Delia Klages
Die Zukunft der Medizin: geschlechtsspezifische Forschung und Versorgung stärken!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute beraten wir einen Antrag, der die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der medizinischen Forschung und Versorgung in den Fokus rücken soll. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen geschlechterspezifische Unterschiede und dass es Krankheiten wie zum Beispiel das Lipödem gibt, das fast ausschließlich Frauen betrifft, während Prostataerkrankungen ausschließlich bei Männern vorkommen. Das steht außer Frage, und für diese Fälle ist es bereits heute gängige ärztliche Praxis, das biologische Geschlecht in Diagnostik und Therapie mit einzubeziehen. Was allerdings fehlt, ist, die Forschung zu ertüchtigen. Dieser Antrag ist aber hoffentlich nicht von einer Genderideologie geprägt, die weit über die Unterscheidung zwischen Mann und Frau hinausgeht. Zur Sicherheit will ich aber nachfragen: Wie viele Geschlechter wollen Sie künftig in Forschung, Diagnose und Therapie berücksichtigen? Zwei Geschlechter, drei, zehn oder Dutzende, wie sie inzwischen in amtlichen Formularen auftauchen? Wo soll Ihrer Meinung nach die Grenze gezogen werden? Und wie soll das in der Praxis umzusetzen sein? Wenn wir über Forschung und Versorgung sprechen, müssen wir sorgsam unterscheiden: Geht es um somatische, also um körperliche Erkrankungen, oder auch um psychosomatische Erkrankungen, bei denen gesellschaftliche und persönliche Einflüsse eine Rolle spielen? Wer entscheidet, wann ein Krankheitsbild tatsächlich einen geschlechterspezifischen Bezug hat und wann nicht? Die Politik oder die Wissenschaft? Ich hoffe, Letzteres. Gleichzeitig muss beachtet werden, dass eine stärkere Spezialisierung immer auch eine Herausforderung bedeutet. Bei begrenzten Ressourcen besteht die Gefahr, andere wichtige medizinische Themen nicht ausreichend finanzieren zu können. Ich will an dieser Stelle die Kosten für Forschung und Therapie für die Corona-Impfopfer nennen. Bei der Ausgestaltung etwaiger Forschungs- und Förderprogramme ist zu berücksichtigen, dass das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bereichen medizinischer Forschung sichergestellt wird. Und mit weiteren Anforderungen steigen auch personelle Aufwände. Ich würde mir wünschen, dass unsere Ressourcen für Gesundheit und Wissenschaft nicht so begrenzt wären. Die Realität setzt aber Grenzen. In Niedersachsen gehört die Gesundheitsversorgung bei all dem Mangel an bisherigen Ideen, Geld und Personal zu den ganz großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Wir erwarten im Ausschuss eine sachliche Auskunft darüber, wie viele Geschlechter Berücksichtigung finden sollen und welche Fachbereiche einbezogen werden. Ich freue mich schon darauf, mit Ihnen im Ausschuss über die Möglichkeiten medizinischer Fachkompetenzzentren gezielt für einzelne Geschlechter oder Identitäten und deren Umsetzung zu diskutieren. Abschließend möchte ich aber betonen, dass jeder Antrag, der zu einer besseren, gerechteren und bezahlbaren medizinischen Versorgung beiträgt, von uns begrüßt wird. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
