MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky
Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken - Qualität stärken, Fachkräftemangel bekämpfen!
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Faktum ist: Das Bildungswesen in Niedersachsen ist in einem solch schlechten Zustand, dass viele Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder lieber auf eine Privatschule schicken - einfach, um ihnen eine vernünftige Bildung zu ermöglichen. Das ist die Folge der jahrelangen grünen Bildungspolitik der 1 000 Schritte, die in Wirklichkeit 10 000 Tritte auf der Stelle oder Schritte rückwärts sind. Immer neue Reformen und Reförmchen: Schulnoten werden abgeschafft. Sitzenbleiben gibt es nicht mehr, egal wie schwach die Leistungen sind. Die Lehrkräfte erleben einen Berufsalltag, der geprägt ist von fehlender Wertschätzung, wachsender Bürokratie, immer mehr unterrichtsfremden Aufgaben und einem mangelnden Rückhalt durch opportunistische Schulbehörden, und das oft in Schulen, die buchstäblich vor sich hin bröckeln. Wen wundert es noch, dass viele Lehrer vorzeitig aus ihrem Beruf aussteigen oder krank werden? Und was setzt die rot-grüne Koalition dem entgegen? - Einen Antrag mit dem Titel „Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken". Was für eine Überschrift! Vielleicht sollten wir aber den Antrag wörtlich nehmen und das Ganze nur denken, aber nicht umsetzen. Der Leser des Antrags erfährt, dass die bisherige Lehrerausbildung nicht besonders gut und eigentlich nicht unbedingt notwendig ist, um Lehrer zu werden. Ist das der Grund, warum 41 % der Lehramtsstudenten ihr Studium vorzeitig abbrechen und es immer weniger überhaupt beginnen? Der sogenannte Praxisschock kann es nicht sein. Der kommt erst nach dem Studium und liegt eher nicht darin, dass der Junglehrer nicht ausreichend ausgebildet wurde. Nur: Kein Studium lehrt, wie er mit allgegenwärtiger Bürokratie, fordernden Eltern und nicht angemessen sozialisierten Kindern umzugehen hat. Ihre Vorschläge zur Gewinnung weiterer Lehrkräfte werden, wenn überhaupt, erst nach Jahren greifen. Können Sie den so gewonnenen Lehrkräften dann auch eine Stelle als Lehrer garantieren? Wie soll die Lehrerbedarfsplanung funktionieren, wenn gleichzeitig massiv Quereinstiege forciert werden? Welche Fehlentwicklungen dräuen uns? Dies lehrt uns jedenfalls die Vergangenheit. 1964 hat ein gewisser Georg Picht von der deutschen Bildungskatastrophe gesprochen. Im Ergebnis sind massive Maßnahmen unternommen worden, um mehr Lehrer zu gewinnen, Herr Kollege Rakicky, lassen Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Lange zu? Nein, danke. ‑ mit einem solchen Erfolg, dass in den 1980er-Jahren eine erhebliche Lehrerarbeitslosigkeit erfolgte. Nach der sogenannten Schülerschwemme kam die Lehrerschwemme. Und jetzt? Das Landesamt für Statistik meldet für 2022 und 2023 einen drastischen Geburtenrückgang in Niedersachsen auf das Niveau von 2015. In ein paar Jahren werden wir somit deutlich weniger Lehrer brauchen. Sollten nicht vor allem Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufs und des Lehramtsstudiums mehr Gewicht als blinder Aktionismus bekommen? Vielen Dank. Weitere Wortmeldungen liegen uns zu diesem Tagesordnungspunkt nicht vor. Somit ist die Beratung abgeschlossen.
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