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Vanessa Behrendt

AfD 09.02.2024 3:20 min Tagungsabschnitte 19/13

Gemeinsam statt Einsam: Gemeinschaft stärken - landesweite Strategie gegen Einsamkeit entwickeln

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Was senkt die Lebenserwartung so sehr wie Alkoholismus, was macht so krank wie 15 Zigaretten am Tag, was ist doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit, und was betrifft dabei 42 % der Deutschen? Die Rede ist von Einsamkeit. Wir sind dankbar, dass die Landesregierung sich dieses Themas annimmt. Endlich, muss man sagen; denn Einsamkeit ist längst ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wir müssen uns die Frage stellen: Was für ein Land sind wir geworden, in dem sich so viele Menschen einsam fühlen? Einsamkeit geht mit einer erheblichen Krankheitslast einher. Menschen, die alleine leben, haben ein 80 % höheres Risiko, innerhalb von acht Jahren eine Depression zu erleiden. Ihr Risiko für einen Schlaganfall ist um 39 % erhöht, das Risiko für einen Herzinfarkt sogar um 43 %. Doch während Krankheiten wie Depression und Burn-out, Gott sei Dank, längst anerkannt sind, ist Einsamkeit nach wie vor ein Tabuthema. Wir sind eines der am dichtesten besiedelten Länder in Europa und oft ständig von Menschen umgeben. Dennoch: Einsamkeit breitet sich nahezu unaufhaltsam aus, und zwar nicht nur unter Senioren. Sie betrifft auch viele junge Menschen und, ja, oft auch Menschen, die in einer Partnerschaft leben. Auch schreiben Sie richtig in Ihrem Antrag, dass gerade Alleinerziehende sich besonders häufig einsam fühlen, und das, obwohl sie natürlich viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Es ist aber völlig nachvollziehbar. Schließlich ist es nicht die Aufgabe von Kindern, Freunde für ihre Eltern zu sein. Sie haben ganz andere, ganz eigene Bedürfnisse. Sich Einsamkeit selbst einzugestehen, ist ein großer Schritt. Wer gibt schon gern zu, dass er einsam ist? Wer gesteht sich und anderen ein, dass er keine richtigen Freunde hat? Einsamkeit ist nicht nur der äußere Umstand, allein zu sein, sondern das innere Gefühl, als Mensch nicht gewollt zu werden. Ich glaube, es gibt kaum schlimmere Gefühle. Es existieren keine schnellen Lösungen für Einsamkeit. Sie kann nicht per Gesetz verboten oder per Erlass bekämpft werden. Die Frage, wie man Einsamkeit beendet, ist die Frage, wie das gesellschaftliche Miteinander wiederhergestellt werden kann. Das betrifft viele Bereiche. Wie kann die Atomisierung der Gesellschaft geheilt werden? Wie können öffentliche Räume wieder zu Orten der Begegnung werden? Wie schaffen wir es, dass das Gespräch mit unserem Nächsten wieder normaler wird als der Kopfhörer im Ohr? Wir müssen auch die Frage stellen: Welche Rolle spielen politische Polarisierung und der Ausschluss inzwischen großer Teile der Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben? Die Bekämpfung von Einsamkeit muss auch mit einer Aufarbeitung der Corona-Zeit einhergehen. Sie haben die Menschen verfolgt, weil sie sich in erzwungener Isolation mit ihren Freunden trafen. Sie haben damals Einsamkeit vorgeschrieben und Freundschaft zur Ordnungswidrigkeit erklärt. Fakt ist, dass die gegenwärtig so verbreitete Einsamkeit nicht aus heiterem Himmel kommt. Sie ist das Ergebnis einer langen Verkettung auch politischer Entwicklungen, die die Menschen buchstäblich krankgemacht haben. Deshalb wünsche ich mir, dass wir Einsamkeit so diskutieren, wie unsere Gesellschaft sein sollte: zusammen statt gegeneinander, gemeinsam statt einsam. Ich freue mich auf die Debatte im Ausschuss. Vielen Dank.

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