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Eva Viehoff

GRÜNE 26.06.2025 4:16 min Tagungsabschnitte 19/26

Die Zukunft der Medizin: geschlechtsspezifische Forschung und Versorgung stärken!

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Antrag der CDU greift eine wichtige Lücke in der Gesundheitsversorgung auf, nämlich die Beachtung sowohl geschlechter- als auch gendersensibler Unterschiede bei Krankheitssymptomen, Krankheitsverläufen und Behandlungserfolgen. Das tut im Übrigen auch der Koalitionsvertrag von CDU und SPD im Bund, der aber ganz explizit von Gendersensibilität spricht, wenn ich mich jetzt nicht ganz täusche - gegebenenfalls steht dort auch Geschlechtersensibilität. Aber er greift das Thema in dem Sinne auf, in dem Ihr Antrag formuliert ist. Dabei geht es eben um die Berücksichtigung des biologischen Geschlechtes als auch um die Unterschiede aufgrund des sozialen Geschlechtes. Das kann Herkunft sein, das kann Alter sein, und das hat Auswirkungen auf Medizin, auf Krankheiten, auf Symptome und Therapien. Gendersensible Medizin bedeutet nämlich, dass sich Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich zeigen Stichworte „Herzinfarkt" und „Endometriose", und zwar nicht nur biologisch, sondern das ist auch durch soziale Rollen bestimmt. Wer dies ignoriert, der riskiert Fehldiagnosen und schlechtere Therapien, und deshalb muss die Medizin alle Geschlechter wahrnehmen. Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben es schon gehört: Es gibt keine wirklich belegbaren Zahlen. Ich habe mich deshalb einfach mal auf die höchste Zahl, die ich gefunden habe, konzentriert: 15 % der Frauen leiden an Endometriose. Das ist eine Krankheit, die wirklich schlecht erforscht ist, und zwar auch deshalb, weil Frauen mit ihren Symptomen nicht ernst genommen werden. Das bremst Forschung und Therapie, auch wenn, glaube ich, in der praktischen Medizin schon anerkannt ist, dass es Unterschiede sowohl allgemein zwischen Männern und Frauen als auch zwischen Männern und Frauen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten gibt. Über das große Ganze der gendergerechten Medizin verliert der Antrag kaum ein Wort; in den Forderungspunkten geht es um Forschung und Ausbildung, aber ansonsten beschäftigt er sich eher mit Frauenkrankheiten. Doch gerade die bessere Kenntnis des Einflusses von Gender auf Symptomatik und Therapie führt zu präziseren Diagnosen und zu einer wirklich besseren Therapie. Das müssen wir weiterverfolgen. Das ist bis heute noch nicht wirklich ausgeforscht. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch auf unsere Anhörung zu ME/CFS-Fatigue zu sprechen kommen. Dort wurde die Ärztekammer explizit gefragt, welche Rolle denn das Geschlecht sowohl bei der Erkrankung als auch vor allem bei der Erforschung von Therapien hat. Es wurde geantwortet, dass pharmazeutische Forschung tatsächlich gerne gleichbleibend nachvollziehbare Ergebnisse haben möchte. Und da gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen Männern und Frauen, weil wir Frauen zumindest in einem gewissen Altersbereich einem Zyklus unterliegen. Deshalb werden diese sehr stabilen Untersuchungsbedingungen oft nicht erreicht. An der einen oder anderen Stelle werden deshalb männliche Probanden und nicht nur Mäuse bevorzugt. Aber das reicht nicht aus. Denn die Erkenntnisse zeigen, dass die Symptomatik bei Herzinfarkten unterschiedlich ist. Deshalb ist es wichtig, dass man sich in der Gesundheitsversorgung von der Vorsorge über die Symptomatik bis zu Therapieansätzen nicht am Modell männlich, weiß, 35 Jahre, 1,80 m groß, 70 kg schwer orientiert und nur in einer Fußnote schreibt, dass Frauen und alle dazwischen und außerhalb mit gemeint sind. Denn das führt zum einen zu Frust bei den Betroffenen und bringt im schlimmsten Fall Betroffene in Lebensgefahr. Vor diesem Hintergrund freue ich mich auf die Beratung dieses Antrages und denke, dass wir da gemeinsam etwas Gutes hinbekommen. Vielen Dank, Frau Viehoff.

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