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Dr. Karl-Ludwig von Danwitz

CDU 25.06.2026 8:00 min Tagungsabschnitte 19/35

Schulabsentismus gemeinsam und präventiv begegnen - für einen altersgerechten und wirksamen Umgang mit Schulabsentismus in Niedersachsen

Bitteschön! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Schulabsentismus fängt mit Schulunlust und Schulschwänzen an und kann im nächsten Schritt zur Schulverweigerung führen. Und dann? Oftmals kein Schulabschluss, keine Ausbildungsstelle, kein Einkommen und keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - und leider manchmal der Weg in die Kleinkriminalität. Die Folgen des Schulabsentismus können den Lebensweg von jungen Leuten weitreichend beeinflussen und ihnen viele berufliche Möglichkeiten verschließen. Das geschieht nicht von heute auf morgen. Schülerinnen und Schüler entfernen sich immer mehr von den gewohnten Abläufen und besuchen auf einmal immer häufiger nicht mehr die Schule. Um das zu verhindern, muss möglichst schnell, bei ersten Auffälligkeiten, die Entwicklung umgekehrt werden, bevor die Fehlzeiten überhandnehmen. Deswegen muss schnell gehandelt werden. Zum Ersten muss nach den Ursachen für das Fehlen in der Schule gesucht werden. Wird die Schülerin oder der Schüler überfordert, weil die Eltern vielleicht zu ehrgeizig sind oder man den Schullaufbahnempfehlungen nicht gefolgt ist? Wird in der Schule gemobbt? Gibt es Probleme im Elternhaus? Sind falsche Freunde da, die auch häufig die Schule schwänzen? Gibt es Sucht- oder psychische Probleme? Und man sollte auch darauf achten: Sind Schülerinnen und Schüler nur körperlich anwesend? Dieses passive Schulschwänzen ist oft der Anfang vom Ende. Zum Zweiten: Die schulischen Ansprechpartner müssen sehr schnell aktiviert werden - der Klassenlehrer, die Klassenlehrerin, der Vertrauenslehrer, die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologen. Und zum Dritten: Die außerschulischen Ansprechpartner müssen eingeschaltet werden - die Erziehungsberatung, das Jugendamt, die Jugendhilfe. Schnell muss gehandelt werden, sofort und früh muss gegengesteuert werden, umgehend sind die Eltern einzubinden - also insgesamt: frühe Kontaktaufnahme mit den zuständigen Ansprechpartnern. Sonst, meine Damen und Herren, wird da Schulschwänzen zur Routine, der Schulstoff fehlt, die Ergebnisse werden schlechter. Deswegen muss an den Schulen klar geregelt werden, wie mit unentschuldigtem Fehlen gegangen werden soll. Den Schülerinnen und Schülern, aber insbesondere auch den Eltern, müssen die Konsequenzen klar aufgezeigt werden, wenn Kinder die Schulpflicht nicht erfüllen. Ich bin hier immer für klare Ansagen: Wenn nicht ..., dann folgt das und das! Ein Zeitplan muss erstellt werden. Es muss bis dahin gehen, dass man zur Unterstützung beim Aufstehen vielleicht auch mal einen Wecker aushändigt. Und wenn wieder erste Erfolge eingetreten sind, dann darf auch mal gelobt werden. Es ist nicht so einfach für einen jungen Menschen, dass es ihm gelingt, wieder einem strukturierten Tagesablauf zu folgen. All das muss aber schnell eingeleitet werden. Was bei diesen Themen auch helfen kann, sind Schülerpatenschaften Erwachsene oder auch Mitschüler, die bis hin zum Abholdienst dafür sorgen, dass wieder am Unterricht teilgenommen wird. Was natürlich auch immer hilft, ist interessanter Unterricht, der zum Lernen animiert und Lust auf Schule macht. Auch die Angebote im Ganztag können dazu beitragen, dass man gerne zur Schule geht. Und es darf natürlich auch gerne unterstützt werden, wenn