MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky
Konzertierte Aktion Pflege in Niedersachsen - gute Pflege demografiefest aufstellen!
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch von mir einen schönen guten Morgen. Ich freue mich schon auf die hoffentlich kreativen Angriffe der demokratischen Parteien auf die AfD. Ich meine SPD, CDU; die Grünen - na, ja. Pflegekräfte sind mitfühlend, empathisch und unterstützen uns. Die allermeisten wünschen sich, vorrangig dazu beizutragen, dass Menschen gut betreut und versorgt sind. Sie benötigen jedoch entsprechende Bedingungen für ihre Arbeit und Möglichkeiten, ihr Privatleben nach eigenem Wunsch zu gestalten. Dazu gehören auch Planbarkeit und ein faires Gehalt. Frau Prell hat besonders die Alterspflege angesprochen, aber die Problematik der Pflege ist ein bisschen breiter. Wir wissen, dass trotz der jahrelangen Besprechungen und vielen Redens bis jetzt wenig passiert ist. Die Pflegekräfte wissen in der Regel genau, was sie sich von einem Arbeitgeber wünschen. Gemäß der Plattform „Care Rockets“, Umfrage 2022, sind die wichtigsten Punkte, die sich eine Pflegekraft wünscht, insbesondere die Arbeitsbedingungen, fester Arbeitsplatz, Teamarbeit, besonders planbare Arbeitszeiten, familienfreundliche Arbeitsmodelle und wenig Bürokratie, eine gute Digitalisierung sowie laufende praxisbezogene Weiterbildung. Die Problematik bei der Pflege beginnt bereits in der Ausbildung. Im Jahre 2021 hatten wir bundesweit nach statistischen Angaben um die 56 000 Pflegeauszubildende. Die Situation mit dem Fachkräftemangel hat dazu geführt, dass man für die Ausbildungsberufe etwas weniger streng auswählt, und es führt auch dazu, dass ungefähr 30 % der Auszubildenden ihre Ausbildung abbrechen, wobei man dabei auch nicht verschweigen darf, dass die Ausbildung aus Zeitmangel wenig praxisnah und unter hohem Zeitdruck stattfindet. Man sollte sich vorstellen, wie es in den Pflegeheimen aussieht. Eine Pflegekraft hat in der Nacht bis zu 60 Insassen zu pflegen - und das ohne große Unterschiede zwischen den Pflegegraden. Wir wissen, in deutschen Krankenhäusern kommen am Wochenende häufig Patienten in die Notaufnahme unter der vielsagenden Diagnose „Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Verdacht auf Apoplex“. Wenn man sich die Zustände und die Laborbefunde anschaut, sieht man, dass die Menschen zunächst einmal sehr ausgetrocknet sind, weil sie zu wenig getrunken haben oder zu trinken angeboten bekommen haben, und auch eine Menge von sedierenden Medikamenten eingenommen haben. Wenn man die Patienten dann zwei Tage rehydriert und die sedierenden Medikamente absetzt, sind sie plötzlich ganz andere Menschen. Die Pflegesituation in den Altenheimen ist ‑ zumindest teilweise ‑ Schuld an diesem Zustand, weil man der Pflege nicht genug Zeit widmen kann. Diese Zeit wünschen sich die Pflegekräfte. Das muss sich ändern, nicht nur durch Plattformen, Gesprächskreise und gute Worte, sondern durch Taten - insbesondere auch durch die Bezahlung. Man muss betrachten: 38 000 Euro Jahresgehalt für eine Pflegekraft in Deutschland. Das ist gegenüber zum Beispiel Belgien, wo ein Gehalt von 80 000 Euro pro Jahr üblich ist, ein Klacks. Da kann man sich nicht wundern, dass diese Menschen aus dem Beruf flüchten oder ihn gar nicht erst antreten. Vielen Dank.
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