Harm Rykena
Keine Kapitulation vor dem Lehrkräftemangel - Unterrichtsversorgung in Niedersachsen sicherstellen!
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die CDU versucht mit dem vorliegenden Antrag, auf die Situation des anhaltenden Lehrkräftemangels zu reagieren, und nennt eine lange Reihe von konstruktiven Vorschlägen, die tatsächlich kurzfristig umsetzbar sein würden, wenn Landesregierung und Verwaltung es denn wollten. Doch dort mauert man, steckt den Kopf in den Sand und hofft, dass der Kelch des Lehrermangels auch ohne Änderung an der jetzigen Politik an einem vorübergehen wird. Doch das kann nicht funktionieren. Im Antrag stehen wirklich viele praktikable Ansätze. Manche davon sind sogar richtig gut. Ja. So fordert die CDU zum Beispiel ein attraktives berufsbegleitendes Quereinsteigerstudium. Sie fordert eine praxisnähere Lehramtsausbildung, um spätere Abbrüche zu vermeiden, und sie fordert zum Beispiel die schnellere Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse. Dazu meinen wir übrigens, dass, wenn die deutschen Sprachkenntnisse in guter Form vorliegen, dagegen nichts einzuwenden wäre. Und schließlich ‑ das halten wir für besonders wichtig ‑ wagt sich die CDU außer uns als einzige der Parteien hier im Landtag an den Heiligen Gral der rot-grünen Schulpolitik, nämlich an den Ganztagsschulbetrieb. Unter Punkt 6 fordert die CDU, „Lehrkräfte aus den Betreuungsangeboten des Ganztages abzuziehen und diese im Kernunterricht einzusetzen“. Genau das ist nämlich der einzig richtige Ansatz, um schnell auf die immense Krise der Lehrerversorgung zu reagieren. Nur hier findet man ein ausreichend großes Lehrkräftereservoir, um die Lücken in der Unterrichtsversorgung spürbar schließen zu können. Ganztagsschule bedeutet eben nicht zwangsläufig Ganztagsunterricht. Der Nachmittag kann allenfalls als Betreuungszeit genutzt werden. Genau dafür teure und knappe Lehrerstunden zu verschwenden, die auf der anderen Seite am Vormittag im Kernunterricht fehlen, ist schlicht unverantwortlich. Ich danke der CDU, dass sie sich traut, diesen Umstand anzusprechen, auch wenn das schon seit Langem eine AfD-Forderung ist. Aus all diesen Gründen werden wir nicht gegen diesen Antrag stimmen. Leider hat sich die CDU an einigen Stellen dann doch dem grün-roten Zeitgeist gebeugt und einige problematische Forderungen in den Antrag aufgenommen. Die Forderung nach A-13-Besoldung für alle Lehrkräfte gehört zum Beispiel dazu. Laut Aussage des Kultusministeriums war Niedersachsen vor allem im Primarbereich in den vergangenen Jahren immer Nettogewinner bei den Zu- und Abgängen von Lehrkräften zwischen des Bundesländern - und das trotz A 12. Auch Bewerber für Stellen im Primarbereich sind immer ausreichend vorhanden gewesen. Echter Handlungsbedarf bestand hier also nicht. Mehr Geld möchte sicherlich jeder gern verdienen. Trotzdem gilt nach wie vor: Die Lehrkräfte des Lehramtes für Grund- und Hauptschulen benötigen in erster Linie eines, nämlich Entlastung. Hier aber wird nur mehr Geld ausgegeben. Eine spürbare Entlastung findet dagegen nicht statt. Wer weiß, vielleicht sagt sich die eine oder andere Lehrkraft zukünftig: Dann nutze ich die zusätzlichen Bezüge doch dazu, um meine Stunden selbst zu reduzieren. - Das würde den Lehrermangel noch weiter anheizen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände können wir dem vorliegenden Antrag trotz seiner zahlreichen guten Ansätze leider nicht uneingeschränkt zustimmen. Wir werden uns daher enthalten. Vielen Dank. Vielen Dank.
