Harm Rykena
Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen ausbauen
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Unsere Kinder brauchen nicht nur Wissen aus Büchern, sondern auch eine klare Vorstellung davon, was sie später in der Berufswelt erwartet. Doch fragen wir uns einmal: Bereitet unser aktuelles Schulsystem wirklich ausreichend darauf vor? Immer mehr Schüler wissen am Ende ihrer Schulzeit nicht, wie ihr weiterer Ausbildungsweg aussehen könnte. Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren etliche Maßnahmen zur Berufsorientierung in den Schulen eingeführt. Eine Erweiterung dieser Maßnahmen ist denkbar, sie bringt aber erst dann den gewünschten Erfolg, wenn wir uns auf die Grundlagen der Schulbildung besinnen. Vor einer Berufsausbildung müssen die Schüler zunächst leistungsfähig und dann vor allem aber auch leistungswillig sein. Das ist das „A und O" für jeden erfolgreichen Berufseinstieg, und genau daran hapert es heutzutage bei immer mehr Schülern. Eine steigende Zahl von Berichten zeigt uns, dass viele Jugendliche mit unzureichenden Fähigkeiten, unter anderem in Lesen, Schreiben und Rechnen, die Schulen verlassen. Diese defizitären Grundlagen führen dazu, dass zahlreiche Unternehmen ihre neuen Auszubildenden erst einmal ausbildungsfähig machen müssen. Und das kann so nicht weitergehen. Ein weiteres großes Problem sehen wir in der Abwertung handwerklicher Berufe, die allen Beteuerungen zum Trotz nach wie vor fortschreitet. Diese Berufe sind mindestens ebenso notwendig für unser Land wie akademische Ausbildung, Stichwort: Fachkräftemangel. Hier muss ein Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung erfolgen. Wir müssen den Schulen die Möglichkeit geben, die Neugier und das Talent unserer Kinder zu erkennen und zu fördern. Dazu gehört auch ganz praktischer Unterricht. Die Rückkehr zu mehr Werk- und Technikunterricht sollte wieder selbstverständlich sein. Praktische Erfahrungen in der Schule wecken Interesse und Begeisterung für handwerkliche Berufe. Was die CDU nun im vorliegenden Antrag anspricht, klingt fast in Gänze sehr vernünftig. Insbesondere die in Nr. 1 geforderte Initiative zur Anerkennung der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Qualifikation erscheint uns dabei erwähnenswert. Aber auch die meisten anderen Vorschläge der Union gehen in die richtige Richtung. Allerdings mit einer Ausnahme: Die Punkte, die sich mit einer Ausweitung der Berufsorientierung an Gymnasien befassen, sehen wir anders. Bereits heute kann auch diese Schulform ihre Qualitätsstandards kaum noch aufrechterhalten. Ein weiterer Ausbau der Berufsorientierung würde zusätzliche Lehrerkapazitäten binden und weiter die Unterrichtszeiten für den normalen Stoff reduzieren. Und beides lässt sich nicht mehr sinnvoll abbilden. Hier wäre der Ansatz vielmehr, den Schülern bereits in der Sekundarstufe I zu verdeutlichen, wozu die gymnasiale Oberstufe dienen soll, nämlich vor allem für die Vorbereitung auf ein wissenschaftliches Studium. Aus diesem Grund werden wir uns bei der Abstimmung enthalten. Vielen Dank.
