Vanessa Behrendt
Kindernotdienste per Videosprechstunde einrichten!
Vanessa Behrendt (AfD): Vielen Dank. - Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeder von Ihnen, der bereits eine Familie gegründet hat, kennt vermutlich diese Situation: Es ist Wochenende oder ein Feiertag, und ohne Vorankündigung ist das Kind von der einen zur anderen Minute krank. Plötzlich krümmt es sich vor Bauchschmerzen, hat gerötete Wangen, hustet und atmet schwer, bekommt hohes Fieber, oder es hat sich verletzt und klagt über Schmerzen. Dabei kann es sich um eine banale Erkältung handeln, einen Magen-Darm-Infekt, eine kleine Verletzung oder aber eben auch um etwas Ernsthaftes. Wer kann dies als Elternteil in dieser Situation schon wissen? Gerade in den ersten Lebensjahren fühlt man sich in einer solchen Situation völlig hilflos und begibt sich lieber mit dem kranken Kind, um auf Nummer sicher zu gehen, zum Arzt, in diesem Falle zum kinderärztlichen Notdienst. Aufgrund des Personalmangels und auch starker Infektionswellen während der Wintermonate sind stundenlange Wartezeiten und sogar überfüllte Notaufnahmen vorprogrammiert, zum Leidwesen der kranken Kinder und auch deren Eltern. Um die Lage für die Kinder, die Eltern und auch das Personal zu entschärfen, hat das Land Nordrhein-Westfalen kurzfristig das Angebot der telemedizinischen Beratung im kinderärztlichen Notdienst eingerichtet. Rund fünf Wochen, vom 24. Dezember bis zum 31. Januar diesen Jahres, wurden mehr als 2 300 Videosprechstunden mit Kinderärzten durchgeführt. Im Ergebnis mussten weniger als die Hälfte der jungen Patientinnen und Patienten zur Weiterbehandlung an eine Notdienstpraxis verwiesen werden. Über die Hälfte der Kinder konnten beruhigt mit ihren Eltern zu Hause bleiben und sparte sich den Weg sowie lange Wartezeiten. Diese Zahlen sprechen eindeutig für sich; denn erfahrenen Kinderärzten fiel es nicht schwer, im Rahmen einer Videosprechstunde zu entscheiden, ob der Besuch einer Kindernotdienstpraxis notwendig ist oder eben nicht. Dieses Zusatzangebot im kinderärztlichen Notdienst hat zu spürbarerer Entlastung und Besserung der Situation geführt, sodass die KV Nordrhein anstrebt, dieses Konzept flächendeckend und regelhaft zu etablieren. Sämtliche Kosten für dieses Projekt hat das NRW-Gesundheitsministerium getragen, nicht die KV. Wo ein Wille ist, ist eben auch ein Weg! Obwohl die Landesregierung seit 2018 u. a. das Teilziel verfolgt, die Telemedizin auszubauen, fand unser Antrag zur Einrichtung dieser Videosprechstunden im zuständigen Ausschuss keine Zustimmung. Das Argument, liebe SPD, dass wir mit unserem Antrag zu spät dran wären, ist, bei allem Respekt, völlig haltlos; denn der nächste Winter kommt mit Sicherheit und wird auch wieder mit dementsprechend hohen Infektionswellen begleitet werden. Das dürfte selbst Ihnen bekannt sein. Wir alle sind in diesem Landtag in erster Linie, um die Interessen der Bevölkerung in Niedersachsen zu vertreten und in diesem Falle die der kleinen kranken Patienten. Und wer in dieser Situation seine ideologischen und parteipolitischen Interessen über die Interessen unserer Kinder stellt, der sollte sich fragen, ob er hier richtig ist. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
