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Harm Rykena

AfD 15.03.2024 3:26 min Tagungsabschnitte 19/14

Für jeden eine Perspektive schaffen - Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss minimieren!

Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Schüler ohne Schulabschluss sind ein Problem für die Gesellschaft. Schüler ohne Schulabschluss haben ein Problem für ihren weiteren Lebensweg. Daraus folgt: Jungen Menschen ohne Berufsabschluss droht ein Leben in Abhängigkeit vom deutschen Sozialsystem, und beides hängt natürlich eng zusammen. Der Staat muss also tun, was immer möglich ist, um diesen Schülern Perspektiven aufzuzeigen und möglichst jede Unterstützung zu bieten, die man bringen kann. Aber jeder Schüler hat auch eine Bringschuld. Verschenkte Schulabschlüsse haben keinen Wert. Auch ein Hauptschulabschluss muss etwas bedeuten, muss belegen, dass der Schulabgänger über bestimmte Qualifikationen verfügt, dass er gewisse Fähigkeiten in seiner Schullaufbahn erworben hat, dass er bereit für seinen weiteren Lebensweg ist, dass er bereit für die Aufnahme einer Berufsausbildung ist. In diesem Problemfeld bewegt sich der vorliegende Antrag. Ich zitiere: „Jeder junge Mensch ohne Schulabschluss ist einer zu viel.“ Genau das muss der Grundgedanke bei der Behandlung des Themas sein. Einige der im Antrag aufgeführten neun Forderungen an die Landesregierung erscheinen mir dabei sehr sinnvoll, einige andere eher nicht. Nehmen wir zum Beispiel den Punkt 2, wo nichts weiter als die Schaffung eines neuen Berufs, nämlich des universitär ausgebildeten Talent-Scouts, gefordert wird. Bereits heute bräuchten wir an den Schulen mehr Schuladministratoren, mehr Lernbegleiter, mehr Schulsozialarbeiter, mehr Lehrer für Deutsch als Zweitsprache, mehr Vertretungslehrkräfte usw. Und nun also auch noch Talent-Scouts! Das ist realitätsfern, denn all diese Personen sind auf dem Markt nicht verfügbar. All diese Personen sind zudem kaum finanzierbar. Damit kommen wir zum Grundproblem des Antrags: Um die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern, darf man nicht erst am Ende der Schulzeit ansetzen. Für die Minimierung der betreffenden Abbrecherzahlen gäbe es zwei ganz andere Grundparameter: a) die qualitativ hochwertige Erteilung von Unterricht in voller Stundenzahl und b) individualisierte Förder- und Betreuungsdienstleistungen. Gegen die Realisierung von a) sprechen aber eine historisch niedrige Unterrichtsversorgung, oftmals fehlende, überlastete, kranke oder unzureichend qualifizierte oder fachfremd unterrichtende Lehrer sowie eine oftmals nicht förderliche sächliche Lernumgebung. Gegen b) sprechen Fachkräftemangel und ungeeignete Anreize im Bereich der Betreuung. Hier wären zu allererst die Hebel anzusetzen. Denn erst dann vermögen weiterreichende Konzepte wie im Antrag überhaupt nur wirksam zu werden. So zählt der Antrag nur eine ganze Reihe von Leuchtturmprojekten auf, die man einem zunehmend dysfunktionalen Schulsystem aufpfropft. Das wird letztendlich leider nicht zu einer Trendumkehr bei den Schulabschlüssen führen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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