Rüdiger Kauroff
Praxistaugliches Moorbrandschutzkonzept für Niedersachsen entwickeln
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Tagesordnungspunkt spreche ich über die Erstellung eines praxistauglichen Moorbrandschutzkonzepts; denn Niedersachsen ist das Moorland Nummer eins. Gut 70 % der Hochmoore aus ganz Deutschland befinden sich in Niedersachsen. Nimmt man alle Moorflächen bundesweit zusammen, liegen 40 % der Flächen davon in Niedersachsen. Durch den Klimawandel nehmen die Brände in den Mooren stark zu. Grund dafür ist die Zunahme von Hitze- und Dürreperioden. Zum Klimawandel kommt hinzu, dass durch Industrieunternehmen die Moore jahrzehntelang für den Torfabbau genutzt und dadurch dezimiert wurden. So veränderten sich viele Gebiete in Niedersachsen. Zu den Veränderungen gehört auch, dass die sogenannten Abtorftrassen von früher nicht mehr vorhanden sind. Die Folge des Torfabbaus zeigt sich deutlich: Es bleibt ein dünner und nicht besonders tragfähiger Moorboden zurück. Das Fatale daran ist, dass diese Böden die heutigen Rettungsfahrzeuge und die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren oder des Technischen Hilfswerks nicht tragen können. Im Einsatzfall können Einsatzkräfte nur bedingt oder gar nicht zu den Moorbränden durchdringen. Brandeinsätze in Mooren sind immer arbeitsintensiv und auch unheimlich zeitintensiv, denn anders als normale Brände sind Moorbrände meist unterirdisch und für das bloße Auge unsichtbar. Häufig breiten sie sich unterirdisch unkontrolliert aus. Meistens werden diese Einsätze von ehrenamtlichen Kräften abgearbeitet. Ist ein Moorbrand entdeckt und identifiziert worden, braucht man verdammt viel Wasser, um den Brand zu löschen. Meine Damen und Herren, Sie fragen sich zu Recht: Wie bekommen Feuerwehren das Löschwasser an den Brandort, bei den weichen Bodenverhältnissen? An dieser Stelle helfen zurzeit häufig örtliche Landwirte und Lohnunternehmen aus und transportieren Löschwasser und nötige Materialien zur Brandstelle. Ein anderer erschwerender Aspekt unserer Moore ist, dass mit der Zeit viele Fahrrad- und Wanderwege in Moorgebieten angelegt wurden. Das zieht natürlicherweise viele zusätzliche Besucherinnen und Besucher an. Dies birgt jedoch die akute Gefahr, dass die Personen unachtsam mit der Natur umgehen und beispielsweise ihre Zigarettenabfälle in die Natur werfen. Bei trockenem Sommerwetter entsteht so rasant ein Moorbrand. Die Vernässung von Mooren kann dem entgegenwirken und die Gefahr von Moorbränden eindämmen. Die SPD-Fraktion hält es mit Blick auf das Gesamtbild meiner aufgeführten Argumente für akut notwendig, dass die Landesregierung ein landesweites und praxistaugliches Moorbrandkonzept entwickelt. Dabei ist es wünschenswert, dass, ähnlich wie bei der Erstellung des Brandschutzgesetzes, die moorbrandgefährdeten Kommunen in einer Art Strukturkommission an der Erstellung des Konzeptes beteiligt werden. Die Anhörung im Ausschuss hat deutlich gezeigt, dass vor allem die Beteiligung der Kommunen Meppen und Gifhorn sehr von Nutzen sein kann. Denn diese Kommunen haben bereits einiges an Erfahrung mit Moorbränden gesammelt. Auch bei der Beschaffung von Fahrzeugen zum Löschwasser- und Materialtransport können wir von den Erfahrungen der Meppener und Gifhorner Feuerwehrkameraden profitieren. Das Land sollte festgestellte Bedarfe fördern oder eigenständig beschaffen. Damit können wir sicherstellen, dass Materialien dort stationiert werden, wo sie auch gebraucht werden. Das Gleiche gilt für präventive Maßnahmen zur Bereitstellung von Löschwasser und die Schaffung von geeigneten Wegen in den Moorgebieten. An der Ausbildungsstätte des Niedersächsischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz sollte zusätzlich die Ausbildung zur Vegetationsbrandbekämpfung um das Thema Moorbrandbekämpfung ergänzt werden. So werden bei dem Lehrgang zur Vegetationsbrandbekämpfung die eingesetzten Kräfte zeitgleich entsprechend geschult. Sie sehen, es gibt viel zu tun. Lassen Sie uns anfangen! Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
