Thomas Uhlen
Gefahren der Humanen Papillomviren: Welche Maßnahmen unternimmt die Landesregierung zur Bekämpfung?
Sie haben sechs Minuten, Herr Kollege. Die Uhr zeigt zwar vier Minuten an, aber Sie haben sechs Minuten. Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist sehr deutlich geworden: Die Landesregierung lässt erwachsene Frauen und Männer im Stich. Das haben wir gerade sehr deutlich der Wortmeldung von Frau Kollegin Schüßler entnehmen können, die mit Blick auf die Kampagnen-Zielgruppe permanent darauf hingewiesen hat, dass es hier um Schülerinnen und Schüler gehe, dass Impfbusse an Schulen und an anderen Orten eingesetzt werden sollen, wo junge Menschen unterwegs sind. Aber gerade Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht nur gefährdet durch Gebärmutterhalskrebs, sondern sie sind auch gerade diejenigen, die nicht durch die Impfkampagnen erreicht worden sind, bevor die STIKO die Impfempfehlung ausgesprochen hat. Das ist das große Problem, liebe Kollegin Schüssler, und es hilft überhaupt nichts, wenn wir nun Tests einsetzen, die auf HPV untersuchen, denn HPV hat so viele Varianten. So erreichen wir am Schluss nicht alle Menschen, die jetzt heute noch geimpft werden können. Die Impfung ist immer sinnvoll, sowohl für Frauen als auch für Männer. Gerade das wird sehr deutlich, wenn man beispielsweise die Empfehlung der AOK Niedersachsen liest, die genau das klarstellt: Ein HPV-Test beantwortet nicht die Frage, ob man noch empfänglich ist für die Erkrankung oder auch nicht. Das ist dort sehr deutlich geworden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist wesentlich, dass wir hier noch einmal klarstellen, dass es eben nicht um gynäkologische Grunduntersuchungen geht. Es geht um die regelmäßige Pflicht, Herr Minister, dass Vorsorgeuntersuchung durch die Krankenkassen bezahlt werden, um dem Frauen dann die Sicherheit zu geben, gegen eine Infektion durch HPV und am Schluss damit auch vor Gebärmutterhalskrebs geschützt zu sein. Dass jährlich 1 600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs sterben, haben Sie deutlich gemacht, Frau Schüßler. Sie haben es in Ihrem Redebeitrag gerade betont. Genau hier liegt unsere Verantwortung, frühzeitig dafür Sorge zu tragen, dass Frauen Vorsorge durch die Krankenkassen und durch unsere Gesellschaft refinanziert bekommen und wir die Frauen nicht mit hohen Kosten für Vorsorgeuntersuchungen wie auch für die Impfung alleine lassen. Dass die Impfquoten von Frauen und Männern hier gar nicht zur Sprache gekommen sind, zeigt, Herr Minister, dass hier ein großer weißer Fleck ist, gerade auch bei Frauen im gebärfähigen Alter und bei Männern. Hier müssen wir hinschauen. Wir können nur sicherstellen, dass eine Impfung durchgeführt wird, wenn wir informieren und eben nicht nur Kinder und Jugendliche im Blick haben und hier in der Portikushalle des Landtages Fotoboxen aufstellen. Dies hilft nicht, die Impfquote zu erhöhen, sondern es helfen wirklich nur Impfungen, Informationen durch Urologen, durch Gynäkologen und natürlich dann auch das Erreichen der Eltern und nicht nur der Kinder. Dass diese Kampagne wichtig und notwendig ist, steht außer Zweifel. Dass die Kinder und Jugendlichen erreicht werden müssen, ist richtig und wichtig. Und dass die Impfquote gerade auch bei jungen Frauen, bei Mädchen, bei Schülerinnen und Schülern ansteigt, ist eine gute Sache, die wir sehr begrüßen. Nichtsdestotrotz sind viele Bevölkerungsgruppen wegen der verspäteten STIKO-Empfehlung und wegen die Refinanzierung nur bis zum Alter von 17 Jahren nicht erreicht worden. Hier hat die Landesregierung, hier haben die Krankenkassen ihre Hausaufgaben zu machen, um die Frauen vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen und dieses Risiko nicht einzugehen. Deswegen kann ich im Sinne der gesamten Bevölkerung nur dazu aufrufen, dass wir es schaffen, die Impfquote für alle Gruppen zu erhöhen und gerade auch für Erwachsene noch einen obendrauf zu legen, denn die Kampagne erreicht bisher nur Schülerinnen und Schüler. Hier gibt es unseres Erachtens einfach noch einen großen weißen Fleck, der der Thematik als Ganzes, dem Gebärmutterhalskrebs, den verschiedenen Krebserkrankungen nicht gerecht wird. Impfen schützt in diesem Fall gegen Krebs, und das sollten wir offen plakatieren, nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern gerade auch für Menschen im gebärfähigen Alter, für Erwachsene. Herzlichen Dank.
