Christoph Bratmann
Auslandsverlagerungen und Gewinnrückgang bei der Volkswagen AG - welche Folgen entstehen für Niedersachsen?
Kollege Bratmann das Wort. Bitte sehr! Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will mal nach den vielen Debatten zum Thema Volkswagen, zum Thema Zukunft der Automobilindustrie, die wir schon geführt haben, zusammenfassen, wie das in der Vergangenheit gelaufen ist und wie das auch gerade wieder läuft das hat der Kollege Scharrelmann auch schon angedeutet: Es gibt drei Fraktionen, die sich konstruktiv damit auseinandersetzen, wie Transformation gelingen kann. Die Grünen sagen: Transformation ist aus Klimaschutzgründen wichtig, wir müssen sie konsequent angehen. Die SPD sagt das auch, sagt aber auch: Wir dürfen die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aus dem Blick lassen, und wir müssen für unseren Industriestandort sorgen. Die CDU sagt auch: Transformation ist richtig, wir müssen uns auf den Weg machen aber es muss noch irgendwas im Motor verbrannt werden, dann ist es gute Transformation. - Darüber kann man streiten; das werden wir im Rahmen dieser Debatte auch noch machen. Die AfD „glänzt" durch Untergangsszenarien, durch das Schüren von Wut, von Angst, von Frust. Das ist verantwortungslos, liebe Kolleginnen und Kollegen, und bringt uns in der Lösung keinen Deut weiter. Wirtschaft ist immer auch Psychologie. Das zeigt, wie fatal verantwortungslos Ihr Handeln ist. Die Stimmung ist im Moment wichtig, insbesondere im Automobilbau. Aktuell bietet der Auftakt 2025 von Volkswagen Grund für vorsichtigen Optimismus. „Volkswagen ist Deutschland" - das hat der Spiegel neulich getitelt. Im Artikel wird deutlich, dass die wirtschaftliche Stimmung häufig mit der Lage des größten Autobauers in Deutschland korrespondiert. Das stimmt. Man kann sagen, für unser Land gilt: Gerade schwächen uns globale Krisen. Es gibt einen Reformstau. Es gibt einen Rückstand bei neuen Technologien. Das gilt für Deutschland. Das gilt auch für Volkswagen. Was aber auch gilt, ist, dass wir in Deutschland nach wie vor die Power haben, uns aus solchen Krisen zu befreien, dass wir die Power haben, uns gemeinsam wieder an die Spitze zu setzen. Das gilt auch für Volkswagen. Das wird gerade auch deutlich, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die wichtigen Märkte für VW sind im Moment ein Problem, nämlich China und die USA. Vielleicht wäre es ganz gut, Kolleginnen und Kollegen von der AfD, wenn Sie Ihren guten Draht zu Elon Musik und Donald Trump, den Sie angeblich haben, dazu nutzen, ihnen die Strafzölle auszureden, die eine große Belastung für Volkswagen darstellen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. Denn die Strafzölle sind für den Konzern insbesondere deshalb von negativer Bedeutung, weil nur VW in den USA produziert. Wichtige Modelle für den amerikanischen Markt werden aber in Mexiko produziert. Audi und Porsche produzieren überhaupt nicht in den USA. Für die sind die USA aber ein wichtiger Leitmarkt. Von daher wären Strafzölle von 25 % fatal. Ich hoffe, dass man hier auf dem Verhandlungswege noch eine Einigung findet. Aktuell ist zu beobachten, dass gerade bei den Marken Audi und Porsche Einbrüche zu verzeichnen sind. Starke Performances gibt es bei Škoda, Seat und Cupra. Was den chinesischen Markt angeht, halten sich die Chinesen nicht mit Antriebsdebatten auf. Dort ist die Elektromobilität stark auf dem Vormarsch. In 2025 werden in China erstmals mehr batteriebetriebene Fahrzeuge als reine Verbrenner verkauft. Deswegen ist es eine Riesenherausforderung für VW, in diesem Markt auch wirklich mit E‑Mobilitätslösungen stattzufinden. Man könnte die Frage stellen: Ist die Fokussierung auf E‑Mobilität auch hierzulande Auslöser der Krise? Nein, das ist sie nicht. Eher die Verweigerung dieser Technologie hätte fatale Folgen. Damit sind wir beim Begriff der „Technologieoffenheit", den die CDU immer wieder anwendet. Die Zukunft wird batterieelektrisch sein. Trotzdem spielen aktuell verschiedene Antriebe eine Rolle. Reine Verbrenner, Plug-in-Hybride, Range Extender sind genannt worden. Aber die Zukunft wird nun mal batterieelektrisch sein. Für die EU-Ebene gilt ja nun: E‑Fuels sind möglich das ist auch richtig, aber E‑Fuels sind eben nicht die Lösung. Das sagen sämtliche Vertreterinnen und Vertreter des VW-Konzerns. Das sagt die IG Metall. Das sagt der DGB. Das sagen auch die Automobilexperten. Ich habe in diesem Zusammenhang schon häufig Ferdinand Dudenhöffer zitiert. Der sagt: Wir müssen rauskommen aus dem Wolkenkuckucksheim synthetischer Kraftstoffe für die Pkws. Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend kann man sagen: Es darf auch nicht darum gehen, den Leuten mit der E‑Mobilität eine Technologie aufzuzwingen. E‑Autos müssen praxistauglich sein, sie müssen bezahlbar sein, sie müssen günstig im Betrieb sein, und sie müssen vor allen Dingen auch Spaß machen. Am wichtigsten das ist die größte Herausforderung sind im Moment nach wie vor die Kosten für die Anschaffung und die Kosten für den Betrieb. Deswegen gilt es für den VW-Konzern, aber auch für uns als Politik: Wir müssen verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, wir müssen Investitionen fördern, wir müssen die Infrastruktur ausbauen, und wir müssen die Energiekosten senken. Dann wird sich die E‑Mobilität durchsetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Volkswagen ist Niedersachsen. Für die Zukunft unseres Autobauers lohnt sich jeder Einsatz. Vielen Dank. Vielen Dank, Kollege Bratmann. - Zu Wort hat sich nochmals gemeldet: der Abgeordnete Najafi. Die AfD hat noch eine Restredezeit von einer Minute.
