Eva Viehoff
Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur - Transparenz schaffen, Kunst- und Kulturschaffende stärken und schützen
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir bringen heute einen Antrag ein, der uns als Landtag vor eine der spannendsten und gleichzeitig herausforderndsten Fragen unserer Zeit stellt: Wie können wir den Einsatz künstlicher Intelligenz in Kunst und Kultur fördern, ohne die Rechte und Interessen der Kunst- und Kulturschaffenden zu gefährden? So öffnet die Integration von KI in künstlerischen Prozessen Türen zu vollkommen neuen kreativen Ausdrucksformen. Wer sich das einmal im Internet anschaut, der wird sehen, was alles möglich ist: KI kann Musikstücke komponieren, Gedichte schreiben manchmal auch Reden oder in wenigen Sekunden Bilder erzeugen. KI hat also das Potenzial, Künstlerinnen und Kunstschaffende in unentdeckte Welten zu führen. Man möchte sagen: „To boldly go where no one has gone before" - für all die Trekkies unter uns. Alle diese Entwicklungen sind nur der Anfang einer Transformation, die unsere Kultur nachhaltig prägen. Meine Damen und Herren, auch in Niedersachsen gibt es erste Projekte, die gefördert werden, wie „ANA - eine empathische Theaterinstallation zu gemeinsamer Geschichtsimprovisation", in der Chatbot und Besuchende gemeinsam eine Geschichte improvisieren, oder „DANCETRONIC", wo ein Projekt eine Mensch-Roboter-Tanzperformance entwickelt. All das ist schon in Niedersachsen gefördert worden. Aber nicht nur im Schaffungsprozess selbst bietet KI Potenziale. Gleiches gilt für die Kulturbranche. So können Museen und Kulturinstitutionen mit KI-basierter Analyse Informationen aufarbeiten und ein tieferes Verständnis für die Vergangenheit bieten oder durch Automatisierung von Datenverarbeitung Informationen und Wissen für Menschen weltweit bereitstellen. Die aufgezeigten Chancen bergen jedoch auch erhebliche Risiken, die bei aller Euphorie nicht außer Acht zu lassen sind. So gehören nicht nur die Fragen des Urheberrechts und Urheberschutzes, sondern auch des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte zu diesen Risiken. Mit dem Europäischen AI Act ist Europa zwar weltweiter Vorreiter in der Frage der Regulation von künstlicher Intelligenz, allerdings finden Schutz und Transparenz von Kunst und Kultur in diesem AI Act nur in geringem Maße Berücksichtigung. Unser Antrag setzt genau hier an. Wir wollen im Dialog mit Kunst- und Kulturschaffenden sowie Kultureinrichtungen eine gemeinsame Strategie für den Einsatz von KI und Kunst und Kultur entwickeln. Wir möchten, dass die KI nicht nur als technisches Werkzeug verstanden wird, sondern als eine Chance für den Kulturstandort Niedersachsen. Dabei wollen wir uns weiter auf den Weg machen, KünstlerInnen und Kultureinrichtungen in Niedersachsen bei einem verantwortlichen Umgang mit künstlicher Intelligenz in Kunst und Kultur zu unterstützen. Dazu gehört auch, dass KI in Kunst und Kultur als Teil der niedersächsischen Digital- und KI-Strategie zu implementieren ist und Transformationsprozesse aktiv unterstützt werden. Uns ist wichtig, dass niedersächsische Kultureinrichtungen und KünstlerInnen nicht nur auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren, sondern diese aktiv mitgestalten. Mit diesem Antrag schaffen wir einen Rahmen, der es uns erlaubt, die Kreativität der Menschen zu schützen und gleichzeitig die Potenziale von KI in Kunst und Kultur voll zu entfalten. Wir wollen, dass Niedersachsen ein Ort bleibt, wo Kunst und Technologie Hand in Hand gehen, in einem Umfeld, das den Schutz der Urheberrechte ebenso in den Vordergrund stellt wie den kreativen demokratischen Austausch. Ich freue mich auf die Beratung im Ausschuss.
