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Thomas Uhlen

CDU 18.04.2024 5:21 min Tagungsabschnitte 19/15

Den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Journalismus transparent gestalten

Danke schön, Frau Präsidentin. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Einsatz künstlicher Intelligenz darf kein Selbstzweck sein. Er muss dazu dienen, die Qualität im Journalismus zu stärken, eine effizientere Datenauswertung ermöglichen und am Schluss aber auch dazu dienen, das Vertrauen in einen professionellen Journalismus zu stärken. Vor einigen Jahren ist in Schottland eine künstliche Intelligenz in einem Fußballspiel, in einer Kamera, die den Ball verfolgen sollte, eingesetzt worden. Dabei kam heraus, dass die Kamera die ganze Zeit die Glatze des Linienrichters im Fokus hatte und eben auf diese anstatt auf das glatte Leder, das sich auf dem Spielfeld bewegte, ausgerichtet war. Das ist künstliche Intelligenz, wenn sie eingesetzt wird. Höchstwahrscheinlich war jedem Fernsehzuschauer klar, dass in diesem Fall die künstliche Intelligenz halluziniert hatte, dass die künstliche Intelligenz den falschen Fokus gesetzt hatte. Bei redaktionell erzeugten Artikeln ist das natürlich um einiges schwieriger. Die Aspekte, die in Ihrem Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD und von den Grünen, angesprochen worden sind, sind natürlich in vielfacher Hinsicht richtig. Mich freut sehr, dass Sie einerseits zwar die Chancen des Einsatzes künstlicher Intelligenz auch bei journalistischer Arbeit betont, andererseits aber auch auf die Risiken hingewiesen haben. Schlussendlich ist es aber beim Einsatz künstlicher Intelligenz in allen gesellschaftlichen Bereichen wichtig, dass wir unsere Bürgerinnen und Bürger von jüngsten Jahren an zur Medienkompetenz erziehen und sie entsprechend bilden. Wir müssen die Kinder, die Menschen in unserer Gesellschaft darauf vorbereiten, in einer Welt unterwegs zu sein, die von Polarisierung geprägt ist, in einer Welt, in der es Parteien gibt, die kein Interesse daran haben, objektive Informationen zu nutzen, um Vielfalt in der Gesellschaft darzustellen und den Zusammenhalt zu fördern, um zum Beispiel auch das zu tun, was Lokaljournalismus in vielfacher Hinsicht tut, nämlich kritisch zu hinterfragen, auch Geschichten aufzunehmen, aufzuschreiben und dann auch die Menschen im Herzen zu berühren. Mittlerweile haben wir in vielfacher Hinsicht Nutzungen von Medien zu verzeichnen, die darauf angelegt sind, die Gesellschaft zu spalten, Statistiken zu schönen. Mir ist immer noch im Hinterkopf, wie ganz zu Beginn meiner Zeit hier im Landtag darauf verwiesen worden ist, man habe das im Internet gelesen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist keine quellenkritische Arbeit, sondern das kann in unserer Demokratie eben gerade gefährlich sein und am Schluss auch das, was wir hier gemeinsam wollen, untergraben. Deshalb, liebe Kollegen von der SPD und von den Grünen, hat der NDR bereits Richtlinien zur Nutzung von künstlicher Intelligenz festgeschrieben. In diesen Richtlinien ist nicht nur davon die Rede, dass man künstliche Intelligenz immer noch mit einem Urheberrecht versieht ‑ es ist ein wichtiger Punkt in Ihrem Antrag, deutlich zu machen, dass es hier auch um das Urheberrecht, um die Einnahmemöglichkeiten von Journalist*innen geht ‑, sondern es wird auch deutlich gemacht, dass es wichtig ist, Medienkompetenz umfassend auch in den Redaktionen herauszubilden, und dass die Redaktionen am Schluss auch die Verantwortung für die journalistisch erzeugten Beiträge tragen. Einen Moment, bitte, Herr Uhlen! - Herr Uhlen hat noch eine Restredezeit von vier Minuten. Die darf er jetzt auch ausfüllen, und ihm wird dabei bitte zugehört! Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht nur zuzuhören ist in unseren Debatten wichtig, sondern auch mitzudenken und nachzudenken. Es ist ‑ Herr Schulz-Hendel hat es in seiner Rede deutlich gemacht ‑ sehr notwendig, bei der Überprüfung von Daten ‑ nicht nur bei der Überprüfung von Artikeln, von Quellen, von Kennzeichnungspflichten ‑ den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Ebenso notwendig ist es, sich kritisch zu fragen, ob das denn auch wahr sein kann, was in journalistischen Beiträgen genannt worden ist, ob es sein kann, dass die Bilder, die dort gezeigt worden sind, wirklich echt sind oder ob sie Deepfakes sind, ob es sein kann, dass sie von dem Journalisten stammen, den man aus der Berichterstattung kennt. - Schade, dass hier oben in der Presseloge keiner mehr da ist, um an diesem wichtigen Punkt, der die Redaktionen direkt betrifft, teilzuhaben. Wichtig ist, dass man Menschen vertraut. Das ist wichtig hier im Parlament, das ist wichtig bei der Arbeit in den Medien, das ist wichtig in jeder Gewalt unseres Staates. Es wurde zu Beginn deutlich: Als vierte Gewalt haben die Medien eine wichtige Aufgabe bei uns im Staat und sind genauso wie alle anderen Gewalten in unserem Staatsgebilde darauf angewiesen, dass die Menschen sie akzeptieren und ihnen vertrauen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, das sicherzustellen. Die Richtlinien des NDR bilden hierzu eine sehr gute Grundlage, die wir im Ausschuss auch weiter diskutieren werden. Meine Damen und Herren, ich würde mich sehr freuen, wenn wir es auch hier im Parlament schafften, uns gemeinsam darauf zu verständigen, immer das Wort im Mittelpunkt stehen zu lassen, und nicht versuchten, mit Fakten, woher man sie auch immer hat, Debatten zu bestimmen. Wir als durch das Volk gewählte Parlamentarier sollten im gegenseitigen Vertrauen sicherstellen, dass wir eine Debatte führen, die alle Meinungen repräsentiert, die offen ist und die dazu beiträgt, dass die Menschen in unserem Land vernünftig vertreten werden. Ich freue mich auf die Debatte im Ausschuss. Und: Ich habe diese Rede ganz bewusst nicht vorbereitet, um sicherzustellen, dass keine künstliche Intelligenz vorkommt. Herzlichen Dank und einen schönen Feierabend.

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