fehlender Unterrichtsstoff nachgeholt werden muss. Meine Damen und Herren, manche Eltern und Kinder darf man dabei ruhig etwas zu ihrem Glück zwingen. Es hilft ihnen, den Eltern, aber es hilft auch uns als Gesellschaft, die jeden jungen Menschen befähigen sollte, am Leben teilzuhaben. Unsere Kinder müssen doch im Mittelpunkt stehen. Kein Kind darf verloren gehen! Was also ist zu tun, insbesondere von der Landesregierung? Verbindliche Verfahrenswege müssen aufgezeigt werden - in der Schule und außerhalb der Schule. Und wer sollte die Hauptarbeit in diesem schwierigen Bereich machen? Wir wissen doch alle, dass Lehrkräfte mit der Arbeit in den Schulen schon gut ausgelastet sind. Also brauchen wir mehr Schulsozialarbeit, was wir als CDU schon lange fordern. Alle Schulformen müssen Stellenzuweisungen bekommen, auch die Gymnasien. Wir müssen wieder, wie wir das vor einigen Jahren in der Großen Koalition gemacht haben, einen stetigen Aufwuchs an Schulsozialarbeit an allen Schulen auf den Weg bringen. Unser klarer Finanzierungsvorschlag dafür liegt vor: Nicht jeden mit einem kostenlosen iPad zwangsbeglücken, sondern das Geld lieber für die personelle Unterstützung an den Schulen einsetzen! Wir brauchen diese personelle Unterstützung bei der Betreuung von Schülerinnen und Schülern, die leider zu oft nicht am Unterricht teilnehmen. Als Verein Sprungbrett im Heidekreis, dessen Vorsitzender ich bin, beschäftigen wir uns mit straffälligen Jugendlichen und im Rahmen des Bundesprogramms „Deine Chance" mit vier Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern über acht Jahre auch mit dem Thema Schulabsentismus. Hier sind vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv unterwegs, die die Schülerinnen und Schüler zu Hause abholen, die sie besuchen und sofort alle Maßnahmen einleiten, die eben von mir beschrieben wurden, einschließlich einer Ursachensuche, und dann alle schulischen und außerschulischen Ansprechpartner einbeziehen. Die Konzepte und Praxisbeispiele einige wurden hier angeführt liegen vor. Packen wir es an! Wir sind es unseren Kindern schuldig. Einen Punkt müssen wir aber noch kurz besprechen: SPD und Grüne sprechen sich nun dafür aus, den Jugendarrest bei minderjährigen Schulschwänzern nicht mehr zu verhängen und bei älteren Schülerinnen und Schülern nur noch als allerletztes Mittel anzuwenden. Auch ich bin der Meinung, dass Wegsperren nicht die Lösung ist, aber die Abschaffung ist ein falsches Signal. Denn es muss doch wenigstens die Möglichkeit geben, spürbare Sanktionen gegen diejenigen zu verhängen, die sich nicht an die Spielregeln unserer Gesellschaft halten. Haben Sie diese Initiative eigentlich mit der Justizministerin abgesprochen? Ich denke nicht. Im Tagesspiegel vom 3. Januar 2026 war Folgendes zu lesen: „Das niedersächsische Justizministerium verteidigte die Praxis. Der Arrest für Schulabstinenzler sei ein,grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken'." „Grundsätzliche fachliche Bedenken gegen das derzeitige Sanktionierungssystem bestünden nicht." Ich denke, das ist bezeichnend für den Zustand der Koalition. SPD und Grüne fordern, den Jugendarrest weitestgehend abzuschaffen, und das Justizministerium sah vor einem halben Jahr dazu keinen Anlass. Über diesen Punkt sollten wir im Ausschuss, denke ich, intensiv reden. Bis dahin! Ansonsten Ihnen allen eine schöne ausschussfreie Zeit im Sommer! Herzlichen Dank. Als Nächstes hat sich zu Wort gemeldet: der Kollege Rykena von der Fraktion der AfD. Bitte sehr! Vielen

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