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Dr.in Tanja Meyer

GRÜNE 28.04.2026 4:00 min Tagungsabschnitte 19/33

Die psychosoziale Versorgung für Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen verbessern

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte KollegInnen! Stellen Sie sich vor, Sie sind 15 Jahre alt, Sie sind in einer Clique, gehen aus und feiern gemeinsam. Irgendwann fällt Ihnen auf, dass Ihre Freundin selten etwas isst, wenn Sie gemeinsam unterwegs sind. Sie werden aufmerksam, Sie werden sensibel und stellen fest, dass sie von allen Gerichten die Kalorien kennt und ständig, fast täglich, ihre Laufergebnisse postet, inklusive der verbrauchten Kalorien. Dann postet sie ein Foto, das Sie unglaublich erschreckt: ein Bild mit einem DIN A4-Blatt vor ihrem Bauch - ein Trend. Ihr Körper verschwindet hinter dem Blatt Papier. Sie fassen sich ein Herz, sprechen sie darauf an und haben Glück. Sie sind gute Freundinnen. Sie vertraut Ihnen, und ihr geht es nicht gut. Sie weiß, dass ihr Essverhalten nicht mehr normal ist, dass sie Hilfe braucht, und zwar schnell. Wahrscheinlich kennen Sie diese Situation oder eine ähnliche Situation aus der einen oder anderen Perspektive aus Ihrem eigenen Leben. Wir haben es gerade gehört: Wie ihr geht es auch vielen anderen Mädchen und jungen Frauen. Die Zahl der von Essstörungen betroffenen jungen Frauen und Mädchen hat zugenommen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von ungesunden Schönheitsidealen auf Social Media meine Kollegin hat es gerade ausgeführt, anderen psychologischen Problemen bis hin zu Druck aus der Gesellschaft. Dies in Kombination mit der hormonellen und körperlichen Veränderung während der Pubertät ist besonders herausfordernd. Viele junge Menschen sind in ihrem Selbstbild, ihrem Selbstwert und ihrem Körpergefühl verunsichert. Zugleich ist der Umgang zu den eigenen Gefühlen in dieser Zeit erschwert und der Druck von außen besonders groß. Mädchen in dieser Situation brauchen zügige und niederschwellige Hilfe. Denn eine Essstörung ist eine Verhaltensstörung, die behandelt werden muss und schwerwiegende physische und psychische Folgen nach sich ziehen kann und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führt. Dem gegenüber stehen die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz und auch eine Orientierungslosigkeit. Betroffene und ihr Umfeld wissen nicht immer, was sie tun können und wo und von wem sie Hilfe bekommen, gerade wenn es für eine Klinik zum Glück noch zu früh ist, aber Hilfe notwendig ist. Um hier direkte Hilfe zu ermöglichen, sind der Zugang zu einer qualifizierten Beratungsstelle und ein niederschwelliges Angebot wichtig. Die Suche nach ÄrztInnen, einem Therapieplatz und der Zugang zu psychosozialen Angeboten sind eine wertvolle Überbrückung zur letztendlich notwendigen Therapie. Am besten ist es jedoch, wenn Essstörungen erst gar nicht entstehen. Deswegen ist der Ausbau der Präventionsmaßnahmen entsprechend wichtig. Das Hilfeangebot in Niedersachsen ist nicht mit dem Beratungsbedarf mitgewachsen. Dem begegnen wir mit unserem Antrag. Es geht darum, dass Angebote gesichert, der Zugang zu Informationen für Betroffene und ihr Umfeld verbessert und die Strukturen weiterentwickelt werden. Gerade wenn wir sehen, dass auch bei uns im Land Strukturen zur psychologischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen wegbrechen, ist dies besonders wichtig. Wir wissen: Hier ist immer noch mehr möglich. Aber wir sind froh, dass wir durch die Mittel der politischen Liste einen Schritt nach vorne machen können. In diesem Sinne freuen wir uns auf die Umsetzung. Das Ministerium hat angefangen. Vielen Dank dafür. Danke für die Zustimmung. Vielen Dank. - Nun spricht: für die Fraktion der CDU die Kollegin Koehler. Bitteschön!

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