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Stefan Politze

SPD 07.11.2024 6:09 min Tagungsabschnitte 19/20

Leben retten macht Schule - Wiederbelebungsunterricht als fester Bestandteil im Lehrplan

wie die rechte Seite dieses Hauses einen solch wichtigen Antrag dazu missbraucht, hier Parteitagsrhetorik zu verbreiten und Themen gegeneinander auszuspielen, nämlich das Thema der Basiskompetenzen gegen das Thema Lebensrettung. Ich glaube, dass Lesen bildet, und ich glaube, dass Zuhören bildet. Aber das ist leider sehr unterausgeprägt auf der Seite dieses Hauses, und das ist wirklich sehr, sehr schade, weil es um ein ernstes und um ein wichtiges Thema geht, dem sich die drei demokratischen Fraktionen in diesem Haus widmen. Meine Kollegin Lena Nzume hat in ihren Ausführungen deutlich gemacht: 200 Menschen täglich erleiden einen Herz-Kreislauf-Stillstand, und nur 10 % von ihnen können gerettet werden und überleben diesen Herz-Kreislauf-Stillstand. Das ist eine immense Größenordnung. Darunter sind auch Kinder und Jugendliche. Wir haben vor kurzer Zeit hier in Hannover einen solchen Fall in einer Schule gehabt, bei dem ein Kind nicht rechtzeitig wiederbelebt werden konnte und nun im Wachkoma liegt. Ich weiß nicht, ob die Basiskompetenzen an der Stelle genützt hätten; aber Erste Hilfe hätte bei dem Fall auf jeden Fall genützt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Von daher ist es wirklich unglaublich, was Sie hier von sich geben, Herr Rykena. Die Erste Hilfe spielt bei der Rettung eine entscheidende Rolle. Wir müssen so früh wie möglich ansetzen, weil die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich steigt, wenn Erste Hilfe stattfindet. Leider ist es so, dass nur in 40 % der Fälle Erste Hilfe geleistet wird vermutlich weil die Menschen sich nicht trauen einzugreifen. Ich glaube, viele hier von denen, die einen Führerschein gemacht haben, werden danach nie wieder einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben. Ich möchte jetzt keine Abstimmung darüber durchführen, aber ich bin mir ziemlich sicher. Bei mir ist das 40 Jahre her. Ich habe danach keine Erste-Hilfe-Schulung mehr gemacht. Vielen anderen wird es hier genauso gehen. Ich glaube, dieses Thema ist wahnsinnig wichtig. Deswegen ist es gut, dass wir uns an dieser Stelle mit diesem Antrag beschäftigen. Es geht darum, sich ab der 7. Klasse mit dem Thema Druckmassage zu beschäftigen. Das sogenannte Drücken macht erst ab der 7. Klasse Sinn, weil man dann die nötige Kraft hat, das zu machen. Gerade bei dem Projekt LIFEFORCE geht es darum, auch Grundschülerinnen und Grundschüler an diesen Bereich heranzuführen, weil man auch anders Leben retten kann: durch Telefonanrufe oder dadurch, Erwachsene zu informieren oder andere Kräfte zu holen, die dabei helfen können. - Deswegen ist Dänemark ein sehr gutes Beispiel. In Dänemark gibt es seit 2005 diesen verpflichtenden Unterricht. Dort liegt die Überlebensrate, anders als in Deutschland, bei knapp 70 %. Ich glaube, das sollte uns doch ermutigen, diesen wichtigen und richtigen Weg zu gehen - und zwar nicht „verspätet", so wie Sie das gerade gesagt haben, Herr Rakicky, sondern es ist wichtig, dass wir ihn gehen. Denn es gibt ja schon eine Menge Instrumente wie den Schulsanitätsdienst und Ähnliches, aber das kann man ausweiten. Deswegen ist es wichtig, dass wir Herr Kollege Politze, einen kleinen Moment, bitte! - Ich bitte den Kollegen Dorendorf und die zweite Reihe der AfD-Fraktion um Ruhe. Sie können ja auch rausgehen, draußen Kaffee trinken und sich unterhalten. Aber hier stört das doch ungemein. - Danke schön. Deswegen ist es wichtig, dass wir gemeinsam mit dem Kultusministerium hier in Niedersachsen dafür Sorge tragen, dass die Curricula angepasst werden und dass wir uns auf den Weg machen, um Leben zu retten in Niedersachsen, und zwar von Anfang an, meine sehr geehrten Damen und Herren. Das Ganze hat auch etwas damit zu tun, dass man das Gemeinschaftsgefühl stärken kann. Denn Gemeinschaft verbindet. Deswegen ist das in Schule so wichtig. Viele von denjenigen, die im Schulsanitätsdienst sind, landen später bei den Hilfsorganisationen oder in der Freiwilligen Feuerwehr oder in anderen Organisationen. Von daher ist es, glaube ich, richtig, dass wir diesen Weg gehen. Er führt dazu, dass soziale Verantwortung übernommen wird. Gerade vor dem Hintergrund dessen, was wir in dieser Welt erleben, ist es wichtig, dass man soziale Verantwortung übernimmt und damit auch zur Demokratiebildung an dieser Stelle beiträgt. Denn Menschen, die soziale Verantwortung übernehmen, sind sehr selbstreflektiert, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir haben den Antrag im Vorfeld gemeinsam mit den Hilfsorganisationen besprochen, haben uns Rat geholt und auf den richtigen Weg mitnehmen lassen in der Frage, was gewünscht ist und was notwendig ist. Wir haben uns darin bestärken lassen, dass wir die Schulsanitätsdienste in ihrer Arbeit weiter stärken und die Curricula verändern. Wir haben aber auch Sorge dafür getragen auch das steht im Antrag drin, dass die Lehrkräfte nicht vergessen werden. Denn Schülerinnen und Schüler werden alleine, ohne Betreuung von Erwachsenen keine Leben retten können. Beziehungsweise sie können erst einmal die Erste Hilfe leisten, werden aber immer auch Anleitung durch Erwachsene brauchen. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Lehrkräfte über das NLQ regelmäßig fortbilden und vor allem die Zahl der fortgebildeten Lehrkräfte anwachsen lassen, damit wir immer mehr Lehrkräfte haben, die dementsprechend in Schule tätig sein können. Für die Grundschule ist das Projekt Lifeforce angesprochen worden. Auch die Tage der Wiederbelebung sind angesprochen worden. Ich glaube, dass wir uns bereits auf einem guten Weg befinden, dass wir ihn aber noch deutlich verbessern können. Insofern bin ich dankbar, dass wir diesen Antrag mit den Grünen und mit der CDU einbringen konnten und dass wir damit auch deutlich machen, dass uns dieses Thema sehr wichtig ist - abseits von Parteitagsrhetorik, aber auch von politischen Bällespielchen. Wir wollen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Dafür danke ich Ihnen recht herzlich.

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