Lara Evers
Gewaltausbrüche bei Amateurfußballspielen - Lagebild präzisieren - Gewalttäter aus dem niedersächsischen Amateurfußball entfernen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sehen hier einen Antrag der AfD-Fraktion, der Gewaltausbrüche in Amateurfußballspielen in den Fokus rückt. Wir haben es hier mit einem Vorgang zu tun, der das übliche Schema bedient, wie es bereits in den vergangenen Monaten häufig der Fall war. Das Muster ist dabei immer gleich. Die AfD sucht sich ein vergleichbar griffiges Thema, bei dem jeder mitreden kann und das im weitesten Sinne als Problemstellung wahrgenommen wird. In blumigen Worten, wenn auch nicht immer ganz faktensicher, wird anschließend die Sachlage beschrieben und nicht selten dramatisiert. Zumindest wird stetig ein landesseitiges Versäumnis unterstellt, das mit einem dringlichen Handlungsbedarf einhergeht. Wenn bereits Maßnahmen laufen, dann werden diese ausgeblendet und selbst neu eingefordert, unabhängig von bestehenden Lösungsversuchen und Zuständigkeiten. Dabei wird grundsätzlich mal mehr, mal weniger explizit ein Bezug zu Menschen mit Migrationshintergrund oder zu Flüchtlingen hergestellt. Das ist selten schlüssig, sondern sehr gewollt und künstlich. Das aber wird in Kauf genommen, um das Gefühl zu erzeugen, diese Menschen seien die eigentliche Ursache für das geschilderte Gesamtproblem. Das ist platt und durchschaubar, scheint aber hier die wesentliche Strategie zu sein. Meine Damen und Herren, in diesem Fall geht es um Gewalt im Amateurfußball, und eins ist klar: Gewalt hat im Sport nichts zu suchen. Da ist sie also, die bekannte Problemstellung. Jetzt verweist die AfD auf gut zehn Jahre alte Daten über den Fußball in Berlin, um daraus dringlichen Handlungsbedarf für den Fußball in Niedersachsen abzuleiten. Die zugrundeliegenden Daten, die im Rahmen einer studentischen Arbeit zusammengetragen wurden, sollen belegen, dass in den meisten Fällen Menschen mit Migrationshintergrund an den Gewalttaten beteiligt waren. Dabei wäre es jedoch wichtig zu erfahren, welchen Anteil Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Berliner Fußball insgesamt ausmachen; das aber nur am Rande. Jedenfalls bildet dies die Basis für eine ganze Reihe an Forderungen und Handlungsbedarfen, die in diesem Antrag erhoben werden. Im Innenausschuss haben wir eine Bewertung aus dem Ministerium für Inneres und Sport bekommen, die deutlich macht, was bereits zu erwarten war, dass nämlich im Grundsatz sämtliche Forderungen obsolet und redundant sind. Vorweg teilte das Ministerium mit ‑ das ist eben schon gesagt worden ‑, dass es in der vergangenen Saison bei mehr als 160 000 Fußballspielen insgesamt 16 Vorfälle gegeben hat, bei denen die Polizei zum Einsatz kam. Dies sei nur angeführt, um die Dimensionen richtig einschätzen zu können. In diesem Antrag wird etwa eine Überarbeitung der polizeilichen Lagebilder gefordert. Außerdem soll das Land dem Niedersächsischen Fußballverband erklären, wie seine Schiedsrichterausbildung ablaufen soll. Die unabhängige Sportgerichtsbarkeit heißt nicht ohne Grund so, wie sie heißt. Aber auch das weiß der Antragsteller besser und plädiert für härtere Strafen. Meine Damen und Herren, das Innenministerium macht nachvollziehbar deutlich, warum die Forderungen, die im Antrag erhoben werden, in der Sache nicht helfen. Tatsächlich gibt es in diesem Antrag keinen investigativen Ansatz. Man kann nicht einfach so tun, als habe man ein großes Problem aufgedeckt, dann mit dem Finger auf einzelne Bevölkerungsgruppen zeigen und schließlich dem Land sagen: Mach jetzt mal! Ja, es gibt eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die mit weniger Respekt und Achtung gegenüber anderen einhergeht. Das erfolgt aber über alle Bevölkerungsgruppen hinweg und tritt auch im Sport und im Fußball zutage. Das ist zu bedauern. Jeder einzelne Fall ist einer zu viel, und wir müssen dagegen arbeiten. Aber dies ist längst erkannt - dafür braucht niemand diesen Antrag. Der vorgelegte Antrag ist dünn, er ist oberflächlich, und deshalb lehnen wir als CDU-Fraktion diesen Antrag ab. Herzlichen Dank.
