Vanessa Behrendt
Flächendeckende medizinische Versorgung in Niedersachsen sicherstellen: Medizinstudienplätze konsequent ausbauen und Anreize für mehr hausärztliche Praxen setzen!
Vanessa Behrendt (AfD): Vielen Dank. - Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bereits im Mai 2022 warnte die Bundesärztekammer auf dem Deutschen Ärztetag in Bremen davor, dass die Qualität der medizinischen Versorgung zeitnah leiden könnte. Genau an diesem Punkt sind wir jetzt bereits angekommen. Der Altersdurchschnitt der praktizierenden Ärzte in Niedersachsen liegt bei 55 Jahren. Statistiken belegen, dass der Altersdurchschnitt angestellter Ärzte deutlich darunter liegt, der Altersdurchschnitt der niedergelassenen Ärzte allerdings deutlich darüber. Im Landkreis Helmstedt, in dem ich lebe, kann die medizinische Versorgung, so wie Sie es auch aus anderen Kreisen erwähnten, schon lange nicht mehr ausreichend gewährleistet werden. Es gibt wenig bis gar keine Fachärzte. Viele niedergelassene Ärzte arbeiten bereits über das Renteneintrittsalter hinaus. Es ist keine Seltenheit, dass niedergelassene Ärzte im Alter von 70 bis 80 Jahren noch immer praktizieren - nicht etwa, weil sie nicht in den wohlverdienten Ruhestand gehen wollen, sondern weil sie einfach keinen Nachfolger finden trotz einer vollständig eingerichteten Praxis mit einem hohen Patientenaufkommen. Vielmehr liegt es daran, dass die heutigen jungen Ärzte kein Interesse an einer 60- bis 80-Stunden-Woche haben. Immer mehr Menschen sind aufgrund der demografischen Entwicklung auf medizinische Versorgung angewiesen. Auf einen Hausarzt kommen täglich bis zu 150 Patienten, in den von Viruswellen belasteten Wintermonaten sogar bis zu 300 Patienten. Hinzu kommen auch das finanzielle Risiko, die schwierige Suche nach geeignetem Personal und das aufwendige Abrechnungssystem, welches einen Großteil der Arbeitszeit verschlingt. Die Ursache des massiven Ärztemangels ist die Folge der Gesundheitspolitik im ambulanten wie auch im stationären Bereich. Hoher Arbeitsdruck und Hierarchien in Krankenhäusern, Zunahme der Bürokratie, kaum Möglichkeiten der Teilzeitlösung, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. Daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich aus diesen genannten Gründen Mediziner in Deutschland lieber für die Forschung oder Industrie entscheiden oder sogar ein anderes Land wählen, um den Beruf auszuüben. Jährlich kehren Tausende Ärzte Deutschland den Rücken und arbeiten vorzugsweise in der Schweiz, in Österreich und anderen EU-Ländern. In der Schweiz beispielsweise ist es selbstverständlich, Kinder mit dem Beruf zu vereinbaren und dennoch in angemessener Zeit die Facharztreife zu erlangen. Ebenso locken ein höheres Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen durch geregelte Arbeitszeiten und eine flachere Hierarchie. Mehr Studienplätze zu schaffen, bedeutet nicht automatisch, dass es mehr Ärzte für Niedersachsen geben wird. Wenn die Arbeitsbedingungen der Ärzte sich nicht grundlegend verbessern und der Beruf nicht die Wertschätzung bekommt, die ihm zusteht, werden mehr Studienplätze nur dazu führen, dass sich Studenten in Deutschland ausbilden lassen, nicht aber dazu, dass sie anschließend hier praktizieren. Ausländische Krankenhäuser erfreuen sich des Zuwachses deutscher Ärzte, deren Ausbildung hohes Niveau hat. Und um hier die Lücken zu füllen, werden ausländische Ärzte nach Deutschland geholt, die in ihrem Heimatland unter Umständen kein so hoch qualifiziertes Studium absolvieren konnten. Wenn nicht endlich der Fehler im System erkannt und behoben wird, wird sich die Lage stetig verschlechtern, ganz gleich, wie viele Studienplätze man schaffen wird oder wie viele Imagekampagnen es dazu geben wird. Vielen Dank.
