteufeln, aber auch nicht als Lösung aller Probleme verklären, sondern wir müssen einen sensiblen Umgang damit lehren. Um genau diesen verantwortungsvollen Umgang geht es uns. Wer über KI redet, muss auch über Themen wie diskriminierungsfreie Algorithmen und Datenschutz reden, neben der technologischen Entwicklung auch über ethische, rechtliche und soziale Auswirkungen von KI. Und genau das, liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion, fehlt mir in Ihren Lobpreisungen von Innovationen durch KI viel zu oft! Diskriminierungsfreie Algorithmen: Das klingt jetzt vielleicht erst mal sperrig. Wo sollen Algorithmen eigentlich diskriminieren, und wie funktioniert das genau? Das kommt daher, dass wir unsere Vorstellungen von Gesellschaft auf die KI übertragen. Ein Beispiel: KI wird fast ausschließlich mit den Daten von weißen Menschen trainiert. Daraus entsteht dann ein Bias. Ich will das einmal an einem Beispiel verdeutlichen. In einem öffentlichen Bad will ein schwarzer Mann einen automatischen Seifenspender benutzen. Als er seine Hand darunter hält, kommt aber keine Seife. Das Gerät hat die Hand schlicht nicht als solche erkannt. Bei weißer Haut oder sogar bei einem weißen Papierhandtuch löst es aus. Es klingt jetzt vielleicht erst mal banal, ob man Seife hat oder nicht. Aber wenn wichtige Entscheidungen mit KI getroffen werden Entscheidungen in Versicherungen, Entscheidungen zur Gesundheitsversorgung von Menschen, Entscheidungen in Bewerbungsprozessen, zur Eignung von Menschen für eine Stelle, dann hat das ganz konkrete Auswirkungen. Dann verändern Algorithmen ganz konkret die Lebensrealität von Menschen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns nicht nur mit den schönen und innovativen Seiten von KI beschäftigen, sondern auch interdisziplinäre Forschung zur Entwicklung alternativer KI-Modelle unterstützen, von KI-Modellen, die finanzierbar, stabil und transparent und damit ethisch und rechtlich besser einschätzbar und kontrollierbar sind. Digitale Systeme müssen vertrauenswürdig sein. Dafür braucht es dann aber auch hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit und ethische Maßstäbe. Mit unserem Antrag stellen wir sicher, dass nicht nur bestimmte Geschäftsmodelle von KI profitieren, sondern KI ein echter Gamechanger sein und für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen kann. Vielen Dank.- Damit kommen wir zur letzten Wortmeldung:
