Harm Rykena
Schulfrieden nicht gefährden: für eine zukunftsfeste Bildung unserer Kinder mit individueller Förderung statt Einheitsschule und Einheitslehrern
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren! Von der Einheitsbesoldung zum Einheitslehrer, von dem Einheitslehrplan hin zur Einheitsschule - so könnte man das Programm der rot-grünen Landesregierung eben doch beschreiben! Das ist in seiner Anlage ebenso durchsichtig wie verheerend in den Konsequenzen. Niedersachsens Bildungslandschaft wird dabei nachhaltig zerstört. Der Weg in die unteren Bildungsregionen ‑ bislang die Domäne von Bremen und Berlin ‑ ist klar vorgezeichnet. All die Versprechungen von Ministerin Hamburg vom Anfang der Legislatur, man wolle die Schulstruktur in Niedersachsen nicht anfassen und auch das Gymnasium nicht angreifen, sind nunmehr Makulatur. Die Maske ist gefallen! An den Schulen herrscht schon helle Aufregung. Einige Marken auf diesem Weg zur Einheitsschule werde ich im Folgenden vortragen. Als Erstes wurde A 13 für alle Lehrer durchgedrückt. Ein teures Unterfangen! Aber wer Geld verteilt, kann sich des Beifalls der Begünstigten sicher sein. Schon hier zeigte sich: Das Abstandsgebot zu den Realschul- und vor allem Gymnasialkräften wurde nicht berücksichtigt. Beamtenrechtliche Einwände aus dieser Richtung wurden vom Tisch gefegt. Kommen wir zum zweiten Teil, dem Einheitslehrer. Hier müssen MK und MWK zusammenarbeiten. Das MK macht die Vorgaben und erstellt die neuen Curricula. Das MWK verändert die Studiengänge und erstellt neue Studienordnungen. All das hat Folgen. Erstens sind die Ministerien mit der Ausarbeitung von derart weitreichenden Umstellungen voll ausgelastet. Diese Ressourcen fehlen nun an anderer Stelle. Zweitens hat sich in den vergangenen Jahrzehnten herausgestellt, dass die Schulen vor allem eines brauchen, um gut arbeiten zu können: Ruhe. Ruhe bei den Vorgaben, Ruhe bei den Anforderungen. Und sie brauchen einen verlässlichen Rahmen, in dem man arbeiten kann, ohne ständig wieder umbauen zu müssen. Dieser Zustand sollte möglichst über einige Jahre anhalten. Allein damit wäre schon viel gewonnen. Doch jetzt passiert wieder das genaue Gegenteil. Schließlich ist da noch das größte Problem der Schulen: die ständige Überlastung im Schulalltag durch den allgegenwärtigen Lehrermangel. Ausgerechnet in diesem Spannungsfeld nun auf ein völlig neues System umzustellen, kann man schon als abenteuerlich bezeichnen. Dann wären wir irgendwann am Ziel: Die Einheitsschule ist da! Doch was würde das bedeuten? - Unterforderte lernstarke Schüler, überforderte lernschwache Schüler, gelangweilte aufbewahrte Schüler, unmotivierte, zur Verschiebemasse zwischen den Lerngruppen verkommende Einheitslehrer ‑ wir haben gerade ein Beispiel dafür gehört ‑, starke Leistungsunterschiede, kaum vergleichbare Leistungen - und, um all das zu vernebeln, die Abschaffung der Noten. Wird das unsere Schulen verbessern? Wird das unsere Schulen gerechter machen? Wird das unsere Schüler leistungsstärker, motivierter und sozialer machen? Ich habe da so meine Zweifel. Niedersachsens Schulen sind in den letzten Jahren schlechter geworden. Eine Trendumkehr müsste dringend her. Doch statt das derzeitige Schulsystem zu schleifen, wie es die Kultusministerin machen möchte, wäre das genaue Gegenteil angezeigt: Unsere Schulen bräuchten vielmehr eine stärkere Ausdifferenzierung, um den unterschiedlichen Begabungsprofilen der Schüler gerecht zu werden. Dazu müsste man Gymnasium, Realschule, Hauptschule und natürlich Förderschulen mit einem ganz eigenen, klar akzentuierten Curriculum ausstatten, versehen mit einem jeweils eigenen Anforderungsprofil. Zwischen den beiden letztgenannten Schulformen könnte man übrigens natürlich auch noch die Schule [PLUS] platzieren. Das Ganze, ergänzt um Schulen in freier Trägerschaft für besondere pädagogische und inhaltliche Nischen, würde eine Schullandschaft bedeuten, in der sich die richtige, die beste Schule für das jeweilige Kind finden ließe. Die Einheitsschule aber ist das genaue Gegenteil davon. Sie versucht alles auf einmal und wird absehbar brachial scheitern. Alles in allem sind das keine guten Aussichten für Niedersachsens Schulen. Ich möchte meine Rede mit einem Zitat aus dem eben schon angesprochenen Artikel in der FAZ aus der vergangenen Woche schließen. Dort heißt es: „So liegt der Gedanke nahe, dass die aktuelle ideologisch geprägte Schulpolitik nicht hilft, Probleme zu lösen, sondern selbst Teil des Problems ist.“ Vielen Dank. Vielen Dank. - Jetzt spricht für die
