Harm Rykena
Klassenräte als demokratisches Gremium an niedersächsischen Schulen einführen
Vielen Dank. - Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Deutschlands Bildung ‑ und damit auch die niedersächsische ‑ befindet sich auf dem absteigenden Ast. Man könnte auch sagen, sie befindet sich in einem beängstigenden Sturzflug. Überlastete Lehrer, zunehmende Gewalt, immer mehr Mobbing, rapide sinkende Schülerleistungen, riesige Probleme bei der Vermittlung der deutschen Sprache, überhaupt fehlende Lehr- und Betreuungskräfte, marode Schulgebäude usw. usf. Die Aufzählung der Bildungskatastrophen ließe sich um einiges weiterführen. Es ist wirklich beunruhigend. Was unternehmen die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen in dieser dramatischen Situation? Sie wollen Klassenräte an niedersächsischen Schulen einführen. Ich frage Sie: Ist das zurzeit wirklich eines der drängenden Probleme in unserem Bildungssystem? Die Wahl von Klassensprechern und den Schülerrat gibt es an jeder niedersächsischen Schule bereits seit sehr vielen Jahren. Grüne und SPD wollen also den Kanon der Schulen diesbezüglich weiter aufblasen, insbesondere an Grundschulen und an Förderschulen für geistige Entwicklung, als hätten diese beiden Schulformen derzeit nicht ohnehin schon mehr als genug zu tun. Zudem soll dabei noch mehr verbindlich geregelt werden und damit aus der pädagogischen Verantwortung der Lehrer herausgenommen werden. Die Einengung und Aushöhlung der pädagogischen Freiheit würden damit auch an dieser Stelle immer weiter voranschreiten. Dabei hat die Kultusministerin doch kürzlich erst dafür geworben, den Schulen mehr Freiheiten zu geben. Mehr Freiheit? - Oh! Das passte dann wohl doch nicht so ganz zu der üblichen rot-grünen Verbots- und Regelungswutpolitik. Eine weitere Bemerkung möchte ich noch hinzufügen: Kinder haben einen anderen Zeithorizont als Erwachsene. Werden Klassenräte eingeführt, so müssen die auch recht bald praktische Erfolge vorweisen können. Sonst lernen die Schüler nämlich schnell: Da reden wir nur, und hinterher passiert dann doch nichts. Solange sich der Klassenrat mit Themen innerhalb der Klasse beschäftigt, mag das funktionieren. Sobald aber an einer großen Schule 20 Klassenräte mitsprechen sollen, wird es schwierig. Dann merken auch die engagiertesten Schüler recht bald, wie wenig ihr persönlicher Einsatz letztendlich bewirkt. Die Frage, ob Politikverdrossenheit so wirklich bekämpft werden kann oder ob sie dann nicht schon vielmehr beträchtlich früher einsetzen wird, möchte ich hier einmal in den Raum stellen. Den Antrag werden wir jedenfalls im Ausschuss kritisch begleiten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Vielen Dank, Kollege Rykena. - Die nächste Wortmeldung kommt von
